Heft 1 - 2000 Depression

01 Thomas Bronisch und Serge K. D. Sulz

Editorial - VIER JAHRE „PSYCHOTHERAPIE“

02 Burkhard Peter

Ericksonsche Hypnotherapie und die Neukonstruktion des “Therapeutischen Tertiums” 

03 S. Sulz und S. Müller

Bedrfünisse, Angst und Wut als Komponenten der Persönlichkeit

04 Parfen Laszig, Kathy Rieg

Psychotherapeutische Berufsverbände, Zeitschriften und Forschungsinformationen im WWW

05 Renate de Jong-Meyer

Einführung in den Themenschswerpunkt Depression

06 Gabriele Richter

Depression und Persönlichkeit - Konzepte und Ergebnisse

07 Daniela Renate Heimberg und Jürgen Margraf

Der Beitrag der Psychophysiologie zum Verständnis depressiover Symptomatik und zur Therapie der Depression

08 Herbert Will

Zwei Grundtypen depressiven Beziehungsverhaltens: abhängige und selbstkritische Depression und ihre psychodynamische Therapie

09 Carmen Morawetz, Friederike T. Zimmer

Interaktion von chronisch Depressiven mit dem engsten Angehörigen. Eine empirische Vergleichss

10 Matthias Backenstraß, Peter Fiedler, Klaus-Thomas Kronmüller, Corinna Reck und Christoph Mundt

“Expressed Emotion” (EE) und eheliche Interaktion: Eine prospektive Studie mit depressiven Patienten und ihren Partnern

11 Renate de Jong-Meyer, Martin Hautzinger, Elfriede Müller

Zur differentiellen Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie, Pharmakotherapie und deren Kombination bei endogen und nicht endogen depressiven Patienten

12 Rolf Dieter Trautmann-Sponsel, Brigitta M. Trautmann-Schareck, Michael Zaudig

Ein stationÄres Gruppenkonzept zur kognitiv-behavioralen Therapie der Depression

13 Martin Hautzinger

Kognitive Verhaltenstherapie depressiver StÖrungen im Alter 

14 Serge K. D. Sulz

REPETITORIUM ZUR VORBEREITUNG AUF DIE FACHARZTPRÜFUNG

 


 
Burkhard Peter
 
Ericksonsche Hypnotherapie und die Neukonstruktion des “Therapeutischen Tertiums” 
 
Zusammenfassung:
Mit seiner Konzeption des Unbewußten, die sich bekanntlich von der psychoanalytischen Tradition wesentlich unterscheidet, hat Erickson ein altes therapeutisches Konstrukt – das “therapeutische Tertium” – wieder aufgegriffen, das lange Zeit essentieller Bestandteil traditioneller Psychotherapie war. Dieses therapeutische Konstrukt hat um die letzte Jahrhundertwende auch in die Psychoanalyse Eingang gefunden, interessanterweise zu einem Zeitpunkt, als die Hypnose gerade darauf verzichtet hatte. Der Aufstieg der Psychoanalyse und der Niedergang der Hypnose stehen in – zumindest zeitlichem – Zusammenhang. Mit der Wiedereinführung dieses “therapeutischen Tertiums” durch Milton Erickson geht die Renaissance der Hypnose einher. Neben diesen geschichtlichen Zusammenhängen werden insbesondere Wesen und Funktion des “therapeutischen Tertiums” aus einer konstruktivistischen Perspektive dargestellt und seine Position innerhalb der modernen Hypnotherapie Ericksonscher Prägung bestimmt.
 
