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Heft 1 - 1999 Schizophrenie

01 Thomas Bronisch und Serge K.D. Sulz

Editorial: Psychiatrie und Psychotherapie
 
 
Religiöse Glaubensmuster und Verhaltensweisen Ihre Relevanz für Psychotherapie und Gesundheitsverhalten
 
 
ÜBER DAS AUFSTEHEN VON DER COUCH
EIN BEITRAG AUS DER SICHT DER KÖRPERORIENTIERTEN PSYCHOTHERAPIE
 
 
VERHALTENSTHERAPIE UND TAE-KWON-DO
ERFAHRUNGSBERICHT EINER KINDERPSYCHIATRISCHEN ABTEILUNG
 
 
Entwicklung und Persönlichkeit
Die VDS-Entwicklungsskalen zur Diagnose der emotionalen und Beziehungsentwicklung 
 
06 Annette Schaub und Hans-Jürgen Möller
 
Einführung in das Schwerpunktthema Schizophrenie
 
 
Pathogenese der Schizophrenie: zum derzeitigen Stand der Forschung 
 
 
KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE SCHIZOPHRENER PATIENTEN UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER THERAPEUTISCHEN BEZIEHUNG.
ERSTE ERGEBNISSE EINER EINZELFALLSTUDIE 
 
 
PRINZIPIEN UND ERGEBNISSE DER FAMILIENBETREUUNG BEI SCHIZOPHRENIE 
ZUM AKTUELLEN FORSCHUNGSSTAND
 
 
Psychoedukative und bewältigungsorientierte kognitive Therapien bei schizophrenen und schizoaffektiven Störungen
 
 
INTEGRATIVE BEHANLDUNG von PATIENTEN MIT DOPPELDIAGNOSEN
 
 
THEORIE UND THERAPIE DER SCHIZOPHRENEN PSYCHOSE AUS PSYCHOANALYTISCHER SICHT
 
 
DIE PSYCHOPHARMAKOTHERAPIE DER SCHIZOPHRENIE
 
14 Serge K.D. Sulz
 
Psychotherapie-Repetitorium zum Sammeln: Zielanalyse und Therapieplanung
 
 
 

Walter Andritzky
 
Religiöse Glaubensmuster und Verhaltensweisen Ihre Relevanz für Psychotherapie und Gesundheitsverhalten

Zusammenfassung:
Im Gefolge des von der New-Age-Philosophie vertretenen Paradigmenwechsels von einem kausal-mechanisch-materialistischen Weltbild zu einem spirituell-energetischen wächst in der Bevölkerung seit Ende der 60er Jahre die Akzeptanz magisch-religiöser Glaubensmuster und die Bereitschaft zur aktiven Beteiligung an religiösen Gruppierungen aller Art. Indem spirituelle Deutungsmuster zunehmend die Laienätiologien und das Gesundheitssuchverhalten, aber auch die Auswahl von Heilmethoden und ihren Settings durch Ärzte und Laienheiler beeinflussen, stellt sich die Frage nach der Gesundheitsrelevanz dieser Einstellungs- und Verhaltensänderungen. Neben den essentials der New-Age-Philosophie und empirischen Befunden zu spirituellen Überzeugungen wird daher eine kritische Bestandsaufnahme zur Rolle von Religiosität und der Beteiligung an Psychogruppen/Sekten sowie ihres möglichen gesundheitsrelevanten impacts vorgelegt. Anhand der Daten einer Untersuchung an 1135 Düsseldorfer Teilnehmern verschiedener Seminartypen erweist sich u.a., daß die Anhänger spirituell orientierter Heilweisen (Reiki) hochsignifikant mehr gesundheitsfördernde Verhaltensänderungen (wie sie auch von der orthodoxen Medizin gefordert werden) aufzuweisen haben als Teilnehmer der übrigen Seminartypen wie Aerobic, Yoga, Körpertherapien oder psychologischer Seminare.
 
