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KITAs schaden Kindern. Wenn Sie nicht in Not sind, sondern sich leisten können, eine freie Entscheidung zu treffen, können Sie abwägen: Würde mein Kind sich für eine KITA entscheiden?

Download 1: Powerpoint-Präsentation: KITAs schaden Kindern.

Download 2: Poster DIN A1: KITAs schaden Kindern. (Drucken im copyshop kostet 15 Euro)

Sylvia Pantel MdB Familienpakt statt KITA

Die Entwicklungspsychologie weiß darum, dass ein KITA-Aufenthalt ganztags vor dem Alter von 18 Monaten Ihrem Kind schadet. Trotzdem stehen Mütter unter dem sozialen Druck der Politik, der Medien, der Arbeitgeber, der Kolleginnen und Freundinnen.

„Sei doch nicht altmodisch, sei doch kein Muttchen, das ihre Kinder bebrütet wie ein Huhn die Lege-Eier. Verzichte doch nicht auf Dein Einkommen, Deine Karriere, die Wertschätzung, den Kontakt, die Beziehungen mit Kolleginnen, auf alles was Dir wichtig ist und Dein Beruf Dir gibt. Du wirst sehen wie Dir das fehlt, wenn Du länger als ein halbes Jahr von all dem abgeschnitten bist und nur noch mit anderen Müttern Kontakt hast, mit immer den gleichen Baby-Themen. Und melde Dein Kind rechtzeitig an. Am besten 3 bis 4 Monate vor der Geburt. Und diese Qualitätskriterien für KITAs sind ja völlig übertrieben. Die wollen, dass ein Kind mindesten eine Stunde am Tag eine Erzieherin ganz für sich hat. Und dass nicht mehr als vier bis fünf Kinder auf eine Erzieherin kommen*. Das könnte ja keiner bezahlen! Das ist eine Utopie der ewig Gestrigen. Kinder brauchen andere Kinder**“

*mit Urlaub und Krankheitsausfällen sind es an vielen Tagen 15 Kinder je Erzieherin.

**Ja aber nur ältere Geschwister. Sie können in diesem Alter von Gleichaltrigen nicht profitieren.

Das ist der Mainstream und kaum eine PsychologIn oder Kinderärztin/arzt wagt es, etwas gegen diesen zu sagen. Denn wer will schon (mit Worten) gesteinigt werden?

Oder sind die zwei bis drei Jahre, die ein Ehepaar das Kind für wichtiger halten als den Beruf, doch keine vergeudete Zeit? Was sind schon zwei Jahre im Leben eines Menschen? Wie viel erfüllende Momente verschenkt eine Mutter und ein Vater, der in den Beruf flieht? Für sie sind diese ersten Lebensjahre ihres Kindes zu schnell vorbei und unwiederbringlich verloren. Sie haben ihr Kind in diesem Alter gar nicht richtig kennengelernt (vor allem die Väter). Aber das ist nicht alles: Fehlender Aufbau einer sicheren Bindung zu den Eltern zwischen 8 und 18 Monaten führt zu einer geringeren Chance, dass das kindliche Gehirn die ihm genetisch mitgegebenen Begabungen entwickeln kann. Verbunden mit dem schlechteren Aufbau der Fähigkeit zur Impulshemmung zwischen 3 und 4 Jahren hat das Auswirkungen auf die Lebensqualität und die sozialen und beruflichen Entfaltungsmöglichkeiten bis in das vierte Lebensjahrzehnt (Walter Mischel 2015). Also ein sehr hoher Preis!

Diese kurze und intensive Investition in die Entwicklung ihrer Kinder zahlt sich für das ganze Leben aus. Jegliche Vernachlässigung (und die meisten Ganztags-KITA-Aufenthalte in diesem frühen Alter entsprechen der Vernachlässigung) rächt sich später ebenso wie jegliche Stresshaltung nach einem anstrengenden Arbeitstag, an dem auch noch das Kind etwas will, wo doch keine Kraft mehr da ist.

Dabei wäre es ganz einfach und auch finanzierbar. Zum Beispiel so:

Im ersten Jahr darf die Mutter beim Kind sein mit vollem Erziehungsgeld.