Schlüsselwörter
Exorzismus - Magnetismus - Hypnose - Psychoanalyse - Hypnotherapie - Geschichte
 
Summary
Milton Erickson, by developing his concept of the “unconscious” which, obviously, differs considerably from the psychoanalytic tradition, has reactivated the idea of a “therapeutic tertium” that had been an essential ingredient of psychotherapy for a long time. This idea found its way into psychoanalysis around the turn of the century, surprisingly just when hypnosis renounced it. The rise of psychoanalysis and the decline of hypnosis are related, at least in time. The re-introduction of the “therapeutic tertium” by Milton Erickson signifies the renaissance of hypnosis. Apart from these historical considerations the nature and functions of the “therapeutic tertium” are discussed from the perspective of constructivism and its position within modern hypnotherapy of Ericksonian persuasion is clarified.
 
Keywords 
Exorcism - Magnetism - Hypnosis - Psychoanalysis- hypnotherapy - history
 
 
S. Sulz und S. Müller
 
Bedrfünisse, Angst und Wut als Komponenten der Persönlichkeit
 
Zusammenfassung:
Skalen zur Erfassung von zentralen Ängsten, Wuttendenzen und Bedürfnissen wurden entwickelt, ihre statistischen Eigenschaften untersucht und mit dysfunktionalen Persönlichkeitszügen nach DSM korreliert. Einer Stichprobe, die aus 146 Studenten und 57 Erwerbstätigen ohne Hochschulabschluß bestand, wurden diese Skalen vorgelegt.
Es lassen sich sieben zentrale Angstinhalte (Vernichtung, Trennung, Kontrollverlust über andere, Kontrollverlust über sich, Liebesverlust, Gegenaggression, Hingabe) als Angstdimensionen empirisch bestätigen, ebenso diesen entsprechende sieben Wutdimensionen. Die sechs Dimensionen der zentralen Bedürfnisse (Homöostase, Bindung, Orientierung, Selbstwert, Autonomie/Autarkie, Identität) charakterisieren wesentliche Tendenzen der Beziehungsgestaltung und der Selbstregulation und -entwicklung. Diese Ergebnisse belegen die affektiv-kognitive Entwicklungstheorie des Verhaltens und der Persönlichkeit von Sulz (1994, 2000). Sowohl Bedürfnisse als auch Angst und Wut scheinen bedeutsame Prädiktoren dysfunktionalen Verhaltens zu sein. Die Persönlichkeit in ihren dysfunktionalen Anteilen als verfestigte Verhaltensstereotypie korreliert hoch mit zentralen Beziehungsängsten, deutlich mit zentralen Wuttendenzen und weniger hoch mit zentralen Bedürfnissen. Insgesamt scheinen die Vermeidungsmotive (Angst, Homöostasebedürfnisse) in einer stärkeren Wechselwirkung mit dysfunktionaler Persönlichkeit zu stehen als positive Annäherungsmotive (Zugehörigkeits- und Selbstbedürfnisse). Bei den Annäherungsmotiven sind die aggressiven Motive (Wut) bedeutsamer als die Motive zur Annäherung im Sinne einer Verstärkersuche. Extravertierte Persönlichkeiten sind eher wutgeleitet, introvertierte angstgeleitet. Sie lassen sich jedoch durch die gleichzeitige Erfassung von Angst- und Wutausmaß in einem zweifaktoriellen Schema weiter differenzieren. Konsequenzen für die Therapie der Persönlichkeit werden diskutiert.
 
