Heft 2 - 1997 Somatoforme Störungen

01 Thomas Bronisch und Serge K.D. Sulz

Editorial: Wie lange sollen Psychotherapie dauern?
 
 
ÄRZTLICHE PSYCHOTHERAPIE IN DEUTSCHLAND
 
 
INTEGRATION VON PSYCHOTHERAPIE IN DIE ALLGEMEINMEDIZINISCHE PRAXIS
 
 
DIFFERENTIALINDIKATION VON KURZ- UND LANGZEITTHERAPIE IN DER VERHALTENSTHERAPIE
 
 
Langzeit-Katamnesen von leichten und schweren Persönlichkeitsstörungen - therapeutische Implikationen
 
 
Verhaltenstherapie und Katathym-imaginative Psychotherapie 
Vorschlag für eine Kombination der beiden Therapieverfahren
 
07 J. Wilkes
 
HEINRICH HEINE IM WERKE SIGMUND FREUDS -
ANMERKUNGEN ANLÄSSLICH DES 200. GEBURTSTAGES DES DICHTERS
 
 
INDIKATION UND ZIELSETZUNG PSYCHOANALYTISCH ORIENTIERTER KURZZEITTHERAPIE
 
09 Winfried Rief • Wolfgang Hiller • Manfred Fichter
 
EINLEITUNG ZUM SCHWERPUNKTTHEMA:
SOMATOFORME STÖRUNGEN - MEHR ALS ALTER WEIN IN NEUEN SCHLÄUCHEN ?
 
 
Was sind somatoforme Störungen? Diagnosen, Modelle und Instrumente
 
 
Somatoforme und Konversionsstörungen im Krankenhaus
 
 
DIAGNOSTIK UND BEHANDLUNG DISSOZIATIVER STÖRUNGEN
 
 
Somatoforme Störugnen in der Dermatologie
 
 
Somatoforme Störungen bei Kindern und Jugendlichen
 
 
KONZEPT EINER GRUPPENTHERAPIE FÜR HYPOCHONDRISCHE PATIENTEN
 
16 Serge K.D. Sulz
 
Psychotherapie-Repetitorium: Facharztprüfung: Wahl des zweiten Therapieverfahrens. Praktische Hinweise zur Durchführung von Verhaltenstherapien und deren Supervision
 
17 S. Höfling und C.-M. Hockel
 
Buchrezension:  Hellmut Dunkelangst "Felix erzählt"
 
 

Jörg Schmutterer
 
ÄRZTLICHE PSYCHOTHERAPIE IN DEUTSCHLAND

Zusammenfassung:
Es werden die historische Entwicklung nach dem Krieg, die Strukturen der ambulanten psychotherapeutischen Versorgung und die Ausbildung der ärztlichen Psychotherapeuten im Vergleich zu den psychologischen Psychotherapeuten dargestellt.
Die Arbeit setzt sich hierbei mit der Stellung der ärztlichen Psychotherapeuten im Meinungsbild der Öffentlichkeit, im Verhältnis zu anderen Arztgruppen und zu den nichtärztlichen Psychotherapeuten auseinander.
 
Schlüsselwörter
Ärztliche Psychotherapie
 
Summary
The historical development after the war, the structures of the psychotherapeutic supplyment and the improvement of the medical psychotherapists in comparison to the psychological psychotherapists is outlined. Furthermore the situation of the medical psychotherapists in the puplic opinion, in the relation to other medical groups and to the psychological psychotherapists are discussed.
 
Keyword 
medical psychotherapy 
 
 
Andreas Eisen
 
INTEGRATION VON PSYCHOTHERAPIE IN DIE ALLGEMEINMEDIZINISCHE PRAXIS

Zusammenfassung:
Zahlreiche Untersuchungen der letzten Jahre in der Allgemeinpraxis ergaben immer wieder einen sehr hohen Anteil psychischer und psychosomatischer Störungen. Es scheint daher naheliegend, die psychotherapeutische Versorgung aus dem Randdasein einer Spezialdisziplin heraus und in ebenso
großem Umfang in die Allgemeinpraxis hereinzunehmen. In der praktischen Arbeit ergibt sich eine Reihe von Implikationen die als Risiken und Chancen abgewogen werden müssen. In einer persönlich gehaltenen Darstellung werden Erfahrungen und kritische Gedanken aus neun Jahren Integrationsversuch zur Diskussion gestellt.
 