Schlüsselwörter
Gesundheitsverhalten - Psychotherapie - Sekten - Religiosität - Alternativmedizin
 
Summary
In the wake for a change in paradigm as advocated by the New Age philosophy- from a causal, mechanistic and materialistic conception of the world to a spiritual-energetic one, the acceptance of magic-religious patterns of faith as well as the readiness to engage in religious groups of all kinds has been continously growing among people since the end of the sixties. As unprofessional etiologies and health-seekingbehavior, but also the selection of psychotherapy and healing methods and their settings by physicians and healers are increasingly influenced by spiritual models of interpretation, the question arises in how far this change in behavior and attitude is relevant for psychotherapy and health as such. Thus, besides the essentials of New Age philosophy and empirical results concerning spiritual convictions a detailed overview is given of what is the role of religiousness and the involvement in psycho-groups or sects as well as of its impacts on health and psychotherapy. The evaluation of data collected from N=1135 participants of five different types of seminars in Düsseldorf suggests that the changes in behavior of the advocates of spiritually oriented therapies (e.g. Reiki) are far more conducive to health than in accord of those who frequent courses in aerobic, yoga, body or (unconventional) psychotherapies.
 
Keywords 
Health seeking behavior - psychotherapy - occultism - religiousness - alternative medicine
 
 
 
KLAUS K. MADERT
 
ÜBER DAS AUFSTEHEN VON DER COUCH
EIN BEITRAG AUS DER SICHT DER KÖRPERORIENTIERTEN PSYCHOTHERAPIE
 
Zusammenfassung:
Die Regression durch das Liegen auf der Couch bedarf der bewußten Umkehrung über eine angeleitete Rückführung des Patienten vom Liegen in die erwachsene Haltung des Stehens. Wie der Patient diese Progression vollzieht, ist nicht nur von diagnostischem Wert. Das bewußt langsame Aufstehen von der Couch fördert das progressive Potential und kann als Modell und Übungsfeld genutzt werden, Fixierungen zu lösen, Ich-Stärke aufzubauen und eine Beziehung zur eigenen Körperlichkeit herzustellen.
 
Schlüsselwörter
Regression - Progression - Ich-Stärke - Heiler-Archetyp
 
Summary
The regression by lying on the couch requires conscious inversion by guiding the patient from lying to the adult carriage of standing. It is not only of diagnostic value how the patient is performing this progression. But the conscious and slow rising fosters his progressive potential and can be used as model and exercise how to loosen fixations and how to develop egostrength and a relationship to the own body.
 
Keywords 
regression - progression - ego-strenght - healerarchetyp 
 
 
 
ANITA KAKAR-OEL
 
VERHALTENSTHERAPIE UND TAE-KWON-DO
ERFAHRUNGSBERICHT EINER KINDERPSYCHIATRISCHEN ABTEILUNG
 
Zusammenfassung:
In unserer Abteilung werden überwiegend Kinder mit massiven Teilleistungsstörungen im sprachlichen und im Lese-Rechtschreibbereich, häufig in Verbindung mit gravierenden Verhaltensstörungen, aufgenommen. 22 ausgesuchte Kinder nahmen neben der kinderpsychiatrischen interdisziplinären Behandlung, die innerhalb eines verhaltenstherapeutischen Settings stattfindet an einer Tae-Kwon-Do-Kindergruppe der Volkshochschule Pullach teil. Alle Kinder konnten sich an die Regeln innerhalb und außerhalb dieser Gruppen halten, sowie ihre erste Prüfung mit Erfolg ablegen. Die Hälfte der Kinder hat schon an zwei oder mehr Prüfungen teilgenommen. Alle Kinder konnten ihr Selbstbewußtsein steigern und nahmen motiviert am Training teil. Diese Maßnahme erwies sich als sinnvoll kombinierbar mit der sonstigen Therapie. Im Rahmen der kinderpsychiatrischen Behandlung zeigte sich eine Verbesserung der sozialen Kompetenz und der Lernmotivation. Aufgrund der berichteten Erfahrungen liegt die Hypothese nahe, daß die Teilnahme an einer geeigneten Kinder Tae-Kwon-Do-Gruppe bei der Behandlung von ausgesuchten Kindern mit den oben angeführten Störungen eine Effizienzsteigerung bewirken kann.
 
