Heft 2 - 1998 Zwangsstörungen
01 Thomas Bronisch und Serge K.D. Sulz
Editorial: Psychotherapie Morgen - Umbruch oder Abbruch
Zur Psychotherapie von Vergewaltigungsopfern
Ein Ressourcenorientierter tiefenpsychologisch fundierter Ansatz
Die Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen mit EMDR
04 DIRK REVENSTORF
HYPNOSE IN VERSCHIEDENEN PSYCHOTHERAPIEMETHODEN
05 Schmidt Jürgen, Schmid-Ott Gerhard, Lamprecht Friedhelm
Prävalenz der Adipositas in einer analytisch orientierten psychosomatischen Fachklinik und Behandlungsergebnisse durch psychosomatische Rehabilitation Teil II: Ergebnisse von Verlaufsstudien
06 Nico Niedermeier, Michael Zaudig
Einführung in den Themenschwerpunkt Zwangsstörungen
07 Andreas Kordon, Fritz Hohagen, Freiburg
DIE NEUROBIOLOGIE DER ZWANGSSTÖRUNG
08 Michael Zaudig, Nico Niedermeier
Diagnose, Differentialdiagnose, Komorbidität und andere Grundlagen der Zwangsstörung
09 N. Niedermeier, U. Hegerl, M. Zaudig
Zwangs-Spektrum Erkrankungen
10 Angelika Lakatos & Hans Reinecker
KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE BEI ZWÄNGEN
11 S. Ruppert, M. Zaudig, W. Hauke, H. Unger, H. Manzinger, B. Schlehlein
Multimodale stationäre Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen
Teil 1: Grundlagen und Methoden
12 W. Hauke, S. Ruppert, H. Unger, H. Manzinger, B. Schlehlein, M. Zaudig
Multimodale stationäre Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen
Teil 2: Die Therapeutische Praxis
13 H. RATH, P.L. JANSSEN, M. TETZLAFF
DIE ZWANGSSTÖRUNG - EINE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE PSYCHOANALYTISCHE THERAPIE
AKTUELLE PSYCHOPHARMAKOTHERAPIE BEI ZWANGSSTÖRUNGEN
Neuropsychologie der Zwangserkrankung
16 Franz Kohl
Die Dimension der (inversen) “Territorialität” bei Zwangsstörungen
Ethologische Aspekte, aufgezeigt an einer Kasuistik
17 Gisela Röper
Auf Der Suche nach Sicherheit - ein Klinisch-entwicklungspsychologisches Modell zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Zwangsstörung
18 Rudolf Klußmann
Psychotherapie-Repetitorium zum Sammeln: Die vier Psychologien der Psychoanalyse
19 Michael Born
Buchrezension: Ehrenfried T., Heinzelmann C., Kähni J, Mayer R:
Arbeit mit Kindern und Jugendlichen aus Familien Suchtkranker
Ute Gräff-Rudolph
Buchrezension: Rita de Muynck und Rüdiger Ullrich: Das Assertiveness-Training-Programm ATP.
Zur Psychotherapie von Vergewaltigungsopfern
Ein Ressourcenorientierter tiefenpsychologisch fundierter Ansatz
Zusammenfassung:
Es wird ein Konzept zur Behandlung von Vergewaltigungsopfern mit PTSD dargestellt, in dem es vorrangig um Aufbau bzw. Erhalt der Stabilität der Patientin geht. Wesentlich ist, Coping-Strategien der Patientin als Therapiestrategien zu nutzen. Dies bezieht sich insbesondere auf die Spaltung und Dissoziation. Anhand eines Fallbeispieles wird das therapeutische Vorgehen beschrieben.
Schlüsselwörter:
Vergewaltigung - PTSD (PTDS) - ressourcenorientierte - Psychotherapie
Summary
A new therapeutic approach for the treatment of rape victims is reported: A central issue in the psychotherapy with these clients is the establishment and maintenance of the clients stability. For therapy it is essential to use the coping strategies the client already knows, especially splitting and dissociation. A case history will describe the therapeutic strategy.
Keywords
Rape - PTSD - ressource oriented psychotherapy
Die Behandlung Posttraumatischer Belastungsstörungen mit EMDR
Zusammenfassung:
Die von Francine Shapiro entwickelte Methode der Augenbewegungs-Desensibilisierung und Neubearbeitung (Eye Movement Desensitization and Reprocessing - EMDR) gehört zu den wirksamsten Verfahren zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen, wie verschiedene empirische Untersuchungen zeigen. Das therapeutische Vorgehen in der EMDR und theoretische Erklärungsversuche werden referiert und Möglichkeiten und Grenzen der EMDR werden diskutiert.