Schlüsselwörter
Psychotherapie - Psychische Störungen - Allgemeinmedizin - Integration
 
Summary
During the past years, a great number of studies conducted among general practitioners point to a high prevalence of psychopathologic und psychosomatic disorders. It is therefore suggested that the marginal existance of psychotherapy as a special discipline be discontinued in favor of integrating this field into the general practice of medicine. Daily practice leads to a number of implications which can be considered risks as well as chances. The present paper presents a personal critical reflection based on 9 years of experience of attempting the above suggested integration.
 
Keywords 
Psychotherapy - Mental disorders - General medicine - Integration
 
 
Serge K.D. Sulz
 
DIFFERENTIALINDIKATION VON KURZ- UND LANGZEITTHERAPIE IN DER VERHALTENSTHERAPIE

Zusammenfassung:
Mangels empirisch-wissenschaftlicher Fundierung ist die Differentialindikation von Kurz- und Langzeittherapie auf klinische und theoriegeleitete Kriterien angewiesen. Diese werden in dieser Arbeit diskutiert. Es wird versucht, zu praxisorientierten Leitlinien zu finden, die wiederum der wissenschaftlichen Prüfung unterzogen werden müssen. Klinisch spricht für eine Kurzzeittherapie das Fehlen einer Persönlichkeitsstörung, eher massive situative Auslöser der Erkrankung und Einfachdiagnosen. Hilfreich scheint einerseits die Unterscheidung zwischen gelerntem und regelgeleitetem Verhalten und andererseits zwischen erforderlicher Entwicklung und erforderlichem Lernen zu sein.
 
Schlüsselwörter
Langzeittherapie, Kurzzeittherapie, Differentialindikation, Verhaltenstherapie
 
Summery
We have no empirical basis for decision making in the question of short versus long time therapy in a behavioral setting. Clinical considerations lead to short time therapy when there is no personality disorder, but situational problems, and only one diagnosis. Conditioned behavior rather than rigidly rulegoverned behavior and the need for learning rather than need for development would be an indication for short time therapy.
 
Keywords
Long term therapy, short term therapy, decision making, behavior therapy
 
 
Michael Stone
 
Langzeit-Katamnesen von leichten und schweren Persönlichkeitsstörungen - therapeutische Implikationen

Zusammenfassung:
Die Ergebnisse einer Nachuntersuchung nach 10 bis 25 Jahren von vornehmlich aus einer psychotherapeutisch-psychoanalytischen Praxis stammenden Patienten mit Persönlichkeitsstörungen werden dargestellt. Im Gegensatz zu den Katamnesestudien ehemals stationär psychiatrisch-psychotherapeutisch behandelter Patienten mit Borderline- und antisozialer Persönlichkeitsstörung fehlen solche Katamnesen in der Literatur. Persönlichkeitszüge, die zu einem guten bzw. schlechten Verlauf prädisponieren, werden beschrieben und Empfehlungen für das therapeutische Vorgehen gegeben.
 
Schlüsselwörter
Langzeitkatamnesen - Persönlichkeitsstörungen - private Praxis - Therapie
 
Summary
The results are reported of a long-term (10 to 25 year) followup study of former patients treated predominantly in private praxis with psychotherapy or psychoanalysis. Contrary to the follow-up studies of former psychiatrically and psychoanalytically treated inpatients with borderline and antisocial personality disorder there is a lack of such followup studies. Personality traits predisposing to good or poor outcome are described and recommendations for treatment approaches are given.
 
Keywords 
Long-term follow-up - personality disorders - private praxis - therapy
 
 
 
Madlen Jacobshagen
 
Verhaltenstherapie und Katathym-imaginative Psychotherapie 
Vorschlag für eine Kombination der beiden Therapieverfahren

Zusammenfassung:
Es wird für eine reflektierte Kombination von Verhaltenstherapie und katathym-imaginativer Psychotherapie (KIP) plädiert. Dabei wird ein Vorgehen zur Diskussion gestellt, das vorrangig am Erkenntnis- und Entscheidungsprozeß des Patienten orientiert ist. Folgende Vorteile kann ein Verhaltenstherapeut durch die Einbeziehung der KIP haben: Hilfen zur Diagnostik, zur Stabilisierung der Persönlichkeit und zur Bewältigung der Problemverhaltensweisen. Drei Falldarstellungen verdeutlichen die Aussagen.
 