Im zweiten Jahr darf der Vater beim Kind sein mit vollem Erziehungsgeld.

Im dritten Jahr arbeiten beide Teilzeit, so dass sie zusammen auf eine Ganztagsstelle kommen und zahlen keine Lohnsteuer und keine Rentenversicherung (bei voller Anrechnung als Ausfallzeit).

Ab dem vierten Jahr bis zur Einschulung arbeiten beide zusammen so viel, dass 1,5 Stellen zusammen besetzt werden (z. B. 30 Stunden die Mutter und 30 Stunden der Vater oder ungleich verteilt) – und zahlen so wenig Steuern, dass ihnen genau so viel Familien-Nettoeinkommen bleibt wie einem kinderlosen Doppelverdiener-Ehepaar.

Das gäbe mehr Gerechtigkeit zwischen den Generationen und mehr Gerechtigkeit für diejenigen, die die Bürde der Elternschaft auf sich nehmen.

Freiberufler können diese Übergänge natürlich viel individueller und flexibler gestalten.

Was wie eine Emanzipation der Frau aussieht (gleicher Zugang zu allen beruflichen Möglichkeiten wie der Mann), die den Männern und den Arbeitgebern abgerungen wird, ist in Wirklichkeit nur eine Umverteilung der Chancenungleichheit von der Mutter auf ihr Kind. Erst wenn der Gesellschaft und der Wirtschaft wirklich abgerungen wird, was eine Frau braucht, ohne dass sie es ihrem Kind nehmen muss, können wir von Emanzipation sprechen. Bis dahin ist es nur eine Fortsetzung der Ausbeutung von ArbeitnehmerInnen auf Kosten ihrer Familie.

Sprechen Sie doch mit dem Abgeordneten Ihres Wahlkreises. Jetzt ist er noch empfänglich für solche Worte, nach der Wahl nicht mehr.

Einige Zitate aus dem entwicklungspsychologischen Wissensfundus (Literaturquellen hierzu bei Sulz 2017):

Die kognitive Entwicklung des Kindes im Vorschulalter konnte Fonagy (1997) aus der Bindungssicherheit mit der Mutter im Alter von 12 Monaten und mit dem Vater im Alter von 18 Monaten vorhersagen. 82 % der sicher gebundenen Kinder lösten Theory-of-Mind-Aufgaben (reflektieren können, dass Überzeugungen und Wünsche eigenes Verhalten und das Verhalten anderer vorhersagen), während nur 46 % der unsicher gebundenen Kinder diese Aufgaben lösen konnten. Ein anderes Studiendesign ergab, dass 87 % der Kinder, die sowohl zu Vater als auch zu Mutter eine sichere Bindung hatten, diese Aufgaben lösen konnten, im Vergleich zu 63 % der Kinder, die nur mit einer Elternperson eine sichere Bindung hatten, und nur 50 % der Kinder, die zu keinem Elternteil eine sichere Bindung hatten. Fonagy schließt daraus, dass die kognitive Entwicklung bei sicher gebundenen Kindern früher die Fähigkeit einer Reflexionsfunktion im Sinne der Theory of Mind hervorbringt und damit der Entwicklungsprozess der Mentalisierung rascher vonstattengeht.

Wenn eine sichere Bindung hergestellt ist, muss das Kind keinen Aufwand mehr betreiben, um diese herzustellen, sondern wird frei für spielerische Entwicklung. Es kann und will sich früher kooperativen Interaktionsspielen zuwenden, wie sie die Als-ob-Spiele darstellen. Sie können Aufgaben zum Gedankenlesen und emotionalen Verstehen gut lösen (Astington & Jenkins, 1995).

Auch ältere Geschwister fördern die Mentalisierungsfähigkeit eines Kindes (Jenkins & Astington, 1995).

Die Entwicklung der Mentalisierung hängt auch von der eigenen Mentalisierungsfähigkeit der Mutter ab (Fonagy, Steele, Moran, Steele & Higgitt, 1991).