Schlüsselwörter:
Augenbewegungs-Desensibilisierung und Neubearbeitung - EMDR - Posttraumatische Belastungsstörung
Summary
Eye Movement Desensitization and Reprocessinq (EMDR) as developed by Francine Shapiro belongs to the most effective methods of treatment for post-traumatic stress disorder which is shown by various empirical studies. EMDR procedures, theoretical explanations and possibilities and limitations of this approach are discussed.
Keywords
Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR) Posttraumatic Stress Disorder
Schmidt Jürgen, Schmid-Ott Gerhard, Lamprecht Friedhelm
Prävalenz der Adipositas in einer analytisch orientierten psychosomatischen Fachklinik und Behandlungsergebnisse durch psychosomatische Rehabilitation Teil II: Ergebnisse von Verlaufsstudien
Zusammenfassung:
Anhand von zwei Ergebnisstudien (ngesamt = 67) werden die katamnestischen Behandlungsergebnisse der stationären, psychoanalytisch orientierten Therapie bei adipösen Patienten differenziert evaluiert. Im 1. Teil der Veröffentlichung (Schmidt et al. 1998) wurden die Prävalenz der Adipositas in einer analytisch orientierten psychosomatischen Fachklinik und die kurzfristigen Gewichtsveränderungen dargestellt. Die letzteren bleiben im Rahmen der Einjahreskatamnese stabil. Eine deutliche katamnestische Gewichtsabnahme geht mit einer positiven Beurteilung des Gesamtbehandlungsergebnisses, einer längerfristigen Verringerung der Beschwerden und der Depressivität einher. Bei der zweiten Stichprobe korreliert die Gewichtsabnahme signifikant mit einer „gesünderen“ Ernährung und einer Verstärkung der körperlichen Aktivität nach der stationären Behandlung. Die Ergebnisse sprechen für die längerfristige Effektivität der psychoanalytisch orientierten stationären Therapie des behandlungsbedürftigen Übergewichts.
Schlüsselwörter:
Adipositas - Psychosomatische Rehabilitation - analytisch orientierte Fachklinik - Katamneseergebnisse - Gewichtsveränderungen
Summary
By means of two outcome studies (ntotal = 67) the effects of a conflict orientated inpatient treatment are differentially evaluated including an one-year-follow-up. The prevalence of obesity in a clinic for psychosomatic medicine and the shortterm weight effects of the obese subjects have been presented in the first part of the publication (Schmidt et al. 1998). The latter remain stable during the one-year-follow-up period.
A pronounced weight loss is correlated with a positive rating of the total treatment outcome, a long-term reduction of complaints and of the depression. In a second sample the longterm weight loss is significantly correlated with a „healthier“ nutrition and an increased physical training after the inpatient treatment. The results suggest a long-term effectiveness of the psychoanalytically orientated inpatient treatment of severe obesity.
Keywords
obesity - overweight - conflict orientated inpatient treatment - follow-up results - weight change
Andreas Kordon, Fritz Hohagen, Freiburg
DIE NEUROBIOLOGIE DER ZWANGSSTÖRUNG
Zusammenfassung:
Die Zwangsstörung ist eine häufige psychiatrische Erkrankung, die durch wiederkehrende Gedanken, Ideen und/oder wiederholt ablaufende Verhaltensweisen charakterisiert, die den Betroffenen erheblich belasten. Entsprechend einem integrativen pathogenetischen Verständnis der Zwangsstörung wird von neurobiologischen und psychologischen Entstehungsfaktoren ausgegangen. Zwangssymptome bei extrapyramidal-motorischen neurologischen Erkrankungen wie dem Gilles-de-la-Tourette-Syndrom und der Chorea minor Sydenham untertützen die Vermutung einer Dysfunktion von frontalem Cortex/Basalganglien bei der Zwangserkrankung. Insbesondere die Weiterentwicklungen der neuroradiologischen Verfahren haben zu einem besseren Verständnis der zugrundeliegenden Neurobiologie geführt. Studien mit bildgebenden Verfahren deuten auf die Beteiligung eines neuronalen Regelkreises, der den orbitofrontalen Cortex, den Gyrus cinguli anterior und die Basalganglien miteinander verbindet, an der Entstehung der Zwangssymptome hin. Außerdem legt das spezifische Ansprechen auf die Pharmokotherapie mit (selektiven) Serotonin-Wiederauf-nahmehemmern nahe, daß serotonerge Rezeptorsubsysteme eine wichtige Rolle in der Pathophysiologie der Zwangsstörung spielen. Die Vertiefung des Verständnisses der Pathophysiologie der Zwangsstörung kann bei der Entwicklung besserer Behandlungsstrategien hilfreich sein.