Schlüsselwörter
Persönlichkeit - Angst - Wut - Persönlichkeitsentwicklung
 
Summary
Scales for the registration of central anxieties, tendencies toward rage, and needs were developed, their statistic qualities were examined and correlated with dysfunctional personality traits according to the DSM. A sample consisting of 146 university students and 57 employed persons without university degree was presented with these scales.
Seven central contents of anxiety (annihilation, separation, loss of control over others, loss of control over the self, loss of love, counter-aggression, dedication) may be empirically confirmed as dimensions of anxiety, as well as the seven dimensions of rage corresponding with these anxieties. The six dimensions of the central needs (homeostasis, attachment, orientation, self-worth, autonomy/autarchy, identity) characterize essential tendencies in the organization of relationships, in self-regulation, and in self-development. These results sustain the affective-cognitive developmental theory of behavior and personality by Sulz (1994, 2000b). Needs as well as anxiety and rage seem to be significant predictors of dysfuncional behavior. The personality in its dysfunctional parts as ongoing stereotypy of behavior correlates highly with central relationship anxieties, clearly with central tendencies toward rage, and less highly with central needs. Altogether the motives for avoidance (anxiety, needs for homeostasis) seem to interact more powerfully with a dysfunctional personality than positive motives for approach (needs for belongingness and self needs). For the motives of approach the aggressive motives (rage) are more significant than the motives for approach in terms of seeking reinforcement. Extroverted personalities more likely are guided by rage, introverted ones more likely are guided by anxiety. However, they may be further differenciated by way of a simultaneous registration of the dimensions of anxiety and rage in a twofactorial diagram. Consequences for a personality therapy are being discussed.
 
Keywords 
Personality - anxiety - rage - developmenttheory of personality
 
 
Parfen Laszig, Kathy Rieg
 
Psychotherapeutische Berufsverbände, Zeitschriften und Forschungsinformationen im WWW

Zusammenfassung:
Das World Wide Web (WWW) gilt gegenwärtig als benutzerfreundlichste und meist genutzte Anwendung des Internet. Mit der zunehmenden Zahl der Nutzer/-innen entwickelt es sich zu einem wichtigen Informations- und Kommunikationsforum, sowohl in Forschungs- als auch in klinisch-therapeutischen Bereichen. Im Beitrag wird eine systematische Auswahl psychotherapeutischer Berufsverbände, Zeitschriften und Forschungsinformationen im WWW dargestellt.
 
Schlüsselwörter
Internet - WWW - Psychotherapie - Datenbanken
 
Summary
Currently the World Wide Web (WWW) is regarded as the most user-friendly and practical of internet-resources. Based on its integrative structure as a communication-directed as well as an information-directed media and the increasing number of users the Internet arises to the most important communicationforum in research as well as clinical-therapeutical areas. The article discusses relevant www-resources of psychotherapeutic associations and societies, journals and research informations.
 
Keywords
Internet - www - psychotherapy - databases
 
 
 
Gabriele Richter
 
Depression und Persönlichkeit - Konzepte und Ergebnisse
 
Zusammenfassung:
Publizierte Ergebnisse zur Beziehung zwischen Depression und Persönlichkeit sind umfangreich, fast unüberschaubar und zum Teil verwirrend, weil inkonsistent. Die Erfassung dieser Beziehung impliziert verschiedene Probleme wie Einfluß der Stimmung, Stabilität von Persönlichkeitsmerkmalen, Spezifität der Beziehung und psychometrische Probleme der benutzten Verfahren. Erklärungsmodelle zur Beziehung Depression und Persönlichkeit fokussieren unterschiedliche Perspektiven (Prädispositionsmodell, Spektrummodell pathoplastisches Modell, Komplikationsmodell, gemeinsames Ursachenmodell), schließen sich aber gegenseitig nicht aus. Empirische Ergebnisse zu ihrer Verifikation werden dargestellt, zunächst zu den am häufigsten im Depressionskontext untersuchten Persönlichkeitsmerkmalen Neurotizismus und Extraversion. Dem Selbstwert als kognitiv-interpersonale Variable kommt in gegenwärtigen Vulnerabilitätsmodellen eine wichtige ätiologische Rolle zu. Die Bedeutung des Selbstwertes, vor allem bezüglich des Verlaufes einer depressiven Störung, wird anhand empirischer Ergebnisse belegt. Seine Rolle als Vulnerabilitätsmarker wird mit Blick auf seine Stabilität diskutiert. Neuere Entwicklungen in der Elaboration von Persönlichkeitsmodellen, wie sie in der psychobiologischen Theorie der Persönlichkeit von Cloninger repräsentiert sind, werden im Kontext mit Ergebnissen zum Temperament- und Charakterinventar (TCI), erhoben an depressiven Patienten, dargestellt. Im letzten Teil der Übersichtsarbeit werden Probleme der Komorbidität von Depression und Persönlichkeitsstörungen und Möglichkeiten zur dimensionalen Erfassung von Persönlichkeitsstörungen mittels TCI thematisiert.
 