Schlüsselwörter
Verhaltenstherapie - katathym-imaginative Psychotherapie - Kombination der Methoden - klientenzentrierter Ansatz
 
Summary
A well-considered combination of Behavior Therapy and Guided Affective Imagery by Leuner (KIP) is suggested. A procedure is introduced which is especially oriented to the decisions of the patient. The behavior therapist’s benefits through incorporating KIP-related steps are the following: more diagnostic information, support of the patient’s process of stabilization and decrease of his behavioral problems. Case material is incorporated in order to illustrate the claims.
 
Keywords 
Behavior Therapy - Guided Affective Imagery, KIP or Symboldrama - combination of methods - client centered procedure .
 
 
Rudolf Lachauer
 
INDIKATION UND ZIELSETZUNG PSYCHOANALYTISCH ORIENTIERTER KURZZEITTHERAPIE

Zusammenfassung:
Die Indikation zu einer psychoanalytisch orientierten Kurzzeittherapie sollte schrittweise erfolgen. Nach der Entscheidung, ob überhaupt Psychotherapie und wenn ja, ob psychoanalytisch orientierte Therapie indiziert ist, ist besonders die Frage zu berücksichtigen, ob eine Kurztherapie auch vom Patienten mit „getragen“ wird. Wenn in Bezug auf die Symptomatik eine genügend gute Prognose gegeben sein soll, muß der Patient bereits zu Beginn genügend motiviert sein und er muß mit Deutungen „arbeiten“ können. Außerdem muß es dem Therapeuten relativ leicht fallen, ein zentrales fokales Thema zu formulieren. Dieses Thema stellt eine Verbindung zwischen dem „aktuellen Hauptproblem“ des Patienten und einer dahinterliegenden unbewußten Dynamik her. Daneben ist eine fokale analytisch orientierte Kurzpsychotherapie auch als Klärung der Motivation für eine tiefergehende analytische Behandlung und als Intervallbehandlung im Rahmen einer längerfristigen Persönlichkeitsentwicklung geeignet.
 
Schlüsselwörter
Indikation - psychoanalytisch - fokal - Kurzzeitpsychotherapie
 
Summery
Indication for psychoanalytic short-term psychotherapy should be set step by step. After the decision, if a psychotherapy is indicated and especially, if a psychoanalytic psychotherapy is indicated, first of all the question has to be answered, if a shortterm therapy is accepted by the patient himself. If there is a necessety of a fairly good prognosis for the improvement of the symptoms, the patient has to be motivated and has to be able to „work“ with psychoanalytic interpretations. Furtheron the psychotherapist has to be able to formulate a central focal theme without great problems. This focal theme builds a connection between the „actual main problem“ of the patient and the hidden unconscious dynamics. Besides a focal psychoanalytic short-term psychotherapy is applicable for the clarification of the motivation for a long-term psychoanalysis and for the accompaignment of a longer process of personal development by steps.
 
Keywords 
Indication - psychoanlytic- focal - short-term psychotherapy
 
 
Wolfgang Hiller & Winfried Rief
 
Was sind somatoforme Störungen? Diagnosen, Modelle und Instrumente

Zusammenfassung:
Das noch „junge“ Konzept der somatoformen Störungen hat in den letzten Jahren ein enormes Interesse von wissenschaftlicher wie auch klinischer Seite erfahren. In diesem Beitrag werden die diagnostischen Ansätze und Störungsmodelle vorgestellt.
 
Schlüsselwörter
Somatoforme Störungen - Diagnosen - Modelle - diagnostische Verfahren
 
Summary
Although the concept of somatoform disorders ist still „young“, there has been an increasing interest in this topic during the past years from scientists as well as clinicians. In this paper we give an overview about diagnostic approaches and current models of the disorder
 
Keywords 
Somatoform disorders - diagnoses - models - diagnostic instruments
 
 
H.P. Kapfhammer
 
Somatoforme und Konversionsstörungen im Krankenhaus

Zusammenfassung:
Patienten mit medizinisch unklaren körperlichen Symptomen sind in der stationären Versorgung sehr häufig anzutreffen. Sie gelten vielfach als „schwierige Patienten“. Probleme der Arzt - Patienten - Interaktion werden in diesem Artikel anhand verschiedener Dimensionen beleuchtet. Ferner werden die Voraussetzungen einer effektiven Therapie dargestellt.
 
