Heft 1 - 2010 Bindung und Mentalisierung

01 Serge Sulz und Gernot Hauke 

Was ist SBT? Und was war SKT? „3rd wave“-Therapie bzw. Kognitiv-Behaviorale Therapie (CBT) der dritten Generation

What is SBT? What was SKT? 3rd wave therapy, third generation of Cognitive Behavior Therapy (CBT)

02 Anna Buchheim, Svenja Taubner, Ella Fizke, Tobias Nolte 

Bindung und Neurobiologie: Ergebnisse bildgebender Verfahren

Attachment and Neurobiology: Neuroimaging results

03 Hans von Lüpke

Affektspiegelung als Modell für die interaktive Affektregulierung: Konsequenzen für Entwicklungspsychologie und Psychotherapie

Affect Mirroring as a Model for the Interactive Affect Regulation: Consequences for Developmental Psychology and Psychotherapy

04 Wolfgang Milch, Nicola Sahhar

 

Zur Bedeutung der Bindungstheorie für die Psychotherapie Erwachsener

The Use of Attachment-Theory for the Psychotherapy with Adult Patients

05 Thomas Bolm

Mentalisieren und Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)

Mentalizing and Mentalization-Based Treatment (MBT)

06 Katherina Giesemann

Der Gegenwartsmoment in der psychotherapeutischen Arbeit

The present moment in the psychotherapeutic work


07 Gernot Hauke

Strategisch-Behaviorale Therapie (SBT): Von der Bindungserfahrung zur Strategie der Therapie

Strategic Behavioral Therapy (SBT): From the Attachment Experience to the Strategy of the Therapy

08 Petra Meibert, Johannes Michalak, Thomas Heidenreich

 

Achtsamkeit in kognitiv-behavioralen Therapien

Mindfulness in Cognitive-Behavioral Therapies

09 Serge Sulz

Mentalisierung und Metakognitionen als Entwicklungs- und Therapieparadigma in der Strategisch-Behavioralen Therapie

Mentalization and meta-cognition as paradigms for development and therapy in Strategic Behavioral Therapy


10 Bernd Hippler

Psychotherapie-Repetitorium zum Sammeln: Fragenkatalog Zwangsstörungen


01 Serge Sulz und Gernot Hauke
Was ist SBT? Und was war SKT? „3rd wave“-Therapie bzw. Kognitiv-Behaviorale Therapie (CBT) der dritten Generation

What is SBT? What was SKT?
3rd wave therapy, third generation of Cognitive Behavior Therapy (CBT)

Zusammenfassung
Seit fünfzehn Jahren nutzen Psychotherapeuten im deutschsprachigen Raum das strategische Psychotherapiekonzept der Strategischen Kurzzeittherapie (SKT) als eine willkommene Horizonterweiterung für Verhaltenstherapeuten, wie sie auch Kanfer mit seinem Selbstregulationsmodell und Grawe mit seinem Entwurf einer Psychologischen Therapie ermöglichten. In diesen Jahren kam es parallel zur Veröffentlichung neuer behavioraler Therapieansätze, die sich über die Kognitive Therapie hinaus weiterentwickelt hatten (Linehan, Hayes, Jacobson, Kohlenberg und neuerdings auch Young, Wells und McCullough). Klinische Erfahrung und Studien zeigten, dass der Modus der Kurzzeittherapie für viele Patienten nicht ausreichte, weshalb es jetzt zu einer Umbenennung von Strategischer Kurzzeittherapie (SKT) in Strategisch-Behaviorale Therapie (SBT) gekommen ist. SBT weist eine sehr große Verwandtschaft mit den als 3rd wave bekannt gewordenen neueren Therapieansätzen auf (Akzeptanz und Achtsamkeit, Metakognition, Emotionsregulation, Beziehungsoptimierung, Entwicklung), wobei ihr funktionaler = strategischer Schwerpunkt sie fest in der Verhaltenstherapie verwurzelt und als stringente Therapie von Achse-I-Störungen ausweist.