Schlüsselwörter
Teilleistungsstörungen - Lernstörungen - Verhaltensstörungen - Kognitive Verhaltenstherapie - Kampfkunst für Kinder
 
Summary
Most of the children on our child psychiatry ward suffer from severe speech and language disorders and dyslexia, often in combination with severe behavioral problems. Besides the interdisciplinary therapeutic setting, 22 selected children participated in evening classes for a Tae-Kwon-Do group for children. All children were able to follow the rules within these groups and outside, and were able to pass their first examination.
More than half of the children have meanwhile passed two or more examinations. All children showed a gain in self-esteem and were eager to take part in the training.The therapy combination proved to be a useful one. The children‘s social competence and willingness to learn improved throughout the general therapeutic setting. Our results suggest that an increase in therapy efficacy for selected children with the disabilities mentioned can be achieved by introducing the participation in a suitable Tae-Kwon-Do group for children.
 
Keywords 
Dyslexia - learning disabilities - conduct disorders - cognitive behavior therapy - martial Art for children
 
 
 
Serge K.D. Sulz, Lars Theßen
 
Entwicklung und Persönlichkeit
Die VDS-Entwicklungsskalen zur Diagnose der emotionalen und Beziehungsentwicklung 
 
Zusammenfassung:
Die zunehmende Einbeziehung des Entwicklungsaspekts in die klinische Diagnostik von psychischen und psychosomatische Störungen macht das Erfordernis von Messinstrumenten in diesem Bereich deutlich. In Anlehnung an das Entwicklungsmodell Kegans wurde ein Selbstbeurteilungsfragebogen entwickelt, der diese Stufen beschreibt. Er enthält 6 Teilskalen mit Items, die entweder eine Errungenschaft im Vergleich zur vorigen Stufe beschreiben oder ein Defizit, das beim Schritt auf die nächste Stufe behoben sein muß. 160 Patienten von niedergelassenen Psychotherapeuten füllten diesen Fragebogen aus. Es ergaben sich signifikant negative Korrelationen zwischen Entwicklungsstufe und den dysfunktionalen Persönlichkeitszügen nach DSM-III-R. Bei fortgeschrittenem Entwicklungsstand war das Vorhandensein eines Entwicklungslochs Prädiktor für dysfunktionale Persönlichkeitszüge. Auch depressive und Angstsyndrome konnten diskriminiert werden.
 
Schlüsselwörter
Entwicklungsdiagnostik – klinische Entwicklungspsychologie – Psychotherapie - Persönlichkeit
 
Summary
Growing interest in developmental psychopathology calls for the construction of questionnaires for measuring the developmental stage of patients with psychosomatic and psychiatric disorders. A self report scale with 6 subscales for each stage following the developmental model of Kegan was completed by 160 outpatients. The scales differentiated between stage ressources and stage deficits. Significant correlations were found between developmental stage and eight dysfunctional personality traits according to DSM-III-R (schizoid, avoidant, dependent, compulsive, passive-aggressive, histrionic, narcissistic, Borderline). There were significant differences between depressive and anxiety syndromes too.
 
Keywords 
Developmental diagnostics – developmental psychopathology – psychotherapy - personality
 
 
 
Michael Riedel, Annette Schaub, Hans-Jürgen Möller, Norbert Müller
 
Pathogenese der Schizophrenie: zum derzeitigen Stand der Forschung 
 
Zusammenfassung:
Die Heterogenität schizophrener Störungen in Symptomatik, Verlauf und Therapieresponse sowie differierende biologische Befunde legen nahe, daß es sich bei der Schizophrenie um ein Syndrom handelt, dem unterschiedliche pathogenetische Mechanismen zugrunde liegen. 
Heute stehen genetische und andere biologische Hypothesen zur Pathogenese der Erkrankung im Mittelpunkt der Diskussion, aktuelle Erkenntnisse aus Neuropathologie und bildgebenden Verfahren, Neurophysiologie, Neurotransmitterforschung, Psychoneuroimmunologie und Neuroendokrinologie werden im Überblick dargestellt. Psychosoziale Faktoren sind mitverantwortlich für den Erkrankungszeitpunkt, modulieren den Verlauf und spielen beim therapeutischen Procedere eine wichtige Rolle. Dies wird im Kontext der in den 50er und 60er Jahren entstandenen psychologischen Theorien erläutert.
 