Schlüsselwörter
Depression - Neurotizismus - Extraversion - Selbstwert - Temperaments- und Charakter-Inventar - Komorbidität von Depression und Persönlichkeitsstörungen
 
Summary
Results concerning the relationship between depression and personality are extensive, immense, and partly confusing because of their inconsistency. The assessment of this relation implies different problems like the influence of mood, the stability of personality traits, the specificity of this relationship and psychometric problems of the assessment methods.
Explanatory models (predispositional, spectrum, pathoplastic, complication, common cause) focuse different perspectives on the issue without excluding each other. Empirical results for their verification are presented, especially according to the most investigated personality traits i. e. neuroticism and extraversion in this context. A major attention is paid to selfesteem in predispositional or vulnerability models of depression.
Self-esteem is especially seen as predictor for the course and chronicity of a depressive disorder. Its role as a marker of vulnerability is discussed under consideration of its stability. New developments in the elaboration of psychobiological models of personality (seven factor model and the Temperament and Character Inventory – TCI - by Cloninger et al., 1994, 1999) are presented in the context with empirical results in depressed patients. The problem of comorbidity of depression and personality disorder is discussed according to several empirical results as well as possibilities for the dimensional assessment of personality disorder by TCI.
 
Keywords 
Depression - neuroticism - extraversion - selfesteem - Temperament and Character Inventory - comorbidity of depressive and personality disorders
 
 
Daniela Renate Heimberg und Jürgen Margraf
 
Der Beitrag der Psychophysiologie zum Verständnis depressiover Symptomatik und zur Therapie der Depression
 
Zusammenfassung:
Die kognitive Depressionsforschung sucht depressive Symptomatik vor dem Hintergrund informationstheoretischer Modelle zu erklären. Dabei haben zahlreiche klinische Beobachtungen und Befunde empirischer Studien kognitive Veränderungen bei depressiv Erkrankten belegen können. Der Beitrag der Psychophysiologie zum Studium von Prozessen der Informationsverarbeitung ist in dieser Hinsicht vergleichsweise gering. Die Vielfalt und teilweise Widersprüchlichkeit der Befunde und die noch ungeklärten Beziehungen zwischen depressiven Phänomenen und physiologischen Korrelaten psychologischer Prozesse sowie eine oftmals ungenügende theoretische Fundierung entsprechender Studien mögen Gründe dafür sein. Entsprechend haben Befunde der psychophysiologischen Depressionsforschung kaum Eingang in therapeutisches Handeln finden können. Die Effektivität einer therapeutischen Anwendung psychophysiologischer Methoden wie des Biofeedback im Rahmen der Depressionstherapie ist nach wie vor nicht genügend empirisch begründet.
 
Schlüsselwörter
Depression – kognitive Prozesse – Psychophysiologie – Biofeedback
 
Summary
Depression research tries to explain cognitive symptoms of depression in reference to information processing models.
There is clinical and empirical evidence for cognitive deficits in patients with major depression. To date, there are only few psychophysiological studies however, that contribute to the understanding of information processing in depression. This may be due to the manifold and often inconsistent results as well as to the still open questions regarding the relationship between the phenomenology of depression, psychological processes, and the physiological correlates of psychological processes. Moreover there is a lack of theoretical foundation in most of the experimental studies. Accordingly hardly any psychophysiological aspects are considered in the psychotherapy of depression. Empirical support for the efficacy of psychophysiological treatment components for depressed patients has still to be established.
 