Schlüsselwörter
Psychotherapie – 3rd wave – Metakognition – Akzeptanz – Achtsamkeit – Entwicklung als Therapie – Emotionsregulation

Summary
For fifteen years now psychotherapists in the German speaking world use the strategic psychotherapy concept of Strategic Brief Therapy (Strategische Kurzzeittherapie - SKT) as a welcome broadening of the mind for behavior therapists in a way Kanfer with his model of Self Regulation and Grawe with his scheme of a Psychological Therapy opened up, too. In this years simultaneously new behavioral therapy approaches were published, which improved themselves beyond Cognitive Therapy (Linehan, Hayes, Jacobson, Kohlenberg and recently Young, Wells and McCullough, too). Clinical experience and studies show that the mode of brief therapy was not enough for many patients, wherefore a renaming occurred from Strategic Brief Therapy (Strategische Kurzzeittherapie – SKT) to Strategic Behavioral Therapy (SBT). SBT is closely related to the more recent therapy approaches known as 3rd wave (Acceptance and Mindfulness, Metacognition, Emotion Regulation, Relationship Optimisation, Development) whereby its functional = strategic focus roots it strongly on Behavior Therapy and proves itself to be a stringent therapy of axis-I-disorders.

Keywords
psychotherapy – 3rd wave – metacognition – acceptance – mindfulness – development as therapy – emotion regulation

Korrespondenzadresse
Prof. Dr. Dr. Serge Sulz
Katholische Universität Eichstätt und Centrum für Integrative Psychotherapie CIP
Nymphenburger Str. 185 | 80634 München | sergesulz(at)aol(dot)com

Dr. Gernot Hauke
Nymphenburger Str. 185 | 80634 München
Tel. 089-13015715 | Fax 089-132 133 | gernothauke(at)arcor(dot)de

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02 Anna Buchheim, Svenja Taubner, Ella Fizke, Tobias Nolte
Bindung und Neurobiologie: Ergebnisse bildgebender Verfahren
Attachment and Neurobiology: Neuroimaging results

Zusammenfassung
Diese Übersicht referiert den aktuellsten Stand von Bindung und Neurobiologie mit Hilfe der funktionellen Kernspintomographie (fMRT). Wie in der Zusammenschau deutlich werden wird, werden von den Forschern unterschiedliche Systeme untersucht, sehr häufig mit Hilfe der Präsentation von individuellen Fotos einer geliebten Person im Gegensatz zu unbekannten Gesichtern oder nicht so nahen, aber bekannten Personen bis hin zu komplexeren Paradigmen (Denken über bindungsrelevante Situationen, Priming-Experimente, Sprechen über bindungsrelevante Situationen). Die bisherige Datenlage lässt es noch nicht zu, ein spezifisches neuronales Netzwerk von Bindung beschreiben zu können. Zu verschieden sind dazu die in den Studien verwendeten Paradigmen, als dass sie direkte Vergleiche der Ergebnisse ermöglichen. Es zeichnen sich allerdings erste Befunde ab, nach denen wiederholt Regionen wie die Amygdala und orbito-/präfrontale kortikale Strukturen involviert sind, wenn bindungsrelevante Stimuli prozessiert werden. Weiterhin zeichnet sich ab, dass beispielsweise bei Untersuchung von Aspekten des „caregiving“ andere Hirnstrukturen (Dopamin-assoziierte Areale im Belohnungssystem) aktiv sind als jene, die als neuronale Korrelate des „attachment system“ postuliert werden. Hier wäre es notwendig, die verschiedenen Konstrukte an derselben Person zu testen. Es erscheint weiterhin fruchtbar, indirekt den Einfluss von Bindung auf Stress- und Emotionsregulation zu messen. Dies sollte auch experimentelle Manipulationen beinhalten, die situative kontextbezogene Faktoren integrieren, wenn Bindung in Bezug zu anderen Konstrukten gesetzt wird.

Schlüsselwörter
Bindung – Bindungssystem – Mentalisierung – funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT)

Summary
This article reviews the most recent findings on attachment and neurobiology in functional magnetic resonance imaging (fMRI) research. As this synopsis will show, researchers investigated very different systems, often by very different means and a variety of paradigms ranging from the presentation of individual photos of loved and unknown faces to more complex approaches (reflecting on attachment-relevant events, priming experiments, talking about attachment-relevant situations). At present, the delineation of one neuronal network of attachment is not yet possible. The diversity of applied paradigms does not allow for a comparison of results. However, there is evidence across studies that brain regions such as the amygdala and the orbito-/prefrontal cortex are involved in processing attachment-related stimuli. In addition, there are convergent results suggesting that when care-giving is addressed dopamine-associated regions of the reward system differing from the neural correlates of the postulated “attachment circuitry” are active. Therefore, it seems necessary to test the different constructs on the same person. In addition, it seems promising to measure the indirect influence of attachment on stress and emotion regulation. This should include experimental manipulations that integrate contextual factors when relating attachment to other constructs.