(aus Sulz S. (2017). Gute Verhaltenstherapie lernen und beherrschen. Band 1: Wissen. München: CIP-Medien)

Eine sichere Bindung zu den Eltern ist notwendig, um die Fähigkeit zur Impuls- und Affektregulierung zu entwickeln. Dazu gehören die unzähligen Forschungsarbeiten zum Thema Selbststeuerungsfähigkeit, über die Walter Mischel berichtet. Denn die im Alter von 4 Jahren vorhandene oder  nicht vorhandene Selbststeuerungsfähigkeit (bei Kindergartenkindern am Beispiel des Belohnungsaufschubs untersucht à Marhsmallow-Test) hat eine erstaunliche Vorhersagekraft auf Lebensqualität von 30 bis 35-jährigen Menschen:

„Vorschulkinder, die beim Marshmallow Test länger auf die Belohnung warteten, wurden Jahre später als Jugendliche folgendermaßen beurteilt: Sie zeigten mehr Selbstkontrolle in frustrierenden Situationen, sie waren nicht so anfällig für Verlockungen, sie ließen sich weniger leicht ablenken, wenn sie sich zu konzentrieren versuchten; sie waren intelligenter, selbstbewusster und zuversichtlicher, und sie vertrauten ihrem Urteilsvermögen.  Unter Stress gerieten sie nicht so schnell in Panik wie diejenigen, die Belohnungen nicht zu lange aufschieben konnten, und sie verloren auch nicht so schnell die Fassung, waren nicht so leicht aus dem Konzept zu bringen und verfielen nicht so oft in unreife Verhaltensmuster. Ebenso konnten sie besser voraus denken und planen, und bei hinreichender Motivation waren sie zielstrebiger. Außerdem waren sie achtsamer, in höherem Maße zu rational-logischem Denken fähig und vernünftigen Argumenten aufgeschlossen, und ließen sich durch leichte Rückschläge nicht aus der Ruhe bringen.“ (Mischel 2015, S. 38)

„Etwa im Alter zwischen 25 und 30 Jahren schafften es diejenigen, die im Vorschulalter länger auf die Belohnung warten konnten, laut eigener Auskunft besser, langfristige Ziele zu verfolgen, gefährliche Drogen zu vermeiden und ein höheres Bildungsniveau zu erreichen. Ihr Body Maß Index war zudem deutlich niedriger. Außerdem waren sie belastbarer und anpassungsfähiger bei der Bewältigung zwischenmenschlicher Probleme, und sie schafften es besser, enge Beziehungen aufrechtzuerhalten.“ (a. a.O. S. 39)

„Bei den „guten Belohnungsaufschiebern“ war das Areal im präfrontalen Kortex aktiver, das für effektives Problemlösen, kreatives Denken und die Kontrolle impulsiven Verhaltens beansprucht wird. Dagegen war bei den Anführungszeichen „schlechten Belohnungsaufschiebern“ das ventrale Striatum aktiver, vor allem wenn sie sich bemühten, ihre Reaktionen auf emotional geladene, verlockende Stimuli zu kontrollieren. Dieses im tieferliegenden, primitiveren Teil des Gehirns angesiedelte Areal ist mit Verlangen, Lust und Sucht assoziiert. … dass „schlechte Aufschieber“ offenbar einen starken Motor haben, während „gute Aufschieber“ scheinbar eine bessere mentale Bremse besitzen.“ (A.a.O.  41).

Im präfrontalen Kortex ist unser kühles System des logischen Denkens angesiedelt, es ist nicht schnell auslösbar, es reagiert relativ langsam – Überlegen braucht Zeit. Es reift erst allmählich und kommt erst ab 4-6 Jahren zum immer effektiver werdenden Einsatz. Im limbischen System ist unser heißes System der Emotionen und Impulse zu Hause. Es ist schnell auslösbar, reagiert schnell reflexhaft, spontan, erzielt sofortige Wirkungen wie Befriedigung oder Spannungsreduktion. Es ist von Geburt an funktionsfähig. Große Bedürfnisse und großer Stress aktivieren dieses System.