Keywords 
Depression – cognitive processes – psychophysiology – biofeedback
 
 
Herbert Will
 
Zwei Grundtypen depressiven Beziehungsverhaltens: abhängige und selbstkritische Depression und ihre psychodynamische Therapie
 
Zusammenfassung:
Im Anschluss an die Arbeiten Sidney J. Blatts werden zwei Grundtypen der Depression unterschieden: die anaklitische Depression bei Patienten mit einem abhängigen und Hilfe suchenden Beziehungsverhalten und die introjektive Depression bei selbstkritischen und nach Autonomie strebenden Kranken. Die Unterschiede im Selbsterleben und in der Psychodynamik werden diskutiert, daneben einige Befunde zur Psychogenese ausgeführt. Schließlich werden einige wichtige Ergebnisse Blatts zur Psychotherapie vorgestellt. Während die selbstkritisch Depressiven auf Kurztherapien schlecht ansprechen und von psychoanalytisch orientierten Verfahren am besten profitieren, ist es bei den abhängig Depressiven genau umgekehrt: Sie gedeihen nicht bei einem klassisch psychoanalytischen Vorgehen, sondern brauchen eine Behandlungstechnik, bei der die Interaktion mit dem Therapeuten, die interpersonelle Dimension und die Verhaltensebene im Vordergrund stehen, sei es in psychodynamischen, interpersonellen oder kognitiv-behavioralen Therapieansätzen.
 
Schlüsselwörter
Depression - Charaktertypen - Psychodynamik - Behandlungstechnik
 
Summary
According to the work of Sidney J. Blatt two configurations of depressive psychopathology are differentiated: anaclitic depression with patients showing a dependent and demanding behaviour, and introjective depression with patients struggling for self-worth and autonomy. The differences in self-perception and psychodynamics are shown, as well as some aspects of psychogenesis. There are some important results concerning psychotherapy. Brief treatment for depression, whether pharmacological or psychological, is relatively ineffective with self-critical, introjectively depressed patients, whereas longterm psychoanalytic treatments are quite effective.
Conversely, the more interpersonally oriented anaclitic patientshave bad results with classic psychoanalytic technique. They are responsive to techniques dealing with interpersonal, interactive and behavioral issues, whether psychodynamic or interpersonal or cognitive-behavior psychotherapy.
 
Keywords 
Depression - types of psychopathology - psychodynamics - psychotherapeutic technique
 
 
Carmen Morawetz, Friederike T. Zimmer
 
Interaktion von chronisch Depressiven mit dem engsten Angehörigen. Eine empirische Vergleichsstudie

Zusammenfassung:
Es wird geschätzt, daß etwa 12% der Erwachsenen einmal in ihrem Leben an einer Depression leiden. Klinische Erfahrungen und zahlreiche Untersuchungen zeigen, daß die meisten depressiven Erkrankungen phasisch verlaufen. Bei einem Teil der Patienten nimmt die Depression jedoch einen chronischen Fortgang. Dabei sind die Ursachen der Chronifizierung bislang weitgehend ungeklärt. Der Identifikation von Faktoren, die eine chronische Depression kennzeichnen und ihre Entstehung und Aufrechterhaltung beeinflussen, kommt somit große Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund wurde in der vorliegenden Arbeit der Frage nachgegangen, welche interaktionellen Defizite und Auffälligkeiten mit einer chronisch depressiven Erkrankung einhergehen. Zur Abklärung dieser Fragestellung wurden 20 depressive Patienten (11 chronisch Depressive und 9 akut Depressive) mit ihren nächsten Angehörigen in einer Interaktionssituation mit Hilfe eines Ratingssystems (INDA, Zimmer 1983) untersucht, ihr beobachtbares Interaktionsverhalten analysiert und verglichen. Es konnte gezeigt werden, daß depressive Patienten in der beobachtbaren Interaktion mit dem Angehörigen mangelhafte soziale Fertigkeiten und eine ungünstige Kommunikation aufweisen.
 