Keywords
attachment – attachment system – mentalization – functional Magnetic Resonance Imaging (fMRI)


Korrespondenzadresse
Prof. Dr. Anna Buchheim | Universität Innsbruck
Innrain 52 | A-6020 Innsbruck | Anna(dot)buchheim(at)uibk(dot)ac(dot)at

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03 Hans von Lüpke
Affektspiegelung als Modell für die interaktive Affektregulierung
Konsequenzen für Entwicklungspsychologie und Psychotherapie

Affect Mirroring as a Model for the Interactive Affect Regulation
Consequences for Developmental Psychology and Psychotherapy


Zusammenfassung
Die soziale Biofeedback-Theorie von Gergely und Watson betont die Bedeutung der „markierten“, übertriebenen Als-ob-Version der elterlichen realistischen Gefühle bei der Spiegelung des Säuglings, um eine Fehlattribution zu vermeiden. Die theoretische Voraussetzung der Autoren von „vorverdrahteten“ primären Emotionen des Säuglings, die stimuliert werden müssten, werden unter Aspekten wie sprachlicher Darstellbarkeit und Bewertung von Gefühlen kritisch diskutiert und einem Konzept von primärer affektiver Wechselseitigkeit gegenübergestellt. In diesem Kontext geht der Autor davon aus, dass die Wahrnehmung der authentischen Gefühle des Erwachsenen durch den Säugling gar nicht verhindert werden kann. Den unterschiedlichen Lebenserfahrungen entsprechend führt dies nicht zur Fehlattribution, sondern fördert die Entwicklung der Affektregulierung beim Säugling. Ergebnisse der Hirnforschung zur Empathie stützen diese Vorstellung. Konsequenzen für Themenbereiche wie Borderline-Problematik bei Müttern und postpartale Depression wie auch für die Psychotherapie - dargestellt an einem Fallbeispiel von Kohut - werden diskutiert.

Schlüsselwörter
Spiegelung – Affektregulierung – primäre Emotionen – Wechselseitigkeit – Als-ob-Spiel – emotionale Ansteckung – Empathie – Spiegelneuronen – Borderline-Problematik – postpartale Depression – Affektspiegelung in der Psychotherapie

Summary
The social bio-feedback theory of affect mirroring presented by Gergely and Watson emphasizes the impact of a „marked“, exaggerated „as-if“ manner of the parent’s real emotions while mirroring the baby’s affect to avoid misattribution by the baby. A critical discussion of the author’s theoretical presumption of „prewired“ primary emotions in the baby that have to be stimulated leads to a dynamic concept of primary affective mutuality and emotions in general. According to this context, the baby cannot be excluded from the perception of the adult’s authentic affects. Due to the different life experiences, this will not lead to misattribution by the baby but enhance the development of his own affect regulation. Research in neuroscience on empathy offers additional evidence. The consequences for topics such as borderline states in mothers, postpartal depression and the impact on psychotherapy –exemplified by a case report given by Kohut – will be discussed.

Keywords
mirroring – affect regulation – primary emotions – mutuality – pretended play – emotional contagion – empathy – mirror neurons – borderline states – postpartal depression – affect mirroring in psychotherapy

Korrespondenzadresse
Dr. med. Hans von Lüpke
Kinderarzt und Psychotherapeut
Auf der Körnerwiese 6 | 60322 Frankfurt/M.
hans(dot)von(dot)luepke(at)gmx(dot)de

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04 Wolfgang Milch, Nicola Sahhar
Zur Bedeutung der Bindungstheorie für die Psychotherapie Erwachsener
The Use of Attachment-Theory for the Psychotherapy with Adult Patients

Zusammenfassung
Anhand einer umfassenden Literaturübersicht werden Auswirkungen der aktuellen Forschung auf die psychotherapeutische Arbeit mit erwachsenen Patienten beschrieben, insbesondere Konsequenzen für eine bindungsorientierte Psychopathologie, Störungen der Affektregulation, der Person und die Patient-Therapeut-Beziehung. Die Beobachtung, dass das manifeste Bindungsverhalten regelmäßig von Ängsten und Vermeidung von der Wiederholung schmerzlicher Bindungserfahrungen motiviert ist und nicht durch die Suche nach Bindungssicherheit, wird diskutiert. Anhand von Beispielen aus analytischen Psychotherapien werden die Möglichkeiten und Grenzen einer bindungsorientierten Diagnostik (DMM-System) und therapeutische Herangehensweisen erläutert.