Schlüsselwörter
Ätiopathogenese - Neurotransmitter - Neuroendokrinolgie - Neurophysiologie - Neuroimmunologie Genetik - Neuropathologie - psychosoziale Faktoren
 
Summary
The heterogenity of schizophrenia with regard to its symptomatology, course of the illness and treatment response as well as different biological findings hint at schizophrenia as a syndrome with different underlying pathoetiological mechanisms.
Nowadays genetic and other biological hypothesis are focused on for the pathogenesis of the illness.
Current findings in neuropathology, imaging, neurophysiology, research on neurotransmitters, psychoneuroimmunology and neuroendocrinology are reviewed. Psychosocial factors may play an important role for the onset of the illness, they moderate the course of the illness and have to be accounted for in the treatment procedures. This will be explained in the context of psychological theories that arose in the 50ies and 60ies.
 
Keywords pathogenesis of schizophrenia - neuropathology - imaging - neurophysiology - neurotransmitters - psychoneuroimmunology - neuroendocrinology - psychosocial factors
 
 
 
SIBYLLE KRAEMER, JULIA V. STARCK, ANDREA DIETZEL, EVA DRAGON
 
KOGNITIVE VERHALTENSTHERAPIE SCHIZOPHRENER PATIENTEN UNTER BERÜCKSICHTIGUNG DER THERAPEUTISCHEN BEZIEHUNG.
ERSTE ERGEBNISSE EINER EINZELFALLSTUDIE 
 
 
Zusammenfassung:
Den Schwerpunkt der Arbeit bildet, ausgehend von kognitiv-verhaltenstherapeutischen Konzepten (Ziele, Interventionen, Therapieprozeßmodell) der Behandlung von schizophrenen Patienten, eine Einzelfallstudie zur therapeutischen Beziehung. Die Fragestellungen bezogen sich auf die Kooperationssequenz und deren Zusammenhang mit Therapieerfolg. Drei Therapiepaare mit jeweils 20 Stunden Behandlungsdauer wurden mit dem Codiersystem für die Interaktion in der Psychotherapie (Schindler 1991) und mit anderen Prozeßmaßen beurteilt. Darüber hinaus wurden Therapieerfolgsmaße erhoben. Die Ergebnisse (Sequenzanalysen, Korrelationen) weisen daraufhin, daß die Kooperationssequenz häufig auftrat, daß sie aber nicht, wie in anderen Studien, mit Therapieerfolg dieser schizophrenen Menschen verbunden war. Vielmehr scheinen diese mehr von Struktur, allerdings in Verbindung mit Empathie zu profitieren.
 
Schlüsselwörter
Kognitive Verhaltenstherapie - Schizophrenie - therapeutische Beziehung
 
Summary
On the basis of cognitive behaviour therapy concepts (objectives, interventions, therapy process) for the treatment of schizophrenic patients, the emphasis of the study hence presented consisted in a single case study enquiring into the therapeutic alliance. The investigation was aimed at the sequence of cooperation and its correlation with success in therapy. Three therapeutic processes who underwent 20 hours of therapeutic treatment each, were assessed with the Coding System for Interaction in Psychotherapy (Schindler 1991) and also according to further variables of process. Additionally, outcome variables were collected such as psychopathology and concentration. The results (sequential analyses, correlations) indicate that among the participants of our study a sequence of cooperation was frequently prevalent, that it can, nonetheless, not - as suggested by other studies - be seen as correlated with a successful therapeutic treatment of the schizophrenic participants. Those rather seem to benefit more easily from a conveyance of structure, however only, if accompanied by an emphatic attitude on the part of the therapist.
 
