Heft 1 - 2001 Dissoziative Störungen
Editorial - INTERAKTION ODER INTEGRATION?
02 Jürgen Ott
Zum 80. Geburtstag von Frau Prof. Annelise Heigl-Evers
03 Gernot Hauke
PERSÖNLICHE WERTE
PERSONAL VALUES
QUALITÄTSMANAGEMENT IN DER AMBULANTEN PSYCHOTHERAPIEPRAXIS
QUALITY MANAGEMENT IN AMBULANT PSYCHOTHERAPY PRACTICE
ZUR THEORIE UND PRAXIS DER PSYCHOANALYTISCHINTERAKTIONELLEN METHODE
Theory and Practice of the Psychoanalytical-Interactional Method
ÜBER DIE BEDEUTUNG DES INTERSUBJEKTIVEN FELDES IN DER PSYCHOTHERAPIE
On the significance of the intersubjective field in psychotherapy Theory and Practice of the Psychoanalytical-Interactional Method
VON DER INTERAKTIONELLEN „ANTWORT“ ZUR INTRAPSYCHISCHEN „VERANTWORTUNG“ - DIE EMPIRISCHE ÜBERPRÜFUNG DES KONSTRUKTES VOM SELBSTBEZUG
From Interactional „Response“ to Intrapsychic „Responsibility“ - Empirical Testing for the Construct of Selb-Relatedness
BINDUNG, BINDUNGSREPRÄSENTANZ UND PSYCHOTHERAPIE*
Attachment, attachment representation and Psychotherapy
KONZEPT UND GESCHICHTE DER DISSOZIATION
CONCEPT AND HISTORY OF DISSOCIATION
DISSOZIATION UND PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN
DISSOCIATIVE PHENOMENA AND PERSONALITY DISORDERS
TRAUMA UND DISSOZIATION – EINE NEUROBIOLOGISCHE PERSPEKTIVE
TRAUMA AND DISSOCIATION FROM A NEUROBIOLOGICAL PERSPECTIVE
DISSOZIATION UND ORGANISCHE ERKRANKUNGEN
DISSOCIATION AND ORGANIC DISORDERS
DISSOZIATIVE UND VERWANDTE STÖRUNGEN IN DER FORENSISCH-PSYCHIATRISCHEN BEGUTACHTUNG
DISSOCIATIVE AND RELATED DISORDERS IN THE FORESIC-PSYCHIATRIC ASSESSMENT
14 Serge K. D. Sulz
PSYCHOTHERAPIEREPETITORIUM
DER THERAPIEABSCHLUSSBERICHT IN DER VERHALTENSTHERAPEUTISCHEN AUS- UND WEITERBILDUNG
15 Vorstand der DÄVT
EIN VORSCHLAG ZUR WEITERENTWICKLUNG DES GUTACHTERVERFAHRENS UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER ERGEBNISBEWERTUNG (Verbandsnachrichten)
16 Thomas Bronisch
PSYCHOTHERAPIE DER BORDERLINE-PERSÖNLICHKEIT MANUAL ZUR PSYCHODYNAMISCHEN PSYCHOTHERAPIE
Manual zur Transference Focused Psychotherapy (TFP)
PERSÖNLICHE WERTE
PERSONAL VALUES
Zusammenfassung:
Persönliche Werte bieten die einzigartige Möglichkeit eines besonders tiefgehenden Zuganges zu den psychischen Problemen unserer Patienten. Nach Einführung eines empirisch fundierten Wertespektrums, klären wir die Bedeutung der Werte für das Erleben, das Handeln und für die Kämpfe um Wahrung und Weiterentwicklung der Identität im Rahmen eines Selbstregulationsansatzes. Praktische Beispiele verdeutlichen die besondere Dynamik dieser Arbeit.
Schlüsselwörter:
Werte - Selbstregulation - Identität - Entwicklung - Krise
Summary
Personal values offer the unique chance of an extremely deep access to the clinical problems of our patients. After the introduction of a spectrum of values, which is empirically tested we discuss in the context of a self-regulation-approach it‚s importance for experience, action and fights for protection and development of personal identity.Examples from the therapeutical practice demonstrate the special dynamics of this work.