Schlüsselwörter
Bindungstheorie – klinische Anwendung – Arzt-Patient-Beziehung – organisierende innere Prinzipien – DMM-System

Summary
By means of a comprehensive literature survey effects of recent attachment research on psychotherapy with adult patients are elaborated, in particular consequences for attachment-oriented considerations on psychopathology, disturbances of affect regulation, personality and the patient-therapist relationship. We discuss the clinical observation that manifest attachment behaviour is usually motivated by anxieties and the threat to repeat painful attachment experiences rather than the search for secure attachment. The range and limits of attachment-oriented diagnostics (DMM system) and the therapeutic procedure are exemplified by patients undergoing analytic psychotherapy.

Keywords
attachment theory – clinical use – patient-therapist relationship – organizing internal principles – DMM system

Korrespondenzadressen

Prof. Dr. W. E. Milch
Psychosomatische Klinik | Universitäts-Klinikum Giessen und Marburg
Friedrichstr. 33 | 35392 Giessen | Wolfgang.Milch(at)psycho.med(dot)uni-giessen.de

Nicola Sahhar
Kleinstr. 24 | 40597 Düsseldorf | nsahhar(at)mac(dot)com

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05 Thomas Bolm
Mentalisieren und Mentalisierungsbasierte Therapie (MBT)
Mentalizing and Mentalization-Based Treatment (MBT)


Zusammenfassung
Die Förderung der Mentalisierungsfähigkeit ist Aufgabe fast jeder Therapiemethode. Es geht um die Fähigkeit, in einer bindungsrelevanten Beziehung zu sein und gleichzeitig Innen- und Außenwelt in einem bedeutungsvollen Zusammenhang zu erleben. Diese Aufgabenstellung wird im ersten Teil des Aufsatzes vorgestellt.
Der zweite Teil widmet sich der Arbeit mit schwer bis schwerst strukturell gestörten, meist traumatisierten Patienten. Bei ihnen schließen sich die Aktivierung des Bindungssystems und die Fähigkeit, gut zu mentalisieren, oft gegenseitig aus. Um bei dieser Klientel auf die Verbesserung der Mentalisierungsfähigkeit zu fokussieren, haben Bateman und Fonagy einen koherenten Therapieansatz, MBT, entwickelt. Die MBT konnte inzwischen in verschiedenen Settings ihre sehr gute Wirksamkeit bei der Behandlung von Borderline-Persönlichkeitsstörungen unter Beweis stellen, an Modifikationen und Wirknachweisen bei weiteren Indikationen wird gearbeitet.

Schlüsselwörter
Mentalisierung – Persönlichkeitsstörungen – Bindung – Trauma – evidenzbasierte Psychotherapie

Summary
The first part of this paper discusses the process of mentalization and its enhancement as an aim of most psychotherapy methods: How can a patient integrate being attached to someone and experience the outer world in a meaningful context with the inner world?
The second part is focused on psychotherapy with the most seriously, i.e. structurally disturbed patients, most of them traumatized, who cannot integrate an activated attachment system and the capacity to mentalize. To enhance mentalization even in these patients, Bateman and Fonagy developed a coherent therapy approach called MBT. Several settings of MBT proved to be empirically effective. Modifications of and research on other indications are in preparation.

Keywords
mentalizing – personality disorder – attachment – trauma – evidence-based psychotherapy


Korrespondenzadresse
Dr. med. Thomas Bolm
Brinkveld/GGZ Altrecht | Oude Arnhemse Weg 260 | NL-3705 BK Zeist
www.altrecht.nl/brinkveld | T(dot)Bolm(at)Altrecht(dot)nl

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06 Katherina Giesemann
Der Gegenwartsmoment in der psychotherapeutischen Arbeit
The present moment in the psychotherapeutic work

Zusammenfassung
Daniel N. Stern und die Boston Change Process Study Group haben mit der Untersuchung des impliziten Beziehungsraumes und der gemeinsamen kreativen Arbeit von Patienten und Therapeut die Möglichkeiten des Verständnisses für den therapeutischen Prozess erweitert. Sie nennen es das „Etwas mehr“ als Deutung. Durch Beispiele aus der alltäglichen Praxis werden die interaktionellen Prozesse verdeutlicht. Es wird gezeigt, wie sogenannte Gegenwartsmomente das implizite Beziehungswissen erweitern und die Therapie im Sinne von Veränderung voranbringen.