Schlüsselwörter:
Zwangsstörung - Neurobiologie - Pathophysiologie - Bildgebung - Serotonin
Summary
Obsessive-compulsive disorder (OCD) is a common psychiatric illness charakterized by intrusive, repetitive thoughts and behaviors wich cause marked distress. According to a multidimensional model of obsessive-compulsive disorder psychological as well as neurobiological factors are regarded to play an important role in the pathogenesis of obsessions and compulsions. Obsessive-compulsive symptomes in syndromes with extrapyramidal-motor dysfunction, suchs as Gilles-de-la-Tourette-syndrome or chorea minor (Sydenham), derived support the view of a frontal cortex/basal ganglia dysfunction in OCD. Especially advances in neuroimaging have led to a greater understanding of the neurobiology of this disorder. Neuroimaging studies implicated an involvement of neural circuitry connecting orbital frontal cortex, cingulate gyrus and basal ganglia in expression of the symptoms of OCD.
In addition, response to a specific pharmacotherapy with (selective) serotonine reuptake inhibitors suggests that several serotonergic receptor-subsystems play an important role in the pathophysiology of OCD. Deepening the insight into pathophysiology of OCD has ramifications that can be helpful to discover better treatments for OCD.
Keywords
OCD - neurobiology - Pathophysiology - neuroimaging - Serotonin
Michael Zaudig, Nico Niedermeier
Diagnose, Differentialdiagnose, Komorbidität und andere Grundlagen der Zwangsstörung
Zusammenfassung:
Die Klassifikationssysteme DSM-IV und ICD-10 erlauben eine sehr detaillierte deskriptive Diagnostik der Zwangsstörung und zugleich auch eine Subtypisierung in ein Störungsbild mit überwiegend Zwangsgedanken oder überwiegend Zwangshandlungen oder einen Mischtyp aus beiden. Zugleich werden Zeitkriterien in beiden Diagnosensystemen gefordert. Im weiteren werden die Differentialdiagnosen der Zwangsstörung diskutiert, insbesondere die Abgrenzung zur zwanghaften Persönlichkeitsstörung, zur Schizophrenie, zur Depression, zu den Angststörungen und anderen verwandten Störungsbildern („OCD-spectrum-disorders“). Mit den affektiven Störungen besteht die höchste Komorbidität, gefolgt von Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen.
Schlüsselwörter:
DSM-IV, ICD-10, Subtypen der Zwangsstörung, Differentialdiagnosen der Zwangsstörung, z.B. zwanghafte Persönlichkeitsstörung, Schizophrenie, Depression, Angststörung, „OCD-spectrum-disorders“
Summary
Classification systems like DSM-IV and ICD-10 allow a very detailed descriptive diagnostic approach of OCD (Obsessive- Compulsive Disorder). We present an overview concerning differential diagnosis and comorbidity. The highest comorbidity is found with affective disorder followed by anxiety disorders and personality disorders.
Keywords
DSM-IV, ICD-10, Differential diagnosis of OCD
N. Niedermeier, U. Hegerl, M. Zaudig
Zwangs-Spektrum Erkrankungen
Zusammenfassung:
Im Lauf der letzten 15 Jahre wurde eine Verwandtschaft von vielen Störungen zur Zwangserkrankung diskutiert. Die Diskussion basiert auf Ähnlichkeiten zur Zwangsstörung in Aspekten wie Phänomenologie, Krankheitsverlauf, Komorbidität, biologischen Veränderungen und Ansprechen auf bestimmte Therapieregime. Ferner wurde die Hypothese aufgestellt, daß diese Erkrankungen konzeptuell als eindimensionales zwanghaft/impulsives Spektrum definiert werden können. Dieser Artikel bespricht diese Hypothesen in bezug auf die Körperdysmorphe Störung, die Hypochondrie, die Anorexia nervosa, die Bulimia nervosa, die Tic-Störungen, die Depersonalisation und einige Störungen der Impulskontrolle. Wir gelangen zu dem Schluß, daß es tatsächlich deutliche Hinweise für eine Verwandtschaft zwischen der Zwangsstörung und einigen dieser Störungen gibt (z.B. das Tourette Syndrom), jedoch nicht für alle (z.B. Depersonali-sation). Der dimensionale Aspekt erscheint (vor allem im Hinblick auf Untersuchungen mit SSRI‚s) sehr vielversprechend, jedoch liegen diesbezüglich noch zu wenige kontrollierte Studien vor.