Schlüsselwörter
chronische Depression - partnerschaftliche Interaktion - interpersonelles Verhalten - INDA
 
Summary
The life time prevalence of depression is about 12 %. Clinical experience and a number of studies have revealed that the majority of depressive disorders show an episodic pattern however, some of the patients suffer from chronic depression.
Little is known about the factors predisposing and maintaining chronic depression. In our study we investigated interactional patterns in conjunction with chronic depressive illness. Interactional behaviour of 20 depressive patients (11 chronically and 9 acutely depressed) was rated and compared during an interview situation with the INDA rating system. The patients showed impaired social competence and deficits in communication patterns.
 
Keywords 
chronic depression - marital interaction - interpersonal behavior - INDA
 
 
Matthias Backenstraß, Peter Fiedler, Klaus-Thomas Kronmüller, Corinna Reck und Christoph Mundt
 
“Expressed Emotion” (EE) und eheliche Interaktion: Eine prospektive Studie mit depressiven Patienten und ihren Partnern
 
Zusammenfassung:
Den zwischenmenschlichen Beziehungen und insbesondere dem partnerschaftlichen Interaktionsverhalten depressiver Patienten und ihrer Partner wird in den letzten Jahren vermehrt Forschungsinteresse entgegengebracht. Im Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen steht dabei die Frage, inwieweit dem ehelichen Interaktionsverhalten und dem emotionalen Klima in den Familien depressiver Patienten Bedeutung in Bezug auf Ätiologie, Prognose und Verlauf der Störung zukommt. Ziel der vorliegenden Studie ist es deshalb zu überprüfen, ob sich der Expressed-Emotion (EE)-Status und das eheliche Interaktionsverhalten in Abhängigkeit unterschiedlicher Krankheitsverläufe verändern. Hierzu wurden in einer prospektiven Verlaufsstudie 27 depressive Patienten und deren Partner in einem Zeitraum von zwei Jahren nach stationär-psychiatrischer Behandlung wiederholt untersucht. Der EE-Status der Partner erwies sich als sehr variabel. Er war unabhängig davon, ob die Patienten im weiteren Verlauf einen Rückfall erlitten oder rückfallfrei blieben. In ihrem Interaktionsverhalten, das während sog. Partner-Konflikt-Gespräche direkt beobachtet und mit Hilfe der “Structural Analysis of Social Behavior” (SASB; Benjamin 1974) untersucht wurde, zeigten die Patienten und ihre Partner nur wenig Veränderungen. Das Beziehungsverhalten der Paare schien bei wiederholter Beobachtung durch eher konfliktvermeidendes Verhalten geprägt. In der Diskussion wird auf klinische und psychotherapeutische Aspekte der Ergebnisse eingegangen.
 
Schlüsselwörter
Depression - Partnerschaftliche Interaktion - Expressed Emotion - Structural Analysis of Social Behavior (SASB) - Krankheitsverlauf - Prospektivstudie
 
Summary
The importance of marital interaction between depressed patients and their spouses for etiology, prognosis, and course of illness is still unclear. Therefore, the aim of the present study is to investigate the course of expressed emotion (EE) and marital interaction and its relation to the course of depression. Twenty-seven depressed patients and their partners were repeatedly examined in a prospective study over two years. Nearly all possible EE combinations were found in the two-year course irrespective of whether patients suffered from a relapse or not. Standardized dialogues of each couple (focussing on conflict issues) were videotaped at the end of the treatment and two years later. Subsequent analysis using “Structural Analysis of Social Behavior” (SASB; Benjamin 1974) showed only a small change in marital interaction over the two years. In both dialogues the interpersonal behavior is seen to be avoiding conflicts and displayed a dysfunctional coping pattern. Implications for research in affective disorders and clinical practice are discussed.
 
