Heft 1 - 1998 Psychosomatik des Bruskrebses

01 Thomas Bronisch und Serge K.D. Sulz

Psychotherapie und Pharmakotherapie
 
 
Die Kostenerstattung in der Psychotherapie - Ein Wegbereiter des Psychotherapiegesetzes
 
 
Qualitätskriterien der Psychotherapie - Ausbildung
 
 
Prävalenz der Adipositas in einer analytisch orientierten psychosomatischen Fachklinik und Behandlungsergebnisse durch psychosomatische Rehabilitation
Teil I: Prävalenzdaten und kurzfristige Therapieergebnisse
 
 
STATIONÄRE THERAPIE VON BORDERLINE-STÖRUNGEN 
NACH EINEM PSYCHODYNAMISCH - INTEGRATIVEN ANSATZ - Das Grönenbacher Modell
 
 
Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung - eine empirische Untersuchung der VDS - Persönlichkeitsskalen
 
 
MEDIZINHISTORISCHE UND WISSENSCHAFTSTHEORETISCHE 
CHARAKTERISTIKA DER MODEREN PSYCHOPHARMAKOLOGIE
 
 
ZUR WIRKSAMKEIT VON PSYCHOTHERAPIE BEI DEPRESSIONEN
 
09 Almuth Sellschopp
 
Vorbemerkungen zum Schwerpunktthema Psychosomatik des Brustrkebses
 
 
Somatische Aspekte des Brustkrebses
 
 
Sozialpädagogische Aspekte im Umgang mit Mammakarzinompatientinnen
 
 
Die Psychosomatik des Brustkrebses als Co-Karzinogen
 
 
Psychosoziale Begleitung von Patienten mit Brustkrebs aus der Sicht des Klinikers
 
 
Die Psychosomatik des Brustkrebses aus der Sicht des Therapeuten
 
15 Serge K.D. Sulz
 
Psychotherapie-Repetitorium zum Sammeln: Falldokumentationsleitfaden. Tiefenpsychologische Psychotherapie
 
 

Paul Kochenstein und Siegfried Höfling
 
Die Kostenerstattung in der Psychotherapie - Ein Wegbereiter des Psychotherapiegesetzes
 
Zusammenfassung:
Es wird auf die historische Entwicklung des Kostener-stattungsverfahrens bis zur Verabschiedung des Psycho-therapeutenesetzes eingegangen. Dabei wird betont, daß es ein zehnjähriges intensives Bemühen der Psychologenschaft bedurfte, um schließlich die gesetzliche Absicherung des psychologischen Psychotherapeuten als Heilberuf zu erreichen. Nach mehr als zehnjährigem, auch vielmals gerichtlichem Streit zwischen Ärzte- und Psychologenschaft um die Rechtmäßigkeit psychologischer Psychotherapie war gerade das höchste Gerichtsurteil, das die Unrechtmäßigkeit bestätigte, letztendlich der stärkste Katalysator der Gesetzgebung. Statt dem Verbot kam es zum Gesetz. Nun werden Psychologen und Ärzte gemeinsam und gleichberechtigt die Kassenversorgung psychisch und psychosomatisch erkrankter Menschen übernehmen und sich auch in einer einzigen Vereinigung (der KV) zusammensetzen und diese gemeinsame Aufgabe zusammen anpacken.
 
Schlüsselwörter
Kostenerstattung - Psychotherapeutengesetz - psychologische Psychotherapie
 
Summary
The development of Psychotherapy, which is payed by reimbursement only, is described. Half of the psychological psychotherapist were “reimbursement-psychotherapists whereas the other half were paed directly be the health insurance. Without these psychotherapists psychotherapeutic care of patients were impossible in the past. The Association of the medical profession in contrast tried to proof the opposite. And court dicision said that they did psychotherapy not legally. Now the law integrates them to legal pschotherapeutic care. In future psychologists and medical doctors will share psychotherapeutic care in Germany.
 
keywords 
Reimbursement of costs - Law of Psychotherapy - psychological Psychotherapy
 
Serge K.D. Sulz
 
Qualitätskriterien der Psychotherapie - Ausbildung
 
Zusammenfassung:
Es werden Qualitätskriterien definiert, anhand derer die psychotherapeutische Ausbildung gemessen werden kann. Ergebnis dieser Prüfung ist ein erhebliches Praxisdefizit und ein Mangel an medizinischem Basiswissen in der psychologischen Psychotherapie-Ausbildung sowie das Fehlen des zweiten anerkannten Psychotherapieverfahrens, weshalb die Kompetenz zur Differentialindikation nicht erworben werden kann. Die ärztliche Psychotherapie-Ausbildung weist einen massiven Theoriemangel auf - sowohl in Psychologie als auch in Theorie der Psychotherapie. Zudem fehlt eine ausreichende klinikexterne Kontrolle der tatsächlichen Durchführung der Psychotherapie-Ausbildung. Die praktische Umsetzung ist in beiden Ausbildungsgängen unzureichend angelegt. So fehlen Beobachtung, Cotherapie, Live-Supervision und Evaluation von Therapien in der Ausbildung. Es werden Möglichkeiten aufgezeigt, diese Mängel zu beheben.
 
Schlüsselwörter
Psychotherapie-Ausbildung - Qualitätskriterien - Psychotherapie-Curriculum
 
Summary
Criteria for training in psychotherapy are defined. These criteria are than used to compare trainings of psychologists and of psychotherapists in psychiatry and psychotherapeutic medicine. Psychologists have a deficit in practice and in basic knowledge of medicine. And psychologists have only one method of therapy. So they have not enough competence for decisions for differential indication. The second group has deficits in psychology and theory of psychotherapy and there is no external institution controlling if training is really done. Both groups don’t get enough possibility for cotherapy, livesupervision and evaluation of therapies. Some ways for coming to better quality of psychotherapy training are discussed.
 