Schlüsselwörter:
Zwangsstörung, Spektrum-Erkrankung, Körperdysmorphe Störung, Hypochondrie, Anorexia nervosa, Bulimia nervosa, Tic-Störungen, Depersonalisation Störungen der Impulskontrolle
Summary
In the last 15 years, many disorders have been discussed as being related to Obsessive-Compulsive Disorder (OCD). Similarities in aspects like phenomenology, course of illness, comorbidity, biological abnormalities and treatment response have been discussed. Furthermore, it has been hypothesized that these disorders could be conceptually defined as one dimensional compulsive/impulsive spectrum. This paper reviews these hypotheses, especially regarding body dysmorphic disorder, hypochondriasis, anorexia and bulimia nervosa, tic disorders, depersonalization and some impulse control disorders. We conclude that there is indeed evidence for a relationship between OCD and some of these disorders (i.e.Tourette‘s disorder), but not for all (i.e. depersonalization).
We conclude that the dimensional aspect (especially with regard to studies with SSRI‚s) seems to be very promising, but there is still a lack of controlled studies.
Keywords
OCD, Obsessive-Compulsive Spectrum disorders, body dysmorphic disorder, hypochondriasis, anorexia and bulimia nervosa, tic disorders, depersonalization, impulsive control disorders.
Angelika Lakatos & Hans Reinecker
KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE BEI ZWÄNGEN
Zusammenfassung:
In folgenden Beitrag wird zunächst der Stand der Forschung zur verhaltenstherapeutischen Behandlung von Zwängen kurz skizziert, dann werden die neueren Erklärungsmodelle, die insbesondere auch die kognitiven Komponenten der Störung berücksichtigen, beschrieben.
Der Hauptteil des Artikels ist der Darstellung einiger neuer, spezifisch auf Zwänge ausgerichteter, kognitiver Techniken gewidmet, die in Kombination mit der klassischen Technik der Exposition und Reaktionsverhinderung eingesetzt werden. Sie verbessern die Behandlungschancen deutlich, insbesondere bei reinen Zwangsgedanken und gleichzeitiger Depression. Am Schluß steht ein ausführliches Fallbeispiel.
Schlüsselwörter:
Kognitive Besonderheiten von Zwängen- Kognitiv-behaviorales Erklärungsmodell - Spezifische kognitive Interventionstechniken - Therapie reiner Zwangsgedanken
Summary
This article provides an overview of the current state of the art in the behavior therapy for OCD. Newer cognitive-behavioral models which stress the key role of appraisal of untrusive thougths are being described. Furthermore some new, specific cognitive interventions which can be used in addition to exposure techniques are presented and illustrated in detail. Finally a comprehensive case example ist given.
Keywords
Cognitiv-behavioral approach to OCD - Specific cognitive techniques - Treatment of pure obsessions
S. Ruppert, M. Zaudig, W. Hauke, H. Unger, H. Manzinger, B. Schlehlein
Multimodale stationäre Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen
Teil 1: Grundlagen und Methoden
Zusammenfassung:
Im folgenden Artikel (Teil 1) sollen neben der Indikation zu einer stationären Verhaltenstherapie (VT) die theoretischen Grundlagen und Methoden eines stationären Konzepts zur Behandlung der Zwangsstörung beschrieben werden, das sich einem multimodalen Ansatz verpflichtet sieht. In Anlehnung an die multimodale Konzeption von Lazarus (1978) werden die Grundlagen von Exposition und Reaktionsverhinderung, die besondere Rolle der emotionalen Komponente, die Gruppenbehandlung bei Zwangsstörungen sowie einige weitere therapeutische Bausteine der stationären Zwangsbehandlung im Rahmen eines Literaturüberblicks erläutert. Im weiteren werden auch der körperorientierte Ansatz der kommunikativen Bewegungstherapie, das Selbstsicherheitstraining und die Einbeziehung des familiären bzw. partnerschaftlichen Interaktionssystems des Patienten diskutiert. Die Erläuterung der konkreten praktischen Anwendung und Umsetzung dieser Therapiebausteine erfolgt dann in Teil 2 der vorliegenden Arbeit.