Keywords
Values - self-regulation - identity - development - crisis
Anschrift:
Dr. Gernot Hauke
Nymphenburger Str. 185
80634 München
Tel. 089-13015715
Fax 089-132 133
e-mail: gernothauke(at)nexgo(dot)de
QUALITÄTSMANAGEMENT IN DER AMBULANTEN PSYCHOTHERAPIEPRAXIS
QUALITY MANAGEMENT IN AMBULANT PSYCHOTHERAPY PRACTICE
Zusammenfassung:
Das Sozialgesetzbuch verpflichtet Psychotherapeuten in der ambulanten Praxis zum internen Qualitätsmanagement (QM). Es gibt erst wenige Versuche, Realisierungsmöglichkeiten zu erproben. Während vor allem von den Krankenkassen auf mehr externe Qualitätskontrolle Wert gelegt wird, werden von Therapeutenseite derzeit Maßnahmen des praxisinternen Qualitätsmanagements ausgearbeitet. In diesem Artikel wird ein umfassendes Konzept für kognitive-behaviorale Therapien vorgestellt und diskutiert. Es greift die aktuellen Ergebnisse der Therapieforschung auf und verknüpft sie mit zeitgemäßen Ausbildungs- und Supervisionskonzepten. Dabei wird von einer monatelangen Einarbeitung ausgegangen, da es einer großen Umstellung beim Therapeuten bedarf. Während dieser Einarbeitungszeit und später zur Aufrechterhaltung der praxisinternen Maßnahmen ist das regelmäßige Treffen im Qualitätszirkel fester Bestandteil des Konzepts. Diese dienen einerseits der Etablierung des QM, sollten andererseits aber zunehmend den Charakter von Intervisionsgruppen haben, um den persönlichen Gewinn für die laufenden Therapien zu optimieren.
Schlüsselwörter:
Qualitätssicherung - Qualitätsmanagement - Qualitätszirkel
Summary
Currently, the social code requires psychotherapists working in ambulant care to implement internal quality management. However, there are few attempts so far to develop quality management systems. Providers of health insurance attach more importance to external quality control, but the therapists presently develop measures to introduce quality management within their practice. In this article, an extensive concept for cognitive-behavioral therapy is presented and discussed. The most recent results of therapeutic research will be linked with a model for up-to-date training and supervision. As therapists will need to make large changes to their practice, a training and adjustment period of several months will have to take place. During this training period, a quality control group will be formed. It will continue to meet beyond the training period.
Group meetings will establish the tenets of quality management; these meetings are expected to eventually take on an element of inter-vision to optimize the personal success of the ongoing therapy.
Keywords
quality assurance - quality management - quality control group
Anschrift:
Serge Klaus-Dieter Sulz
Nymphenburger Str. 185
80634 München
Fax • 089-132 133
ZUR THEORIE UND PRAXIS DER PSYCHOANALYTISCHINTERAKTIONELLEN METHODE
Theory and Practice of the Psychoanalytical-Interactional Method
Zusammenfassung:
In dem Beitrag werden, ausgehend von den klinischen Erfahrungen und theoretischen Hypothesen zur Psychopathologie der strukturell gestörten Patienten, die Grundprinzipien der psychoanalytisch-interaktionellen Methode dargestellt, die seit vielen Jahren in Weiterbildungen vermittelt wird und sich sowohl im Einzel- wie auch im Gruppensetting in der ambulanten, teilstationären und stationären Behandlung bewährt hat. Es wird der Versuch unternommen, wichtige Ergebnisse der Affekt- und Bindungsforschung in die eigenen Überlegungen zur weiteren Differenzierung dieser Methode zu integrieren. In diesem Zusammenhang sind die Untersuchungsansätze und Ergebnisse der Arbeitsgruppen von Fonagy, Krause, Seidler und Strauß von besonderem Gewicht.
Schlüsselwörter:
Psychoanalytisch-interaktionelle Therapiemethode - Persönlichkeitsstörung - Fähigkeit zur Selbstreflexion - strukturelle Störungen
Summary
In this contribution the focus on clinical experience and theoretical hypotheses in the psychopathology of patients with structural disturbances is used to demonstrate the basic principles of the psychoanalytical-interactional method. This has been taught for many years in advanced training and has proved useful in both, the individual setting as well as in the group form of outpatient, semi-outpatient and inpatient treatment. An effort is made to integrate important results from research on affects and bonding into our own concepts for further differentiation of this method. In this context, the investigative approaches and results of the research teams around Fonagy, Krause, Seidler, and Strauß are of particular importance.