Keywords 
cognitive behaviour therapy - schizophrenia - therapeutic alliance
 
 
 
CHRISTOPH BRAUKHAUS, HEIKE SAßMANN, KURT HAHLWEG
 
PRINZIPIEN UND ERGEBNISSE DER FAMILIENBETREUUNG BEI SCHIZOPHRENIE 
ZUM AKTUELLEN FORSCHUNGSSTAND
 
Zusammenfassung:
Die Rückfallgefahr des Schizophreniepatienten ist deutlich erhöht bei Rückkehr in ein ungünstiges Familienklima, das bestimmt ist durch ungünstige Einstellungen der Angehörigen, die anhand des „Expressed-Emotion“-Konzepts erfaßt werden können, sich jedoch auch in Form von kritischen und ablehnenden Interaktionen ausdrückt. Familiärer Streß ist der eindeutigste Prädiktor für einen Rückfall. Programme zur psychoedukativen Familienbetreuung können die Rückfallgefahr nach zwei Jahren von 72% auf 31% reduzieren. Das Konzept von Informationsvermittlung, Kommunikations- und Problemlösetraining im Anschluß an die stationäre Therapie bei weiterer medikamentöser Betreuung hat sich als effektiv und ökonomisch erwiesen. Die bisher schleppende Umsetzung in die Praxis kann zum Teil durch fehlenden Wissenstransfer, Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit zwischen Psychologen und Ärzten, wie auch mit organisatorischen Problemen bei der Arbeit mit Familien erklärt werden, erscheint jedoch zur besseren Versorgung der Patienten überwindbar.
 
Schlüsselwörter
Schizophrenie - Familienbetreuung - Expressed-Emotion-Konzept - Kommunikation
 
Summary
The marital and family milieu to which schizophrenic patients return after hospitalisation is associated with the course of schizophrenia. Expressed emotion (EE) is a measure of the family environment that has been demonstrated to be a reliable psychosocial predictor of relapse in schizophrenia. The EEresults indicate that family factors - in particular a critical attitude towards the patients and emotional over-involvement - partly determine whether schizophrenic patients will relapse after discharge or not. Behaviourally orientated family management programs decrease the relapse rate in two years follow-ups from 72% to 31%. The treatments consist of several components: behavioural analysis of familial problems, information on schizophrenia and medication, communication and problem-solving training, and crisis intervention. The patient is still under medication and the program starts directly after hospitalization. The findings highlight the importance of family interventions whereas it is not very common in everyday practise. Some organizational problems like cooperation between psychiatrists and psychologists or the problem of how to transfer knowledge to practitioners are discussed.
 
Keywords 
schizophrenia - family treatment - expressedemotion- concept - communication
 
 
 
Annette Schaub
 
Psychoedukative und bewältigungsorientierte kognitive Therapien bei schizophrenen und schizoaffektiven Störungen
 
Zusammenfassung:
Die Vermittlung von Informationen über die Erkrankung und ihre Behandlung an die Betroffenen und ihre Angehörigen hat in den letzten Jahren in der Behandlung schizophrener Störungen an Bedeutung gewonnen. Die vorliegenden Therapieansätze unterscheiden sich dahingehend, ob sie stärker psychoedukativ oder mehr auf die Belastungen und Bedürfnisse der Patienten zugeschnitten sind. Bei beiden Vorgehensweisen wird der Patient als Coexperte seiner Erkrankung ernst genommen und in die Behandlung integriert. Dieser Artikel gibt einen Überblick über diese zumeist manualisierten Therapieansätze sowie aktuelle Forschungsergebnisse, die eine Verbesserung des Krankheitsverlaufs unter einer kombinierten psychopharmakologischen und psychosozialen Intervention belegen. Besonderes Gewicht liegt auf der Beschreibung eines mittelfristigen bewältigungsorientierten Therapieansatzes, der seit 1995 an der Psychiatrischen Klinik der LMU München durchgeführt wird. Die Behandlungszufriedenheit der Patienten wie auch die klinischen Merkmale (z.B. die Rückfallrate nach einem Jahr) fallen günstig aus. Die Ergebnisse werden derzeit in einer kontrollierten Studie überprüft. Abschließend werden Aspekte einer effektiven Rehabilitation für Patienten mit schizophrenen Störungen beleuchtet.
 