Schlüsselwörter:
Zwangsstörung - Indikation zur stationären VT - multimodale Verhaltenstherapie - emotional aktivierende Verfahren - Gruppentherapie - Exposition und Reaktions-Management - Stationäre VT-Behandlung
Summary
This article presents a literature overview concerning the multimodal behavioral approach (sensu Lazarus, 1978) in OCD. In more detail we describe theoretical concepts and methods of exposure and response prevention as well as emotion activating techniques and special group therapy for OCD. Furthermore we present the basics of other modules of the multimodal therapy concept like art therapy, body mediated therapy and assertiveness training.
Keywords
OCD - multimodal behavior therapy - emotion activating techniques - group therapy - exposure and response management - behavioral inpatient treatment
W. Hauke, S. Ruppert, H. Unger, H. Manzinger, B. Schlehlein, M. Zaudig
Multimodale stationäre Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen
Teil 2: Die Therapeutische Praxis
Zusammenfassung:
In der vorliegenden Arbeit wird ein komplexes Gesamtkonzept für die stationäre Behandlung von Zwangsstörungen praxisnah dargestellt. Es wurde an der Psychosomatischen Klinik Windach im Laufe der letzten zwei Jahrzehnte entwickelt und kontinuierlich mit den neueren Forschungsergebnissen auf diesem Gebiet in Einklang gebracht. Der Artikel behandelt die praktischen Aspekte der Verhaltensanalyse bei Zwangsstörungen, insbesondere die Bedeutung der emotionalen Teilebene, das Arrangement verschiedener Therapiemodule zur Behandlung der identifizierten Defizite, die Details wirksamer Reizkonfrontation und die Merkmale einer indikationsspezifischen Gruppentherapie für Zwangsstörungen.
Schlüsselwörter:
Zwangsstörung - Multimodale Verhaltenstherapie - Emotional aktivierende Techniken - Gruppentherapie - Expositions-Reaktions-Management - Stationäre Behandlung
Summery
The article introduces a multimodal complex behavioral treatment approach for inpatients with OCD. It was developed at the Psychosomatische Klinik Windach (Germany) during the last 20 years. In this paper we deal with the practical consequences of behavioral analysis of OCD with special focus on emotional aspects of the disorder. A detailed description of our treatment approach is presented: it contains the arrangement of different treatment-moduls, the details of effective exposure and concepts for group therapy of OCD.
Keywords
OCD - Multimodal behavior therapy - Emotion activating technique - Group therapy - exposure-reactionmanagement - Inpatient treatment
H. RATH, P.L. JANSSEN, M. TETZLAFF
DIE ZWANGSSTÖRUNG - EINE HERAUSFORDERUNG FÜR DIE PSYCHOANALYTISCHE THERAPIE
Zusammenfassung:
Gründe für das nachlassende psychoanalytische Interesse an der Behandlung von Zwangsstörungen werden dargestellt. Es wird dargelegt, unter welchen Bedingungen die Therapie erfolgreich verlaufen kann (Psychodynamik, Behandlungstechnik, stationäre Psychotherapie). Die Zwangsstörung wird dabei vorwiegend im Bezugsrahmen gestörter Objektbeziehungen als ein Abwehrmodus „früher“ Ängste verstanden. An mehreren Fallbeispielen wird der Umgang mit Übertragung, Gegenübertragung, dem Setting und Deutungen aufgezeigt. Erste katamnestische Daten werden mitgeteilt.
Schlüsselwörter:
Psychodynamik - Objektbeziehungen - „frühe“Ängste - Übertragung, Gegenübertragung, - Setting-Deutungen - stationäre Therapie
Summary
Reasons for the decreasing interest of psychoanalysts in the treatment of obsessive-compulsive disorders are given. The conditions for a successful therapy are described (psychodynamic background, technique, inpatient psychoanatic therapy). The obsessive disorder is perceived as a defense against „early“ anxieties within the framework of disturbed object relations. Several clinical examples demonstrate the use of transference/countertransference, the setting and interpretations. First follow-up results are given.