Keywords
Psychoanalytical-interactional therapy method - personality disorder - capacity for self-reflection - structural disturbances
Anschrift:
Prof. Dr. med. Annelise Heigl-Evers
em. Univ. Prof. der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Psychotherapie - Psychoanalyse
Johann-Heinrich-Voss-Weg 6
37085 Göttingen
Prof. Dr. med. Jürgen Ott
Klinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
Rheinische Kliniken, Kliniken der Heinrich-Heine-Universität
Bergische Landstr. 2
40629 Düsseldorf
ÜBER DIE BEDEUTUNG DES INTERSUBJEKTIVEN FELDES IN DER PSYCHOTHERAPIE
On the significance of the intersubjective field in psychotherapy
Zusammenfassung:
In einer therapeutischen Dyade unterscheiden wir zwei Felder der Intersubjektivität: Einmal bezieht sich Intersubjektivität auf das unmittelbare Beziehungsgeschehen zwischen Patient und Therapeut und bezeichnet die aus dem Interaktionsverhalten beider entstehende Beziehungsgestalt im Hier und Jetzt. Zum anderen kann sich Intersubjektivität auf eine gemeinsam geteilte mentale Welt beziehen. Je nach Bezugsfeld haben gleiche Verhaltensweisen unterschiedliche Bedeutung für die therapeutische Beziehung und tragen in unterschiedlicher Weise zu deren Qualität bei. Ausgehend von Quer- und Längsschnittdaten der affektiven Mimik, des gesprochenen Inhaltes und des subjektiven Gefühlserlebens von Patienten und Therapeuten, wird versucht, diese intersubjektiven Felder zu beschreiben. Dem nonverbalen, affektiven Verhalten vor allem der Therapeuten, wird bei der Herstellung von benevolenten intersubjektiven Feldern besondere Bedeutung beigemessen. Zur funktionalen Interpretation der mimisch-affektiven Zeichen wird der sprachinhaltliche Kontext herangezogen. Dabei wird zwischen interaktiver und objektbezogener Zeichenfunktion unterschieden. Es kann gezeigt werden, dass in erfolgreichen Behandlungen eine Bewegung in Richtung objektbezogener Funktion besonders der negativen mimisch-affektiven Zeichen geschieht, was als kognitiv-affektive Erschließung des mentalen intersubjektiven Feldes verstanden werden kann.
Schlüsselwörter:
Therapeutische Beziehung - mentale Repräsentanz - Affekt - Sprachinhalt
Summary
We distinguish two fields of intersubjectivity within the psychotherapeutic dyad. On the one hand intersubjectivity refers to the actual relationship between patient and therapist in the here and now. On the other hand intersubjectivity refers to a shared mental world.
We try to describe these two intersubjective fields based on data of the affective facial expression, verbal speech-content and subjective emotional experience of patients and therapists. We consider the affective facial behavior as being of high significance for the establishing of the therapeutic relationship.
Depending on the field of reference (actual relationship or mental representation) facial affective signals have distinct functions, whether interactively used or directed to mental objects. Our results show that in successful treatments there is a shift from interactive to object-related function especially in the case of the negative affective signals. We interpret these results as a cognitive-affective opening of the mental intersubjective field.