Schlüsselwörter
Gegenwartsmoment – Jetzt-Moment – Vorangehen – Ungenauigkeit – Moment der Begegnung – implizites Beziehungswissen

Summary
Daniel N. Stern and the Boston Change Process Study Group expanded the possibilities of understanding the therapeutic process with their studies about the implicit therapist-patient relationship and their examinations of the creative work between them. They call it “something more” than interpretation. Examples of the everyday practice elucidate the processes of interaction and show how so-called “present moments” expand the implicit relational knowledge and forward the therapy in terms of change.

Keywords
present moment – moving along – sloppiness – moment of meeting – implicit relational knowledge

Korrespondenzadresse
Dr. med. Katherina Giesemann
Praxis für Psychosomatische Medizin und Psychoanalyse
Türkenstraße 104 | 80799 München | dr(dot)giesemann(at)web(dot)de

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07 Gernot Hauke
Strategisch-Behaviorale Therapie (SBT): Von der Bindungserfahrung zur Strategie der Therapie
Strategic Behavioral Therapy (SBT): From the Attachment Experience to the Strategy of the Therapy


Zusammenfassung

Menschen müssen ihre Bedürfnisse befriedigen und folgen dabei – mehr oder weniger strikt – einer Heuristik, die wir in der SBT als Überlebensregel bezeichnen. Sie ist Ergebnis früher Interaktionserfahrungen, die konzeptuell als Bindungserfahrung begriffen werden. Die moderne Bindungstheorie bietet überprüfte Konzepte zu grundlegenden kognitiv–affektiven Prozessen und Motiven, die beim Kampf um das emotionale Gleichgewicht eine Rolle spielen. Damit lassen sich idealtypisch vier Bindungsstile und dementsprechende Überlebensregeln als Schemata klassifizieren. Sie setzen unterschiedliche, im klinischen Alltag gut beobachtbare Akzente bei der Interaktion und ermöglichen ein tieferes Verständnis der Problematik unserer Patienten. Die aus Bindungserfahrungen geronnenen spezifischen Überlebensregeln definieren gleichzeitig eine Strategie der Therapie: Patienten machen neue Erfahrungen und werden flexibler, indem sie lernen, in kleinen Schritten gegen die Überlebensregel zu verstoßen.

Schlüsselwörter
Bindungstheorie – Verhaltenstherapie – Schemata – Sicherheitsregulation – Überlebensregele

Summary
People must both satisfy their needs and follow – more or less strictly – a heuristic concept which, in SBT, is called the survival rule, which is the result of early interaction experiences and may be understood conceptually as an attachment experience. Modern attachment theory offers empirically based concepts for basic cognitive-affective processes and motives which play a role in the fight for emotional balance. Thus, four typical attachment types with their corresponding survival rules can be classified as schemata emphasizing various aspects of the interactional types which are well observable in the clinical practice and allow a deeper understanding of the problems of our patients. At the same time, the specific survival rules resulting from attachment experiences define a therapeutic strategy: patients gain new experiences and become more flexible while learning to offend gradually against the survival rule.

Keywords
attachment theory – behavior therapy – schemata – safety regulation – survival rule

Korrespondenzadresse
Dr. Gernot Hauke
Landshuter Allee 45 | 80637 München
Tel. 089-1895169-24 | Gernothauke(at)arcor(dot)de

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08 Petra Meibert, Johannes Michalak, Thomas Heidenreich
Achtsamkeit in kognitiv-behavioralen Therapien
Mindfulness in Cognitive-Behavioral Therapies

Zusammenfassung
Themen wie Achtsamkeit und Akzeptanz sind in den letzten Jahren in einigen Bereichen der Psychotherapie auf breite Resonanz gestoßen und finden immer häufiger Anwendung im klinischen Alltag, sowohl in ambulanten als auch in stationären Settings. Diese Entwicklung spiegelt sich in einer stark gestiegenen Anzahl von wissenschaftlichen Artikeln sowie der hohen Präsenz dieser Themen auf Fachkongressen wider. Der Artikel gibt einen Überblick über die zwei am besten untersuchten achtsamkeitsbasierten Gruppeninterventionen: MBSR (Mindfulness-based Stress Reduction) und MBCT (Mindfulness-based Cognitive Therapy) und ihre klinische Anwendung. Das konkrete Vorgehen beim Üben von Achtsamkeit wird vorgestellt, und mögliche Wirkfaktoren der Achtsamkeitspraxis werden diskutiert. Abschließend werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Prinzipien Achtsamkeit und Mentalisierung diskutiert.