Die zahlreichen von Mischel (2015) berichteten Studien aus dem Vorschulaltersbereich weisen eindeutig darauf hin, dass das menschliche Gehirn zum Zeitpunkt der Geburt noch nicht ausgereift ist und einige für unsere Betrachtungen wichtigen psychischen Prozesse zum Beispiel erst mit drei Jahren beginnen sich zu zeigen und erst mit fünf Jahren voll ausgebildet sind. Was ein Kind mit fünf Jahren kann, hat es zu einem guten Teil nicht erst gelernt, sondern es hat sich entwickelt. Die Individualität, die Persönlichkeit und die geistige Kapazität eines Kindes, wenn man es mit Gleichaltrigen vergleicht, ergibt sich zu einem großen Teil – neben seinen vererbten Merkmalen – aus den frühen Kindheitserfahrungen, die fördernd oder hemmend gewesen sein können. Wir müssen befürchten, dass Ganztags-KITA vor dem Alter von 18 bis 24 Monaten die Entwicklung des kindlichen Gehirns in oben genanntem Sinn hemmt.

Zusammengefasst:

  1. Die neurobiologische Basis der Entwicklung der Emotionsregulation und der Impulskontrolle ist die Reifung des Gehirns, speziell des präfrontalen Kortex u. a. mit seiner das limbische System modulierenden und hemmenden Wirkung.
  2. Die Plastizität des Gehirns ermöglicht es der Umwelt, auf die Entwicklung in vielfältiger Weise einzuwirken – sowohl entwicklungshemmend als auch entwicklungsfördernd. Die zwischenmenschliche Umwelt ist die einbindende Kultur, die der Entwicklung des Individuums Raum gibt und Grenzen vermittelt. Entwicklung geschieht in Wechselwirkung mit ihr.
  3. Sichere Bindung zu den Eltern fördert die Reifung des Gehirns, unsichere hemmt sie.
  4. Kinder unter 18 Monaten brauchen nicht Gleichaltrige sondern ältere Kinder und Erwachsene. Sie brauchen keine Gruppe sondern Zweierbeziehungen (mit Mutter, Vater, anderen Erwachsenen, älteren Geschwistern).
  5. Stress hemmt die Entwicklung des Gehirns. Gestresste Mütter stecken ihr Kind mit ihrem Stress an. KITA ist Stress für das Kind. Und die gestresste Mutter ist Stress für das Kind.

Dieser Text wurde zusammengestellt von Serge Sulz

Literatur:

Bauer, J. (2015). Selbststeuerung. Die Wiederentdeckung des freien Willens (5. Aufl.). München: Blessing.

Bischof-Köhler, D. (2010). Kognition, Motivation und Emotion in der Frühen Kindheit und im Vorschulalter. In S. Sulz & S. Höfling (Hrsg.) … und er entwickelt sich doch! Entwicklung durch Psychotherapie (S. 3-44). München: CIP-Medien.

Bowlby J. & Holmes J. (2014). Bindung als sichere Basis: Grundlagen und Anwendung der Bindungstheorie. München: Ernst-Reinhardt

Brisch K.-H. (2016): Säuglings- und Kleinkindalter. Stuttgart: Klett-Cotta

Fonagy, P., Gergely, G., Jurist, E. L. & Target, M. (2008). Affektregulierung, Mentalisierung und die Entwicklung des Selbst (3. Aufl.). Suttgart: Klett-Cotta.

Grossmann K., Grossmann K. E. (2012). Bindungen: Das Gefüge psychischer Sicherheit. Stuttgart: Klett-Cotta

Mischel, W. (2015). Der Marshmallow-Test. München: Siedler-Verlag.

Schore, A. N. (2012). Bindung und die rechtshemisphärische Regulation. In Rass E. (Hrsg.): Alan Schore: Schaltstellen der Entwicklung. Stuttgart: Klett-Cotta, S. 87-110

Sulz, S. (2012). Als Sisyphus seinen Stein losließ oder: Verlieben ist verrückt! Ein psychologisches Lesebuch über menschliche Überlebensformen und individuelle Entwicklungschancen (6. Aufl.). München: CIP-Medien.

Tietze, W., Becker-Stoll, F., Bensel, J., Eckhardt, A. G., Haug-Schnabel, G., Kalicki, B. & Keller, H. (2013). Nationale Untersuchung zur Bildung, Betreuung und Erziehung in der frühen Kindheit (NUBBEK). Verlag am Netz.