Keywords 
Depression - marital interaction - expressed emotion - Structural Analysis of Social Behavior (SASB) - course of illness - prospective study
 
 
Renate de Jong-Meyer, Martin Hautzinger, Elfriede Müller
 
Zur differentiellen Wirksamkeit von kognitiver Verhaltenstherapie, Pharmakotherapie und deren Kombination bei endogen und nicht endogen depressiven Patienten
 
Zusammenfassung:
Ein einleitender Überblick über die generelle Wirksamkeit kognitiver Verhaltenstherapie bei depressiven Patienten belegt, daß diese Behandlungsform sich akut bewährt hat. Für einen großen Anteil von Patienten bewirkt sie darüber hinaus eine längerfristige Stabilität der Besserung und reduziert das Rückfallrisiko. In Bezug auf diese längerfristigen Effekte ist sie einer rein medikamentösen Therapie überlegen. Unter den psychologischen Therapien konkurriert sie mit depressionsspezifischen Verhaltenstherapien ohne Kognitionsveränderung und mit Interpersonaler Psychotherapie, zwei Behandlungsstrategien, die ebenfalls als wirksam ausgewiesen sind. In den deutschen Multizenterstudien wurde unter anderem untersucht, ob sich diese Befunde auf Depressive in einem hohen Schwerebereich generalisieren lassen, ob sie für Depressive unter ambulanten und stationären Behandlungsbedingungen gelten und ob endogen und nicht-endogen (neurotisch) Depressive auf zwei Bedingungen (“Kognitive Verhaltenstherapie plus Antidepressiva” und “Antidepressiva plus Stützende Gespräche”) vergleichbar oder unterschiedlich reagieren. Die historische Entwicklung dieser Differentialdiagnose wird skizziert, bevor bisherige Befunde und einige Ergebnisse eigener Datenanalysen zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den endogen und den nicht-endogen Depressiven zusammengefaßt werden. In der Diskussion werden Verlaufsaspekte depressiver Erkrankungen betont. Es werden einige aktuelle Forschungstrends beschrieben, die zu veränderten Subtypisierungen von depressiven Erkrankungen führen könnten.
 
Schlüsselwörter
Endogene Depression - nicht-endogene (neurotische) Depression - Wirksamkeit kognitiver Verhaltenstherapie - Verlauf depressiver Erkrankungen
 
Summary
Numerous studies reviewed in the introduction point to the evidence that Cognitive Behaviour Therapy is an effective and specific treatment of “Major Depressive Disorder”. Moreover this treatment affected maintenance of symptomatic improvement and reduced episode recurrence for a substantial proportion of patients. Regarding these longer term effects Cognitive Behaviour Therapy was more beneficial than antidepressants. Within the psychological treatments it competes with depression specific behavioural strategies and with Interpersonal Psychotherapy, two other treatments with empirically supported effectiveness. The German multicenter studies were designed to examine whether these results could be generalised to depressed patients in a high severity range, whether they equally apply to patients in inpatient and outpatient settings, and whether Major Depressive Disorder patients of an endogenous as compared to a non-endogenous (neurotic) subtype respond similarly or differentially to two treatment conditions (”Cognitive Behaviour Therapy plus Antidepressants” and ”Antidepressants plus intensive Clinical Management”). The history of this subclassification and previous treatment results for these subtypes are reviewed and some findings of our multicenter data pertaining to similarities and differences of endogenous and non-endogenous depressives are presented. The discussion focuses on different types of courses of depressive illness. Recent research is interpreted as leading to course-related subclassifications.
 