Schlüsselwörter
Achtsamkeit – Akzeptanz – Mentalisierung – Mindfulness-based Stress Reduction – Mindfulness-based Cognitive Therapy

Summary
In recent years, topics such as mindfulness and acceptance have received broad appreciation in several areas of psychotherapy and have been more frequently applied in clinical practice in both out-patient and in-patient settings. This development is reflected by the significant increase in scientific papers as well as in the strong presence of these topics at congresses. The present paper gives a review about those two mindfulness-based group interventions that have been evaluated most: MBSR (Mindfulness-based Stress Reduction) and MBCT (Mindfulness-based Cognitive Therapy) as well as their clinical application. We will introduce the concrete procedures performed during the cultivation of mindfulness and discuss possible impact factors of mindfulness practise. Finally, common features and differences between the principles of mindfulness and mentalization are discussed.

Keywords
mindfulness – acceptance – mentalization – Mindfulness-based Stress Reduction – Mindfulness-based Cognitive Therapy

Korrespondenzadressen
Petra Meibert, Dipl.-Psych.
Laurastr.87 | 45289 Essen
Tel.: 0201/545 0996 | Fax: 0201/545 2754
J.P(dot)Meibert(at)t-online(dot)de

PD Dr. phil. Johannes Michalak, Dipl.-Psych.
Ruhr-Universität Bochum
Arbeitseinheit Klinische Psychologie und Psychotherapie/Zentrum für Psychotherapie
Universitätsstraße 150 | 44780 Bochum
Tel.: 0234/32 27939 | Fax: 0234/32 14304
Johannes(dot)Michalak(at)rub(dot)de

Prof. Dr. phil. Thomas Heidenreich, Dipl.-Psych.
Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege | Hochschule Esslingen
Flandernstrasse 101 | 73732 Esslingen am Neckar
Tel.: 0711/397 4575 | Fax: 0711/397 4595 | thomas(dot)heidenreich(at)hs-esslingen(dot)de

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09 Serge Sulz, Annette J. Benedickt-Richter, Miriam Hebing
Mentalisierung und Metakognitionen als Entwicklungs- und Therapieparadigma in der Strategisch-Behavioralen Therapie
Mentalization and meta-cognition as paradigms for development and therapy in Strategic Behavioral Therapy

Zusammenfassung
Die dritte Generation der kognitiv-behavioralen Therapieansätze ist u. a. wegen der umfangreichen emotionalen und Beziehungsarbeit in die Nähe der psychodynamischen Therapien gerückt bzw. wird von deren Vertretern als nicht mehr so fremd und entfernt wahrgenommen. Die Kommunikation zwischen beiden Therapierichtungen macht es deshalb notwendig, zentrale Therapieparadigmen des jeweils anderen Ansatzes auf ihre Bedeutung hin für die eigene Therapie zu untersuchen. Hier wird das Entwicklungs- und Therapiekonzept der Mentalisierung Peter Fonagys beschrieben und untersucht, in welchem Ausmaß sie implizit inhärenter Bestandteil der affektiv-kognitiven Entwicklungstheorie der Strategisch-Behavioralen Therapie (SBT) ist. Die Therapierationale der SBT lässt erkennen, dass weitgehende Überlappungen bestehen, die sich nicht nur im Konzept der Metakognition erschöpfen.

Schlüsselwörter
Mentalisierung – Bindungstheorie – Psychodynamik – Entwicklungsstufen – Metakognition – Empathie – Strategisch-Behaviorale Therapie (SBT)

Summary
The third generation of Cognitive Behavioral Therapy approaches moves closer to psychodynamic therapies because among others of its extensive emotional and relational work. And it is not felt as strange or as distant by its representatives any more. Communication between the two ways of therapy therefore calls for surveying central paradigms of each therapy approach concerning the meaning for its own way of therapy. In this article the development and therapy concept of mentalization from Peter Fonagy will be described and it will be studied to which extent it is an implicit inherent part of the affective cognitive theory of development from Strategic Behavioral Therapy (SBT). The rationale of SBT reveals to a broad extent an overlapping, which amounts not only to the concept of meta-cognition.

Keywords
mentalization – attachment theory – psychodynamics – levels of development – meta-cognition – empathy – Strategic Behavioral Therapy (SBT)

Korrespondenzadresse
Prof. Dr. Dr. Serge Sulz
Katholische Universität Eichstätt und
Centrum für Integrative Psychotherapie CIP
Nymphenburger Str. 185 | 80634 München
Sergesulz(at)aol(dot)com

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