Schlüsselwörter
Schizophrene Störungen - Behandlung - Psychoedukation - bewältigungsorientierte Therapie - Belastungen
 
Summary
The importance of programmes for educating patients and their relatives about schizophrenia and its treatment has been recognized worldwide. These programmes focus on psychoeducation or are more individually tailored to the patients’ needs and stressors. Both approaches see the patient as an coexpert of his illness and integrate him into treatment.
This article provides an overview of mainly manualised treatment programmes and of current research proving better outcome when combining psychopharmacological and psychosocial treatment. This paper emphasizes the description of a coping-orientated treatment programme, that has been implemented at the Department of Psychiatry of the LMU Munich since 1995. The patients’ satisfaction with treatment as well as clinical characteristica of the sample (e.g. relapse rate) are favourable. A controlled study is on its way to investigate the results in detail. This paper concludes with a discussion of aspects for an efficient rehabiliatation in schizophrenia.
 
Keywords 
Schizophrenia - treatment - psychoeducation - coping-orientated treatment - stressors
 
 
 
KIM T. MUESER, ROBERT E. DRAKE, ANNETTE SCHAUB, DOUGLAS L. NOORDSY

INTEGRATIVE BEHANLDUNG von PATIENTEN MIT DOPPELDIAGNOSEN
 
Zusammenfassung:
In den letzten Jahren sind die Diagnose und Therapie von Doppeldiagnosen verstärkt in den Mittelpunkt des Interesses gerückt. Doppeldiagnosen werden bei Patienten gestellt, die an Substanzabhängigkeit bzw. -mißbrauch von einer oder mehreren psychotropen Substanzen bei gleichzeitigem Vorliegen einer anderen schweren psychischen Störung leiden. Dieser Beitrag beschreibt ätiologische Modelle und klinische Charakteristika von Patienten mit Doppeldiagnosen. Da sich frühere Ansätze, die beiden Störungen getrennt zu behandeln, als wenig effizient erwiesen, haben integrierte Behandlungskonzepte in letzter Zeit an Bedeutung gewonnen. Diese Ansätze basieren zumeist auf einem niederschwelligen, gemeindenahen Behandlungsangebot. Sie sind als komplexe, längerfristige, phasenbezogene Behandlung angelegt, die eine gemeinsame Entscheidungsfindung im Therapieprozeß betont und pharmakologische Interventionen integriert. Die Phasen der Behandlung beziehen sich auf den Aufbau einer Behandlungsallianz, die Phase der Überzeugung, die aktive Behandlung und die Rückfallprophylaxe. Der aktuelle Forschungsstand zu integrativen Behandlungsansätzen wird kurz zusammengefaßt. Abschließend werden zukünftige Entwicklungen in diesem Bereich diskutiert.
 
Schlüsselwörter
Doppeldiagnosen – psychische Störungen durch psychotrope Substanzen – schizophrene und affektive Störungen, integrierte Behandlung, Phasenmodell - Psychopharmakotherapie
 
Summary
Widespread recognition of the problem of dual diagnosis, defined here as coexisting substance use disorder (substance abuse or substance dependence) and severe mental illness, has led to the development of programs that integrate mental health and substance abuse treatments. In this article, etiological models and clinical characteristics of this disorder are described. Because of problems related to traditional treatment approaches that treated each disorder separately programs were developed that integrate mental health and substance abuse treatments. Common components of these programs are assertive outreach, comprehensiveness, long-term perspective, shared decision making, stage-wise treatment and pharmacotherapy.
The stages of treatment include engagement, persuasion, active treatment and relapse prevention. Research on integrated treatment is then briefly summarized. The article concludes with a discussion of future directions for work in this area.
 