Keywords
Therapeutic relationship – mental representation – affect – speech-content
Anschrift:
Dipl.-Psych. C. Benecke
Universität des Saarlandes
Fachrichtung Psychologie
66123 Saarbrücken
e-mail: bene(at)rz(dot)uni-sb(dot)de
VON DER INTERAKTIONELLEN „ANTWORT“ ZUR INTRAPSYCHISCHEN „VERANTWORTUNG“ - DIE EMPIRISCHE ÜBERPRÜFUNG DES KONSTRUKTES VOM SELBSTBEZUG
From Interactional „Response“ to Intrapsychic „Responsibility“ - Empirical Testing for the Construct of Selb-Relatedness
Zusammenfassung:
Das Konstrukt des Selbstbezuges wird zu Beginn dieser Arbeit kurz skizziert: Es handelt sich dabei um die reflexive Beziehungsfigur der Selbstobjektivierung. Die drei Reifestufen des Selbstbezuges werden beschrieben: die unreflektierte, die außenreflektierte und die selbstreflexive Stufe. Die Arbeit skizziert die empirische Prüfung dieses Konstruktes auf dessen Eignung zur Beschreibung von Veränderungen, die im Rahmen stationärer Psychotherapie erreicht werden können. Die Untersuchung orientiert sich an zwei Hypothesen: 1. Während einer stationären Psychotherapie von zwölfwöchiger Dauer sind Veränderungen bei den Patienten nachweisbar im Sinne einer Zunahme von Selbstreflexivität. 2. Die Zunahme der Selbstreflexivität korreliert mit einer Abnahme der Symptomatik. Die Untersuchung wurde in einem naturalistischen Design an 76 Patienten im Rahmen eines Mehrebenenansatzes durchgeführt. Es werden die Ergebnisse vorgestellt, die mit neu konstruierten Instrumenten zur Erfassung von Merkmalen des Selbstbezuges und zur Erfassung von Symptomatik und Krankheitserleben gewonnen wurden. Als Beobachtungsfeld dienten videografierte Gruppenpsychotherapiesitzungen. Aufgrund der Anlage der Arbeit sind nur korrelative Aussagen möglich, keine kausalen. Das ist wissenschaftlich gebotene Vorsicht; der Kliniker sieht die Verhältnisse vielleicht etwas anders. Zunächst konnte erneut gezeigt werden, dass verschiedene Gütekriterien dieser Instrumente im akzeptablen Bereich liegen. Bei den Hypothesenfragen ist die erste als bestätigt anzusehen. Die Beantwortung der zweiten Hypothese macht eine Differenzierung hinsichtlich des Zusammenhanges von Anstieg der Selbstreflexivität und Symptomveränderungen in der Weise notwendig, dass sich die Zusammenhänge mit den einzelnen Symptombereichen unterschiedlich darstellen: Während die Zunahme von Selbstreflexivität mit einem Rückgang von körperlichen und sozialen Symptomen verbunden ist, ist ein solcher Zusammenhang bei der psychischen Symptomatik nicht nachweisbar, obwohl sich diese als Einzelskalenwert ebenfalls zurückbildet. Insgesamt ist das Konstrukt vom Selbstbezug zur Erfassung von Veränderungen, die im Rahmen stationärer Psychotherapie erzielt werden können, geeignet. Dabei taugt das Feld der dort realisierten Gruppenpsychotherapie besonders zur Beobachtung derartiger Veränderungen. Die Ergebnisse werden in vorsichtiger Annäherung so interpretiert, dass mit den neu konstruierten Instrumenten möglicherweise ein Faktor berührt oder erfasst wurde, der als "Symbolisierungsfähigkeit" sowohl dem strukturellen wie auch dem Symptombereich zugrunde liegt.
Schlüsselwörter:
elbstbezug - Selbstreflexivität - Strukturbildung - stationäre Psychotherapie - psychoanalytisch-interaktionelle Gruppenpsychotherapie
Summary
The study begins with a brief outline of the self-relatedness construct, a reflexive relational figure pertinent in selfobjectification. The three stages of maturity in self-relatedness are described: unreflected, outside-reflected and selfreferential. The article traces the empirical testing of this construct for its aptitude as a descriptive tool in identifying changes achievable in the framework of inpatient psychotherapy. The study proceeds from two hypotheses: 1. During twelve-week inpatient psychotherapy the patients display changes indicating an increase in self-referentiality. 2. The increase in self-referentiality correlates with a decrease in the symptomatology.
The study involved 76 patients; the design was naturalistic and the approach multi-level. The study sets out the results obtained with newly devised instruments for the identification of a) features of self-relatedness and b) symptomatology and the experience of illness. The observation material consisted of video-taped group psychotherapy sessions. The design of the study only permits correlative, as opposed to causal statements. This statement is dictated by scientific caution; clinicians may perhaps interpret the findings rather differently.
First of all, it was once again possible to demonstrate that the instruments used satisfy numerous quality criteria. With regard to the hypotheses tested for, the first may be considered confirmed. The situation with the second hypothesis is more complex. Here it is necessary to distinguish between the different areas of symptomatology: whereas increasing selfreferentiality is indeed connected with a reduction of physical and social symptoms, the same cannot be said of the psychic symptomatology, although in the individual scales this too displays a reduction.