Keywords
Psychodynamics - objectrelations - „early “anxieties - transference/countertransference - setting - interpretations - inpatient therapy
AKTUELLE PSYCHOPHARMAKOTHERAPIE BEI ZWANGSSTÖRUNGEN
Zusammenfassung:
Die Wirksamkeit von Serotonin-Wiederaufnahmehemmern bei Patienten mit Zwangsstörungen ist erst in den letzten 15 Jahren erkannt und im Rahmen zahlreicher kontrollierter Studien gut belegt worden. Neben dem klassischen, als trizyklisches Antidepressivum bekannten Clomipramin steht eine Reihe neuerer selektiver Serotonin-Wiederaufnahme-hemmer (SSRI) zur Verfügung, die für die Indikation Zwangsstörung zugelassen sind. Die SSRI führen bei einigen Patienten vor allem initial zu unerwünschten Nebenwirkungen (u.a. Übelkeit, Kopfschmerzen, sexuelle Funktionsstörung), sind jedoch insgesamt im Vergleich zu Clomipramin besser verträglich (u.a. keine oder weniger anticholinerge oder sedierende Eigenschaften) und weisen eine große Überdosierungs-Sicherheit auf. Bei der Pharmakotherapie der Zwangsstörung sind die im Vergleich zu depressiven Störungen lange Wirklatenz von 8 bis 12 Wochen sowie die bei einigen Patienten nötigen hohen Dosen zu beachten. Unter einer derartigen Pharmakotherapie kommt es zwar nur selten zu einem völligen Sistieren, jedoch bei der Mehrheit der Patienten zu einer deutlichen Besserung der Zwangs-symptomatik. Die Kombination von Pharmakotherapie und Verhaltenstherapie scheint der alleinigen Verhaltenstherapie überlegen zu sein, insbesondere bei Patienten mit im Vordergrund stehenden Zwangsgedanken und zusätzlicher depressiver Symptomatik.
Schlüsselwörter:
Zwangsstörung - Pharmakotherapie - Clomipramin - SSRI
Summary
It is in the last 15 years that the efficacy of serotonin reuptake inhibitors in obsessive compulsive disorder (OCD) has been recognized and has been proven within several controlled studies. Both the classical tricyclic antidepressant clomipramine and the selective serotonin reuptake inhibitors (SSRI) are now available for the treatment of OCD. During treatment with SSRI adverse effects (e.g. nausea, headache or sexual dysfunction) occur in some patients, especially at the beginning of the treatment. Compared to clomipramine, SSRI are generally better tolerated (e.g. no or less anticholinergic or sedating effects) and are saver when taken in overdose.
As compared to pharmacotherapy of depression, pharmacotherapy of OCD is characterized by a longer delay of the clinical improvement (8 -12 weeks) and by the relatively high doses required in some patients. Under these conditions, the majority of patients with OCD shows a pronounced improvement although a complete remission of the symptoms is rare. A combination of pharmacotherapy and behavioral therapy (exposure in vivo with response prevention) is superior to behavioral therapy alone, especially in patients with prevailing obsessions and additional depressive symptomatology.
Keywords
Obsessive-compulsive disorder - drug-therapy - clomipramine - serotonin - reuptake inhibitors
Neuropsychologie der Zwangserkrankung
Zusammenfassung:
Die Zwangsstörung wird traditionell als eine im wesentlichen psychogene Angststörung verstanden. Mit spezifischen klinischen Merkmalen, Komorbiditäten mit Basalganglienerkrankungen und hirnfunktionellen Untersuchungsergebnissen läßt sich die Vermutung begründen, daß der Störung auch neurobiologische Dysfunktionen, insbesondere im Bereich des Nucleus caudatus und des orbitofrontalen Cortex, zugrunde liegen. Neuropsychologische Studien haben versucht, die infolge solcher Dysfunktionen auf kognitiver Ebene zu erwartenden Leistungseinbußen zu erfassen. Es fanden sich Störungen der inhibitorischen Funktionen, des prozeduralen Lernens sowie teilweise des visuellen und des handlungsbezogenen Gedächtnisses. Diese stützen das Modell einer fronto-striatalen Dysfunktion. Ein solches biobehaviorales Krankheitsverständnis impliziert praktisch-therapeutische Konsequenzen.
