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Über den Verlag – vom CIP-Mediendienst zum CIP-Medien Verlag

1990 hatte keiner der großen Verlage eine richtige Einschätzung dafür, dass das ihnen angebotene Verhaltensdiagnostik-Handbuch (S. Sulz) ein Produkt wird, das über zwei Jahrzehnte (natürlich mit laufenden Aktualisierungen wie der kürzlich erschienenen Neuauflage von 2015) eines der bestverkauften verhaltenstherapeutischen Bücher auf dem deutschen Buchmarkt werden wird. Das wurde Anlass zur Gründung des CIP-Mediendienstes, eines Verlags, der zunächst hilfreiche Arbeitsmaterialien für VerhaltenstherapeutInnen herstellte wie Interviewleitfäden zu Anamnese und Verhaltensanalyse und einen Leitfaden zur Antragstellung im Gutachterverfahren. Obwohl über zwanzig Jahre lang assoziiert mit dem Centrum für Integrative Psychotherapie CIP in München waren es eher Produkte für PraktikerInnen und weniger für die Verhaltenstherapie-Ausbildung – als kleiner Verlag, der pro Jahr nur wenige Bücher herausgab.

1994 folgte als ebenfalls sehr erfolgreiches Buch „Strategische Kurzzeittherapie“ (S. Sulz), das rückblickend als erstes deutsches Buch der dritten Welle der Verhaltenstherapie (3rd wave) betrachtet werden kann und viele Aspekte von Grawes 1998 im Hogrefe-Verlag erschienenem Buch vorwegnahm. Die Verhaltenstherapie, die noch der Lernpsychologie verhaftet war, wurde zur gesamten Psychologie hin geöffnet und auch zu anderen psychotherapeutischen Ansätzen hin wie dem psychodynamischen und systemischen. Im gleichen Jahr wurde das „Therapiebuch“ veröffentlicht, das ohne den Anspruch eines universitären Lehrbuchs die Praxis der klinischen Verhaltenstherapie weitgehend abbildete: Bei welcher Störung und bei welchem/welcher PatientIn wird was und wie therapeutisch gemacht?

Von nun an nahm der Verlag Fahrt auf und 1998 folgten AutorInnen wie Marsha Linehan, Steven Hayes, F. Kanfer ebenso wie zahlreiche deutsche AutorInnen der Einladung zur Publikation  in „Kurzzeit-Psychotherapien“.

Schon 1996 wurde einer der Meilensteine der klinischen Verhaltenstherapie veröffentlicht: Marsha Linehans Dialektisch-Behaviorale Therapie der Borderline-Persönlichkeitstörung.

Es folgte 2001 Lorna Smith Benjamins Klassiker „Die interpersonelle Diagnose und Behandlung von Persönlichkeitsstörungen“ und 2004 Steven Hayes (et al.) „Akzeptanz und Commitment Therapie ACT“. Selbstmanagementtherapie-Lehrvideos mit Fred Kanfer gesellten sich dazu.

2003 wurde mit der Veröffentlichung des fünfbändigen Werks „Lehrbuch der Psychotherapie“ (Hiller, Leibing, Leichsenring & Sulz) begonnen, das zu dem Standardwerk für die Psychotherapie-Ausbildung in Deutschland wurde.

Der Integration oder besser der psychotherapeutische Horizonterweiterung folgend veröffentlichte der Verlag 2008 ein Buch der Arbeitsgruppe von Leslie Greenberg (Praxishandbuch der Emotions-Fokussierten Therapie EFT) und im gleichen Jahr ein Buch über den innovativen Therapieansatz der PBSP „Die Bühnen des Bewusstseins“ (Hrsg. Albert Pesso und Lowijs Perquin).

2006 erschienen James P. McCulloughs CBASP Therapeutenmanual und Patientenmanual.

2013 wurde „Wirksame Behandlung von somatoformen Störungen und Somatisierungsstörungen“ von Woolfolk und Allen veröffentlicht, so dass der bisher bestevaluierte Therapieansatz dieser Störungen in deutscher Sprache erhältlich war.

2015 feiert die Zeitschrift „Psychotherapie in Psychiatrie, Psychotherapeutischer Medizin und Klinischer Psychologie“ ihr 20-jähriges Jubiläum. Sie sollte eine Zeitschrift sein, die von PraktikerInnen wirklich gelesen wird und hilft, die Kluft zwischen Psychotherapie-Wissenschaft und Psychotherapie-Praxis zu verringern. Zu diesem Ziel gehört der Verzicht auf wissenschaftlichen Impact. Zwar werden alle Beitrage einem doppelten peer review unterzogen, so dass das heutige wissenschaftliche Niveau gewährleistet ist, aber es wurde nicht darauf hingearbeitet, möglichst viele Originalbeiträge zu veröffentlichen, da durch diese die Neugier der PraktikerInnen zu wenig geweckt wird. Wer als WissenschaftlerIn schreibt, wendet sich an PraktikerInnen und holt sich nicht Punkte für seine wissenschaftliche Karriere. Damals (1995) gab es als ähnliche Zeitschrift nur den „Psychotherapeuten“ des Springerverlags, heute sind es viele. Inzwischen gibt es kaum eine/n deutsche/n AutorIn im Bereich der Psychotherapie-Wissenschaft, der/die in dieser Zeitschrift nicht veröffentlich hätte.

Dasselbe auch für ganz Europa zur Verfügung zu stellen, war ein Wagnis: „Wissenschaftler schreiben für Praktiker“ – jedoch beherrschen diese europaweit nur so wenig die englische Sprache, dass es ihnen Mühe macht, einen Artikel in Englisch zu lesen. Dazu kommt, dass die Psychotherapie nur in wenigen europäischen Ländern wirklich etabliert ist. In vielen Ländern bewegt sie sich nur am Rande der Gesellschaft. Trotzdem erschien im Jahr 2000 das erste Heft der „European Psychotherapy“ mit einem europaweiten Planungsstab. Auch zur Vereinfachung der Vertriebswege wurde sie parallel zu einer Online-Zeitschrift, in der jeder Artikel, der das peer review-Verfahren erfolgreich durchlaufen hatte, sofort online veröffentlicht wurde, so dass nicht ein bis zwei Jahre bis zur Veröffentlichung vergehen.

2016 steht das 25-jährige Jubiläum des Verlags an und der Rückblick auf dieses Vierteljahrhundert macht zufrieden. Auch in Zukunft soll dieser kleine Verlag Impulse für die Psychotherapie geben, manchmal kleine und manchmal große.

Dorothea Carl-Sulz
(Verlegerin)

Über den Verlag