In overall terms it can be said that the self-relatedness construct is suitable for identifying changes achieved in the framework of inpatient psychotherapy. Within this broader context, the field of group psychotherapy is especially well-suited for the observation of such changes. With the requisite degree of caution the results are interpreted as indicating that with the newly devised instruments a “symbolization capacity” factor has been pointed up/identified underlying both the structuraland the symptomatological spheres.
Keywords
self-relatedness - self-referentiality - structure formation - inpatient psychotherapy - psychoanalytic interactional group psychotherapy
Anschrift:
Priv.-Doz. Dr. med. Günter H. Seidler
Ltd. OA der Abteilung Psychosomatik der Psychosomatischen
Universitätsklinik Heidelberg, 69115 Heidelberg,
Thibautstraße 2, Tel.: 06221/56 5801, Fax: 06221/ 56 5330,
BINDUNG, BINDUNGSREPRÄSENTANZ UND PSYCHOTHERAPIE*
Attachment, attachment representation and Psychotherapy
Zusammenfassung:
Als eine mögliche theoretische und empirische Basis für die interaktionelle Methode wird in diesem Beitrag die von J. Bowlby konzipierte Bindungstheorie skizziert. Aufbauend auf einigen Grundprinzipien der Theorie werden deren wesentliche Forschungsparadigmen (Fremde Situation und Erwachsenenbindungsinterviews) beschrieben, aus denen sich Charakteristika verschiedener Bindungsstile ableiten lassen. Die Bindungsforschung gibt deutliche Hinweise auf eine transgenerationale Übertragung von Bindungsmustern, die für das Verständnis und die Konzeptualisierung der therapeutischen Beziehung wichtig ist. Modelle zur Erklärung der transgenerationalen Übertragung werden beschrieben, wobei dem Konzept der Metakognition eine besondere Bedeutung zukommt. Von Befunden der Bindungsforschung lassen sich Hinweise auf die differenzierte Anwendung therapeutischer Strategien ableiten, wie sie in allgemeiner Form bereits von Bowlby formuliert wurden.
Schlüsselwörter:
Bindung - Bindungsforschung - Transgenerationale Übertragung - Metakognition - Therapeutische Beziehung
Summary
As a potential theoretical and empirical basis for the interactional method of psychotherapy, attachment theory is described which has been conceptualized by John Bowlby.
Based upon some fundamentals of the theory, their crucial research paradigms are described (strange situation, adult attachment interviews) from which different attachment patterns can be derived. Attachment research indicates a transgenerational transmission of attachment styles that might be important for an understanding and a conceptualization of the therapeutic alliance. Models for the explanation of the transgenerational transmission are described, emphasizing the concept of metacognition. Results from attachment research could lead to a differential application of therapeutic strategies that have already been formulated by Bowlby on a more general level.
Keywords
Attachment – attachment research – transgenerational transmission – metacognition – therapeutic alliance
Anschrift:
Prof. Dr. Bernhard Strauß
Institut für Medizinische Psychologie
Klinikum der Friedrich-Schiller-Universität
Stoystr. 3
07740 Jena
Fon: 03641 – 936501; Fax: - 936546
KONZEPT UND GESCHICHTE DER DISSOZIATION
CONCEPT AND HISTORY OF DISSOCIATION
Zusammenfassung:
Mit dem Dissoziationskonzept wurde in den letzten Jahrzehnten ein einflussreiches pathogenetisches Modell entwickelt. In seiner gegenwärtigen Gestalt steht es, ausgehend von Pierre Janet, in einer historischen Entwicklungslinie, die nach dem Rückgang des Einflusses psychoanalytischer Theorien in der Gruppe der dissoziativen Störungen der modernen Klassifikationssystemen ICD und DSM vorläufig endet. Zur Erklärung einer Vielzahl von Phänomenen aus der Alltagserfahrung und den Bereichen der Hypnose-, Trauma- und Gedächtnisforschung wird Dissoziation als Modell herangezogen und gleichzeitig unterstützen die Ergebnisse dieses Störungskonzept. Aufgrund einer konzeptuellen wie semantischen Offenheit in der Verwendung des Dissoziations-Modells erscheint es geboten, begriffliche, historische und konzeptuelle Aspekte dieses Modells darzustellen. Nur eine kritische und restriktive Verwendung, die sich iatrogener wie soziokultureller pathoplastischer Einflüsse bewusst ist, kann den heuristischen Wert dieses Modells erhalten.