Schlüsselwörter
somatoforme Störung - Konversionsstörung - Krankenhaus - negative Affektivität - Hypochondrie - Destruktivität - Krankheitsverhalten - Behandlungsstrategien
 
Summary
Patients with medically unexplained physical symptoms are represented in inpatient units with high percentage rates. They are often viewed as „difficult patients“. Problems of the doctor - patient - relationship are described in this article according to different dimensions. Moreover, the prerequisites for an effective therapy are discussed.
 
Keywords
somatoform disorders - conversion disorders - hospital - Negative affektivity - Alexithymia - hypochondria - destructivness - Illness behaviour - treatment strategies
 
 
Carsten Spitzer & Harald J. Freyberger
 
DIAGNOSTIK UND BEHANDLUNG DISSOZIATIVER STÖRUNGEN

Zusammenfassung:
Einleitend werden die Veränderungen im Hysterieverständnis und die damit verbundene Wiederbelebung des Dissoziationskonzeptes skizziert, um dann die moderne Klassifikation der dissoziativen Störungen in der ICD-10 und dem DSM-IV zu erläutern. Für die Behandlungsplanung erscheint jedoch die rein phänomenologisch orientierte Diagnostik nicht ausreichend; vielmehr müssen u.a. Krankheitsverarbeitung und -konzept, psychosoziales Funktionsniveau, psychiatrische Komorbidität und Realtraumatisierungen in der Vorgeschichte berücksichtigt werden. Allein vor diesem Hintergrund lassen sich differentielle Therapieindikationen und -empfehlungen für dissoziative Störungen auf kognitiv-psychischer und körperlicher Ebene formulieren. Diese beinhalten sowohl verhaltenstherapeutische als auch tiefenpsychologisch-psychodynamische Aspekte im Sinne einer integrativen, konfliktorientierten Psychotherapie. Abschließend wird die diagnostische Kategorie der multiplen Persönlichkeitsstörung kritisch diskutiert.
 
Schlüsselwörter
Dissoziative Störungen - Hysterie - Klassifikation - integrative Psychotherapie
 
Summary
We describe the changes in the understanding of hysteria and the closely linked renaissance of the concept of dissociation. Subsequently, the modern classification of the dissociative disorders in the ICD-10 and the DSM-IV are discussed.
However, we emphasize that a merely descriptive diagnosis is not sufficient for the planning of the therapy. The clinical diagnosis needs to include numerous aspects, among them coping processes, the patient’s concept of his disease, the psychosocial functioning, psychiatric comorbidity and real traumatization. Only on this basis therapeutic decisions can be made. The psychotherapy of dissociative disorders includes both behavioural and psychodynamic aspects leading in an integrative, conflict-orientated approach. Finally, the diagnostic category of multiple personality disorder is critically evaluated.
 
Keywords 
Dissociative disorders - hysteria - classification - integrative psychotherapy
 
 
 
Ulrich Stangier, Uwe Gieler
 
Somatoforme Störugnen in der Dermatologie

Zusammenfassung:
Somatoforme Symptome der Haut und Haare stellen eine besonders verbreitete und vielfältige Störungsgruppe dar, die bisher nur wenig Beachtung in der Forschung gefunden hat. Es werden eine Klassifikation der somatoformen Beschwerdebilder und wichtige Differentialdiagnosen vorgestellt. Besonders ausführlich wird auf den Somatoformen Juckreiz und die Körperdysmorphe Störung eingegangen. Neben der Diskussion von Erklärungsansätzen werden Falldarstellungen zu den Störungsbildern vorgestellt. Intensive Forschung ist notwendig, um die ungenügende Versorgung dieser Patientengruppe in der Dermatologie zu verbessern.
 
Schlüsselwörter
Somatoforme Störungen, Dermatologie, Somatoformer Juckreiz, Körperdysmorphe Störung
 
Summary
Somatoform symptoms of the skin and hair represent a common and manifold group of disorders which has only found little attention in research. A classification of somatoform disorders and important differential diagnoses are presented.
A particular focus is placed on somatoform pruritus and body dysmorphic disorder. Etiological concepts, diagnostic features and treatment approaches are discussed and illustrated in case presentations. More research is needed to improve the deficient care of this group of dermatologic patients.
 