Keywords 
Dual diagnosis – substance use disorders – psychiatric disorders – integrated treatment programs – stages of treatment - psychopharmacotherapy 
 
 
 
GÜNTER LEMPA , HEINZ BÖKER
 
THEORIE UND THERAPIE DER SCHIZOPHRENEN PSYCHOSE AUS PSYCHOANALYTISCHER SICHT
 
Zusammenfassung:
Die Autoren geben einen Überblick über den aktuellen Stand der psychoanalytischen Psychosentheorie. Die Psychoanalyse befaßt sich mit pathologischen intrapsychischen und interpersonellen Beziehungsmustern, die, wie empirische Studien zeigen, für den Ausbruch und Verlauf der Erkrankung wesentliche Momente darstellen. Sie schlagen das Konzept der „Psychose als Psychosomatose des Gehirns“ als mögliches Paradigma vor, um die Ergebnisse verschiedener wissenschaftlicher Ansätze zu integrieren. Nach der Darstellung der modifizierten psychoanalytischen Behandlungstechnik der Schizophrenie wird die Fragen der Indikation und Prognose erörtert und auf empirische Studien zur Wirksamkeit eingegangen.
 
Schlüsselwörter
Psychotisches Dilemma - Psychose als Psychosomatose des Gehirns - Modifizierte psychoanalytische Behandlungstechnik
 
Summary
The authors give an overview of the present-day state of psychoanalytic theory of psychosis. Psychoanalysis deals with pathological intrapsychic and interpersonal patterns of relationship, which are crucial for the onset and the course of the illness as it is shown by empirical studies. They suggest the concept of “psychosis as psychosomatosis of the brain” as possible paradigma to integrate the results of different scientific approaches. A modified psychoanalytic treatment technique is demonstrated. Relevant issues regarding indication and prognosis of this treatment approach are discussed in the context of empirical outcome studies.
 
Keywords 
psychotic dilemma - psychosis as psychosomatosis of the brain - modified psychoanalytic treatment technique
 
 
 
M. RIEDEL, N. MÜLLER, H.-J. MÖLLER
 
DIE PSYCHOPHARMAKOTHERAPIE DER SCHIZOPHRENIE
 
Zusammenfassung:
Die Neuroleptikatherapie stellt seit über 30 Jahren den wichtigsten Therapiepfeiler in der Behandlung der Schizophrenie dar. Dies gilt sowohl für die Behandlung der akuten Krankheitsphase als auch für die Rezidivprophylaxe. Um Nebenwirkungen durch Antipsychotika so gering wie möglich zu halten und damit die Compliance der Patienten zu erhöhen, wird in der Akut- und in der Langzeitbehandlung ein möglichst niedriges Dosisregime gewählt. Unter Aspekten wie günstiges Nebenwirkungsprofil, erhöhte Compliance und bessere Lebensqualität sollte besonders dem Einsatz von atypischen Neuroleptika noch größere Bedeutung zukommen. Als bisher nur unzureichend gelöstes Problem erweist sich die Negativsymptomatik, vor allem im Rahmen chronischer Residualsyndrome. Neben dem Einsatz von atypischen Neuroleptika sind auch Behandlungsversuche mit Antidepressiva angezeigt. In der rezidivprophylaktischen Langzeitbehandlung muß die optimale Neuroleptikadosis individuell für den einzelnen Patienten unter Risiko-Nutzen-Aspekten herausgefunden werden.
 
Schlüsselwörter
Neuroleptika - Schizophrenie - Negativsymptomatik - Positivsymptomatik
 
Summary
For more than 30 years antipsychotic medication has been the most important component of the treatment of schizophrenia, for both, symptom reduction and well as relapse prevention.
In order to keep side effects as low as possible and thereby increase the compliance of the patients a neuroleptic low-dose treatment regime is most favourable to choose. With regard to fewer side-effects, an increased compliance und higher quality of life, atypical neuroleptics should be more widely recognized.
The treatment of negative symtpoms, especially persistent residual symptoms, is not very satisfactory yet. Atypical neuroleptics as well as antidepressants should be considered.
For the longterm relapse prevention it is most important to find the optimal individual risk-benefit ratio for each patient.
 
Keywords 
Neuroleptics - treatment of schizophrenia - negative symptoms - positive symptoms