Schlüsselwörter:
Dissoziation - historische Entwicklung - Hypnose - Trauma - Gedächtnis
Summary
Dissociation as a pathogenetic model has been influential in the last decades. Beginning with Pierre Janet there is a line of thought associated with the partial retreat of psychoanalytic theories which leads to the concept of dissociative disorders in ICD-10 and DSM-IV. A multitude of phenomena known from everyday-life, hypnosis and investigations in trauma and memory are explained within this model and the results add to our knowledge of dissociation. Since there exists a kind of conceptual and semantic openness concerning dissociation it seems important to clear certain historical and conceptual aspects. A critical and narrow usage of this model accounting for iatrogenic and cultural influences can preserve its heuristic value for further research.
Keywords
Dissociation - historical background - hypnosis - trauma - memory
Anschrift:
Dr.med Peter Dobmeier
Psychiatrische Klinik und Poliklinik der LMU München
Nußbaumstr. 7
80336 München
DISSOZIATION UND PERSÖNLICHKEITSSTÖRUNGEN
DISSOCIATIVE PHENOMENA AND PERSONALITY DISORDERS
Zusammenfassung:
Seit kurzem setzt sich die psychiatrische Fachöffentlichkeit wieder zunehmend mit dem Auftreten dissoziativer Phänomene bei Persönlichkeitsstörungen auseinander. Diese Arbeit soll einen relativ umfassenden Überblick geben über die Persönlichkeitsstörungen der Hauptgruppen A, B und C nach der 4. Auflage des Diagnostischen Manuals der Amerikanischen Psychiatrischen Vereinigung (DSM-IV) und deren Korrelationen zu dissoziativen Symptomcluster referieren. Ferner wird die psychobiologische Persönlichkeitstheorie nach Cloninger skizziert und der Zusammenhang von Dissoziation und den verschiedenen Temperaments- und Charakterdimensionen dargestellt. Neueste Ergebnisse aus Untersuchungen über den Einfluss biologischer und Umgebungsfaktoren auf dissoziative Erfahrungen bei Patienten mit Persönlichkeitsstörungen wurden berücksichtigt und diskutiert.
Schlüsselwörter:
Dissoziation - Persönlichkeitsstörungen - Temperaments- und Charakterdimensionen nach Cloninger
Summary
Recently, there has been a resurgence of interest in relations among dissociative phenomena and personality disorders. This paper provides a relatively comprehensive review of the Cluster A, B, and C personality disorders according to the Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSMIV) and their association with the dissociative symptomatology.
Further, we addressed Cloninger‘s theoretical concept of personality, and the relationship of dissociation to the various temperament and character dimensions was summarized. Recent findings of the relative influence of genetic and environmental factors on dissociative experience in patients with personality disorders were considered and discussed.