Schlüsselwörter:
Zwangserkrankung, kognitive Defizite, neurobiologisches Modell, fronto-striatales System
Summary
Obsessive-compulsive disorder is traditionally conceived as an aquired anxiety disorder. Clinical features, comorbidity with basal ganglia disorders, and functional brain imaging studies suggest that the disorder is, at least partially, caused by neurobiological dysfunctions located in the caudate nucleus and the orbitofrontal cortex. Neuropsychologial studies try to assess cognitive deficits to be expected as a consequence of these neurobiological dysfunctions. They revealed impairments in inhibitory functioning, procedural learning and sometimes in visual memory and memory for actions, supporting the fronto-striatal model. This biobehavioral disease model implicates practical and therapeutical consequences.
Keywords
Obsessive-compulsive disorder, cognitive deficits, neurobiological model, fronto-striatal system
Die Dimension der (inversen) “Territorialität” bei Zwangsstörungen
Ethologische Aspekte, aufgezeigt an einer Kasuistik
Zusammenfassung:
Während pharmakotherapeutische und insbesondere verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze bei Zwangsstörungen seit etwa 20 Jahren zunehmend differenziert und elaboriert werden konnten, ist der Kenntnisstand über psychopathologische und nosographisch-nosologische Aspekte dieser Störungsbilder nicht im gleichen Umfang gewachsen. Anhand einer Kasusistik werden die Möglichkeiten eines ethologischen Betrachtungsansatzes aufgezeigt, wobei insbesondere der Aspekt der Territorialität bei Zwangsstörungen Beachtung findet. Abschließend wird der Spezialaspekt des “inversen Territorialverhaltens” und dessen therapeutische Implikationen erörtert. Als Folgerung ergibt sich, daß bei entsprechend gelagerten Fällen die Territorialaspekte und allgemein die ethologische Verständnisdimension obsessiven Verhaltens stärker beachtet werden sollten.
Schlüsselwörter:
Territorialverhalten - Zwangsstörung - inverse Territorialität - ethologische Aspekte bei Zwangsstörung
Summary
Ethological and territorial aspects of obsessive-compulsive disorders are demonstrated and discussed by an case report. Special implications for “inverse territoriality” and their effects on therapeutical considerations are reported. The ethological dimension of obsessive-compulsive behavior should be respected in special cases.
Keywords
Territorial behavior - obsessive-compulsive disorder - inversive territoriality - ethological aspects of obsessive-compulsive disorders
Auf Der Suche nach Sicherheit - ein Klinisch-entwicklungspsychologisches Modell zur Entstehung und Aufrechterhaltung der Zwangsstörung
Zusammenfassung:
Es wird ein klinisch-entwicklungspsychologisches Modell der Zwangsstörung vorgestellt, dessen Kernstück ein angenommenes „chronisches Gefühl innerer Unsicherheit“ darstellt. Die Zwangssymptomatik wird als Bewältigungsversuch auf der Suche nach Sicherheit gesehen. Biologische und biographische Einflußfaktoren begünstigen die innere Unsicherheit, die eine ständige Überprüfung der eigenen Gedanken und Handlungen zur Folge hat. Bewertungen (Salkovskis, 1985) als katastrophisierende Mißinterpretationen (Rachman, 1997) führen durch Rückkopplungsprozesse zur Verstärkung der inneren Unsicherheit. Das Modell beschreibt Entstehung und Aufrechterhaltung der Störung.Die Lerngeschichte der Zwangsentwicklung wird über die Beschreibung der Stufen affektiv-kognitiver Entwicklung im dynamischen Widerstreit zwischen dem Streben nach Autonomie und dem Streben nach Zugehörigkeit nachvollzogen. Implikationen für die Therapie werden aufgezeigt.
Schlüsselwörter:
Zwangsstörung - Störungsmodell der Zwangsstörung - Klinische Entwicklungspsychologie
Summary
Obsessive-compulsive disorder is traditionally conceived as an aquired anxiety disorder. Clinical features, comorbidity with basal ganglia disorders, and functional brain imaging studies suggest that the disorder is, at least partially, caused by neurobiological dysfunctions located in the caudate nucleus and the orbitofrontal cortex. Neuropsychologial studies try to assess cognitive deficits to be expected as a consequence of these neurobiological dysfunctions. They revealed impairments in inhibitory functioning, procedural learning and sometimes in visual memory and memory for actions, supporting the fronto-striatal model. This biobehavioral disease model implicates practical and therapeutical consequences.
Keywords
Obsessive-compulsive disorder, cognitive deficits, neurobiological model, fronto-striatal system