Keywords 
Somatoform Disorders, skin disorders, hair disorders, somatoform pruritus, body dysmorphic disorder.
 
 
 
E. Pfeiffer , G. Schröder, U. Lehmkuhl
 
Somatoforme Störungen bei Kindern und Jugendlichen

Zusammenfassung:
Somatoforme Störungen haben häufig ihren Beginn bereits im Kindes- und Jugendalter, deshalb ist eine frühzeitige Diagnose wichtig. Probleme der Klassifikation in diesem Alter werden diskutiert und eine Modifizierung der Diagnosekriterien, z.B. für die Somatisierungsstörung, vorgeschlagen. In einem Literaturüberblick wird auf Fragen der Prävalenz und Ätiologie sowie auf alters- und geschlechtsspezifische Faktoren eingegangen. In einer eigenen Studie an 108 Kindern und Jugendlichen mit somatoformen Störungen fanden wir eine erhöhte psychiatrische Komorbidität, eine hohe familiäre Krankheitsbelastung sowie ein hohes psychosoziales Belastungsniveau im Vergleich zu anderen Patientengruppen. Es folgen Empfehlungen zur Intervention und zur Psychotherapie.
 
Schlüsselwörter
Somatoforme Störungen - Diagnose und Klassifikation im Kindes- und Jugendalter - Somatisierungsstörung
 
Summery
Somatoform disorders often begin in childhood and adolescence, therefore an early diagnosis is important. Problems of classification in this age are being discussed and a modification of diagnostic criteria is proposed for somatization disorder. A review of literature is given covering questions of prevalence, age- and genderspecific factors and questions of aetiology. Our study on 108 children and adolescents with somatoform disorders shows elevated psychiatric comorbidity, high frequency of familiar illness and a high level of psychosocial dysfunction compared to other patient-groups. Recommendations are given for intervention and psychotherapy.
 
Keywords
Somatoform disorders - diagnosis and classification in children and adolescents - somatization disorder
 
 
 
Ulrike Lupke & Winfried Rohr
 
KONZEPT EINER GRUPPENTHERAPIE FÜR HYPOCHONDRISCHE PATIENTEN

Zusammenfassung:
Hypochondrie ist gekennzeichnet durch die Befürchtung oder auch Überzeugung des Betroffenen, an einer ernsthaften, möglicherweise lebensbedrohlichen Krankheit zu leiden oder erkrankungsgefährdet zu sein. Infolge dieser Befürchtung konsultieren die Patienten mit dem Wunsch nach medizinischer Rückversicherung häufig Ärzte, kontrollieren selbst ihre gesundheitlichen Funktionen und vermeiden symptomauslösende körperliche Anstrengungen und Sozialkontakte. Bei ausschließlich somatomedizinischer Behandlung kommt es zu einem chronischen Krankheitsverlauf. Verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze für diese Störung stammen aus dem englischsprachigen Raum; Behandlungsleitlinien für gruppentherapeutische Ansätze fehlen jedoch. In der vorliegenden Arbeit wird ein stationäres standardisiertes Behandlungskonzept der Hypochondrie vorgestellt. Dieses beinhaltet eine störungsspezifische Gruppentherapie unter Einbeziehung videogestützter Psychoedukation, Expositionen in vivo, Sporttherapie und integriert die psychotherapeutische mit der organmedizinischen Behandlung.
 
Schlüsselwörter
Hypochondrie - somatoforme Störungen - stationäre Verhaltenstherapie - Verhaltensmedizin - Gruppentherapie
 
Summary
Typical features of hypochondriasis are the fear and conviction to suffer from a severe disease or to be in immanent danger to fall severely ill. As a result the patients with hypochondriasis tend to seek repeated medical assurance, to control their bodily functions and to avoid bodily exercise or social contacts elicting bodily symptoms. The course of the disorder is chronic with somatomedical treatment only. Behaviour-therapeutic treatment approaches are existing; concepts for group-therapy are lacking. This paper presents a standardised treatment concept for hypochondriasis in an in-patient setting. A specialised group-therapy with psychoeducation using video, exposure in vivo and sports therapy has been developed. The somatomedical treatment is integrated into the psychotherapeutic treatment.
 
KeyWords 
Hypochondriasis - somatoform Disorder - inpatient treatment - behavioral medicine- group therapy