Keywords
Dissociation - personality disorders - Cloninger‘s temperament and character dimensions
Anschrift:
Dr.med. Hans-Bernd Rothenhäusler
Psychiatrische Klinik und Poliklinik der LMU München
Nußbaumstraße 7
80336 München
Tel. 089-7095-2718
TRAUMA UND DISSOZIATION – EINE NEUROBIOLOGISCHE PERSPEKTIVE
TRAUMA AND DISSOCIATION FROM A NEUROBIOLOGICAL PERSPECTIVE
Zusammenfassung:
Bereits P. Janet beschrieb Dissoziation vorrangig im Kontext traumatischer Erfahrungen. Dissoziation ermöglicht als basaler Abwehrmechanismus Schutz vor überwältigenden Affekterfahrungen. Diese Abwehr bewirkt aber eine grundlegende Veränderung des Selbst- und Identitätsgefühls, eine Störung des Gedächtnisses sowie der Selbst- und Umweltwahrnehmung. Hiermit werden Voraussetzungen geschaffen, die eine konstruktive Überwindung der traumatischen Erfahrung unmöglich machen können. Bedeutsame sekundäre psychopathologische Komplikationen sind in der Langzeitentwicklung zu beachten. Erkenntnisse der modernen Neurobiologie erlauben eine Einsicht in die Komplexität der traumatischen Erfahrung und posttraumatischen Reaktion. Dieser Prozess kann auf mehreren Ebenen veranschaulicht werden. Auf einer neuroanatomischen Ebene spielen Störungen im Regelkreis von Thalamus, Amygdala, Hippocampus und präfrontalem Cortex eine zentrale Rolle. Jede dieser cerebralen Strukturen fördert unter Extremstress das Auftreten dissoziativer Symptome. Für das Entstehen typischer Gedächtnisstörungen sind vor allem Störungen im Amygdala-Hippocampus-Komplex verantwortlich. Zahlreiche Dysfunktionen in den unterschiedlichen Neurotransmittersystemen können beschrieben werden. Dem glutamatergen System kommt hierbei eine besondere Bedeutung zu. Charakteristische Veränderungen in der Stresshormonantwort sind hervorzuheben. Die wiederholt nachgewiesenen Hippocampusatrophien nach Extremstress sind am ehesten die Folge einer glutamatergen Neurotoxizität, die durch Glucocorticoideinflüsse noch potenziert werden. Neurobiologische Prozesse peri- und posttraumatisch können gewinnbringend mit der klinischen Phänomenologie von dissoziativen und posttraumatischen Zuständen verknüpft werden.
Schlüsselwörter:
Trauma - Dissoziation - Neurobiologie
Summary
It was already P. Janet who described dissociation principally within the context of traumatic experiences. As basic defensive mechanism dissociation aims to protect against overwhelming affects. This defensive procedure, however, causes major changes in the sense of self and identity, leads to characteristic disturbances of memory, and of the perception of self and environment. These conditions hamper a constructive mastering of the original traumatic experience and facilitate secondary psychopathological complications in the long run. Modern neurobiology allows a stimulating insight into the complexity of traumatic experience and posttraumatic reaction. The whole process can be illustrated from several perspectives. On a neuroanatomic level, especially the multifaceted circuits among thalamus, amygdala, hippocampus, and prefrontal cortex must be outlined. Under extreme stress, each cerebral structure may contribute to the production of dissociative symptoms. Dysfunctions in the complex of amygdala and hippocampus are responsible of typical dissociative amnesia. Many dysfunctions can be described in the various neurotransmitter systems as well, the glutamate system playing a major role. Characteristic changes in the stress hormone responses must be evaluated in addition. Reductions in the hippocampal volume often reported of in neuroimaging studies, are probably caused by glutamatergic neurotoxicity which seems to be supported by glucocorticoid effects. Periand posttraumatically induced neurobiological processes may be constructively related to clinical phenomena of dissociation and posttraumatic reactions.
Keywords
Trauma - dissociation - neurobiology
Anschrift:
Prof. Dr.med. Dr.phil. Dipl.Psych.
Hans-Peter Kapfhammer
Psychiatrische Klinik und Poliklinik der LMU München
Nußbaumstraße 7
80366 München
Tel. 089 – 5160-3354
Fax. 089-5160-3342
DISSOZIATION UND ORGANISCHE ERKRANKUNGEN
DISSOCIATION AND ORGANIC DISORDERS
Zusammenfassung:
Amnesie, Fugue, Depersonalisation und selbst das Erleben eines Identitätsverlusts oder multipler Identitäten können psychiatrische Manifestationen organischer Erkrankungen sein. Da sich organisch dissoziative Syndrome trotz gewisser Prägnanztypen phänomenlogisch nur schwer von den eigentlichen dissoziativen Störungsbildern differenzieren lassen, ist besonders in der initialen Phase der Erkrankung eine umfassende differentialdiagnostische Abklärung zu fordern. Unter den organischen Störungsbildern, die dissoziatives Erleben imitieren können, nimmt die Epilepsie eine besonders prägnante Stellung ein.
Schlüsselwörter:
Dissoziation - dissoziative Symptome - organische Differentialdiagnose
Summary
Amnesia, fugue, depersonalization, and changes in the sense of identity, even the existence of multiple personalities may derive from various somatic diseases. As there are no significant differences in the clinical phenomenology of either organic dissociation or psychogenic dissociation, a proper somatic assessment including a multifaceted differential diagnosis must be obligatory in any clinical state dominated by dissociative symptoms. Among the various somatic diseases causing dissociative symptoms, epilepsy and migraine are playing a major role.