Keywords 
Endogenous depression - non-endogenous (neurotic) depression - effectiveness of Cognitive Behaviour Therapy - course of depressive illness
 
 
Rolf Dieter Trautmann-Sponsel, Brigitta M. Trautmann-Schareck, Michael Zaudig
 
Ein stationÄres Gruppenkonzept zur kognitiv-behavioralen Therapie der Depression
 
Zusammenfassung:
Kognitiv-behaviorale Gruppenmethoden zur Behandlung depressiver Störungen sind mittlerweile bereits gut etabliert und in ihrer Wirksamkeit empirisch abgesichert. In Vergleichen mit der Interpersonellen Therapie nach Klerman et al. (1984) (Schramm 1998) schneidet sie zumindest nicht schlechter ab. Kognitiv-behaviorale Gruppentherapie ist jedoch kein einheitliches, rigides Programm, sondern muss je nach Setting-Bedingungen verändert werden (ambulant vs. stationär, psychiatrische Klinik vs. Psychosomatik). Es wird ein spezifisches Gruppenkonzept beschrieben, das sich in der Psychosomatischen Klinik Windach im Verlauf der letzten Jahre bewährt hat. Herausgehoben werden bei der Beschreibung vor allem diejenigen Bestandteile, die in bereits vorliegenden Veröffentlichungen anderer Autoren nicht so sehr im Vordergrund stehen.
 
Schlüsselwörter
Depression – Gruppenbehandlung – Kognitive Verhaltenstherapie
 
Summary
The group treatment of depressive disorders with cognitivebehavioral methods is meanwhile well established and based on empirical evidence. In comparison with Interpersonal Psychotherapy according to Klerman et al. (1984) it is at least not less effective. But, cognitive-behavioral group therapy is not a fixed program suitable to every context, but has to be adapted depending on the specific setting (e. g. outpatient vs.
inpatient treatment, psychiatric clinic vs. psychosomatic clinic). A concept is described which has proven to be useful under the specific conditions of the Psychosomatic Klinik Windach. Those aspects of the concept which differ from elsewhere-published ones are specifically stressed.
 
Keywords
Depression – group therapy – cognitive-behavioral therapy 
 
 
Martin Hautzinger
 
Kognitive Verhaltenstherapie depressiver StÖrungen im Alter

Zusammenfassung:
Verhaltenstherapie mit älteren Patienten lässt sich aus dem gerontopsychologischen Meta-Modell der selektiven Optimierung mit Kompensation ableiten und theoretisch begründen. Verhaltenstherapie für diese Zielgruppe ist demnach ein systematischer Versuch, durch Einsatz einer Reihe von therapeutischen Methoden und Strategien Handlungsspielräume zu erweitern, auf notwendige Selektion von Zielen und Ansprüchen, auf die Optimierung vorhandener Ressourcen und die Kompensation möglicher Defizite hinzuwirken.. Diese allgemeinen Formulierungen werden an der Entwicklung eines psychotherapeutischen Verständnisses der Altersdepression und einem darin begründeten Gruppenprogramm für ältere depressive Patienten konkretisiert und illustriert. Erfahrungen und Ergebnisse unter verschiedenen Rahmenbedingungen zeigen, dass damit positive, depressionsreduzierende Veränderungen erreichbar sind. Die Notwendigkeit, umfangreichere kontrollierte Therapiestudien durchzuführen, bevor weitreichende Empfehlungen für die klinische Versorgung gegeben werden können, wird betont.
 
Schlüsselwörter
Gerontopsychologie - Selektion - Optimierung - Kompensation - Verhaltenstherapie - Altersdepression
 
Summary
Cognitive-behavioral therapy can be understood by a gerontological metamodel called ”selective optimization with compensation”. Cognitive behavior therapy for the elderly can be considered as a systematic attempt to help older people to select new goals, to reformulate old goals, to extend the personal area of action, to optimize ones own resources, and to compensate deficits. These principles and theoretical thoughts are used to develop a psychotherapeutical group program to treat depressed elderly. The twelve sessions of the group intervention are described. First results are reported and discussed in the light of available published research literature.
It remains an open question if the presented positive results hold in larger, better controlled treatment outcome studies. There is an urgent need such studies before clinical recommendations and guidelines can be based on sound empirical knowledge.
 
Keywords 
gerontopsychology - depression - behavioral therapy - selection - compensation - optimization