Keywords
Dissociation - dissociative symptoms - organic differential diagnosis
Anschrift:
Dr.med. Sigrid Ehrentraut
Psychiatrische Klinik und Poliklinik der LMU München
Nußbaumstraße 7 • 80366 München
Tel. 089-7095-2717
DISSOZIATIVE UND VERWANDTE STÖRUNGEN IN DER FORENSISCH-PSYCHIATRISCHEN BEGUTACHTUNG
DISSOCIATIVE AND RELATED DISORDERS IN THE FORESIC-PSYCHIATRIC ASSESSMENT
Zusammenfassung:
Die Entwicklung der neueren psychiatrischen Klassifikationssysteme hat im Rahmen der Aufgabe ätiopathogenetischer Vorstellungen und der Vermeidung des abwertenden alltagssprachlichen Gebrauchs die hysterischen Neurosen in der neu eingeführten Kategorie der "dissoziativen" Störungen aufgehen lassen, womit auch die Konversionsstörungen erfasst sind. Während die Veränderungen der normalen Funktion der Bewegung und Sinnesempfindung in Form dissoziativer Bewegungsstörungen, Krampfanfälle sowie Sensibilitäts- oder Empfindungsstörungen in der Begutachtungspraxis im Sozial- oder Zivilrecht durchaus eine zahlenmäßige Bedeutung erlangen, sind die Störungen von Bewusstsein, Gedächtnis oder Identitätserleben bei strafrechtlichen Probanden selten zu beobachten. Am häufigsten werden dissoziative Fluchtreaktionen nach selbstverschuldeten Verkehrsunfällen sowie Tatzeitamnesien bei Affektdelikten geltend gemacht, wobei gerade bei letzteren stets die Möglichkeit der Simulation oder Schutzbehauptung zu bedenken ist. Kontrovers wird auch die Existenz lange unterdrückter Missbrauchserinnerungen ("recovered memories") diskutiert, wobei die Skeptiker von einem "false-memory-syndrome" sprechen. Ob die in den USA viel häufiger festgestellte "multiple Persönlichkeit" eine kulturspezifische Besonderheit darstellt, bleibt umstritten; jedenfalls wird hier zu Lande bei enger Auslegung der Kriterien (keine Erinnerung an die anderen Persönlichkeiten) dieses Syndrom extrem selten diagnostiziert. Anhand forensischer Kasuistiken werden die oben beschriebenen Konzepte illustriert .
Schlüsselwörter:
Dissoziative Störungen - hysterische Neurosen - Konversionsstörungen - Multiple Persönlichkeit
Summary
Within the framework of abstaining from etiological ideas and avoiding pejorative meanings, the development of the recent psychiatric classification systems has led the hysterical neurosis to the new category of “dissociative disorders”, including the conversion neurosis. While changes of the normal function of movement and sensory perception in the form of dissociative motor disorders, attacks and sensibility disorders are of numerous importance in Social and Civil Law, the dissociative disorders of consciousness, memory or identity are rarely found in Penal Law patients. Most frequently people claim fugues after traffic accidents or amnesias for offences under the influence of emotions, which also may be kinds of simulation or lies to cover themselves. There is also a controversial discussion about “recovered memories” after sexual abuse in childhood, because sceptics call it a “false-memorysyndrome”.
“Multiple personality”, which is much more often diagnosed in the United States, is also disputed as a specific type of American disorder. In Germany the “Dissociative Identity Disorder” (DID) will be seldom recognized if psychiatrists make use of a restricted interpretation of the criterias, e.g. amnesic barriers have to be found between one personality and another. The different concepts are illustrated by eight forensic vignettes.
Keywords
Dissociative disorder - hysterical neurosis - conversion neurosis - Multiple Personality Disorder (MPD) - Dissociative Identity Disorder (DID)
Anschrift:
Dr. phil. Dipl.-Psych. Joachim Weber
Psychiatrische Klinik und Poliklinik der LMU München
Abteilung für Forensische Psychiatrie
Nußbaumstraße 7 - 80336 München
Tel.: 089- 5160-2724
Fax : 089- 5160 3398