Keywords 
Psychotherapy training - Criteria for quality of training - Curriculum for psychotherapy training
 
 
Jürgen Schmidt • Gerhard Schmid-Ott • Friedhelm Lamprecht
 
Prävalenz der Adipositas in einer analytisch orientierten psychosomatischen Fachklinik und Behandlungsergebnisse durch psychosomatische Rehabilitation
Teil I: Prävalenzdaten und kurzfristige Therapieergebnisse
 
Zusammenfassung:
Untersucht wird zunächst die Prävalenz der Adipositas in einer psychosomatischen Fachklinik, welche nach dem Body-Mass-Index klassifiziert wird (BMI). In einem Beobachtungszeitraum von sieben Jahren (n = 11275) zeigt sich, daß bei Aufnahme 48,9 % der Patienten ein Übergewicht (BMI ž 25) und 13,7 % eine behandlungsbedürftige Adipositas (BMI ž 30) aufwiesen. Die beobachteten kurzfristigen Gewichtsveränderungen sind von mittlerer Größe (durchschnittlich minus 4,97 kg, sd = 4,38 kg). Im 2. Teil der Veröffentlichung “Ergebnisse von Verlaufsstudien” (Schmidt et al. 1998) wird die Frage, inwieweit die Gewichtsabnahmen während der stationären Behandlung katamnestisch stabil bleiben, anhand von zwei Ergebnisuntersuchungen (ngesamt = 67) unter Einschluß einer Einjahreskatamnese differenziert evaluiert und dargestellt.
 
Schlüsselwörter
Adipositas -Psychosomatische Rehabilitation - analytisch orientierte Fachklinik - Gewichtsver-änderungen
 
Summary
The prevalence of obesity in a clinic for psychosomatic medicine is determined by the body-mass-index (BMI). Within a 7-years-period (n = 11275) at admission 48.9 % of the patients showed an overweight (BMI ≥ 25) and 13.7 % an obesity which should be medically treated (BMI ≥ 30). The short-term weight effects of the obese subjects have a mean of -4,97 kg, sd = 4,38 kg. In the second part of the publication “Results of follow-ups” (Schmidt et al. 1998) the effects of a conflict orientated inpatient treatment are by means of two outcome studies (ntotal = 67) differentially evaluated including an one-year-follow-up.
 
Keywords 
obesity - overweight - conflict orientated inpatient treatment - weight change
 
 
Achim Votsmeier
 
STATIONÄRE THERAPIE VON BORDERLINE-STÖRUNGEN 
NACH EINEM PSYCHODYNAMISCH - INTEGRATIVEN ANSATZ - Das Grönenbacher Modell
 
Zusammenfassung:
Der hier beschriebene stationäre Ansatz zur Behandlung von Borderline-Störungen orientiert sich an einem Entstehungsmodell struktureller Störungen, das die Bedeutung kumulativer traumatischer Beziehungserfahrungen hervorhebt. Der Behandlungsrahmen und das Behandlungsmodell einschließlich der Diagnostik, der multimodalen therapeutischen Maßnahmen und der besonderen Erfordernisse der therapeutischen Beziehung werden dargestellt. Die auf spezifische Therapieziele abgestimmten drei Phasen des Therapieprozesses werden theoretisch geschildert und an einem Fallbeispiel illustriert. Nach der Darstellung empirischer Ergebnisse zur Evaluation des Behandlungskonzepts werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede zur stationären Anwendung der „Dialektisch-Behavioralen-Therapie“ (DBT) nach Linehan diskutiert.
 
Schlüsselwörter
Borderline-Persönlichkeitsstörung - Strukturelle Störung - Stationäre Psychotherapie - Methodenintegration
 
Summary
The inpatient treatment approach for borderline-patients presented in this article emphasizes traumatic interpersonal experiences as the origin of structural disorders. The therapeutic framework is described as well as the treatment model including diagnostics, multimodal therapeutic operations and the specific requirements of the therapeutic bond. The target-oriented therapy process is divided into three phases and is illustrated by a case example. After the presentation of empirical results common characteristics and differences between this approach and an inpatient application of Dialectic Behavior Therapy (DBT) by Linehan are discussed.
 
Keywords 
Borderline Personality Disorder - Structural Disorder - Inpatient Psychotherapy - Psychotherapy Integration
 
 
Serge K.D. Sulz, Ute Gräff-Rudolph, Christian Jakob
 
Persönlichkeit und Persönlichkeitsstörung - eine empirische Untersuchung der VDS - Persönlichkeitsskalen
 
Zusammenfassung:
Anliegen dieser Studie war die empirische Untersuchung der VDS-Persönlichkeitsskalen. Sie erfassen Selbstunsicherheit, Dependenz. Zwanghaftigkeit, passive Aggressivität, Histrionie, Schizoidie, Narzißmus und emotionale Instabilität (Borderline) entsprechend den DSM-III-R-Definitionen. Die 8 Skalen haben mittlere bis sehr gute innere Konsistenz und insbesondere in der Interviewform niedrige Interkorrelationen. Sie sind in ihren testtheoretischen Kennwerten vergleichbar mit faktorenanalytisch gewonnenen Skalen im klinischen Bereich. Die Übereinstimmung der Selbstbeurteilung durch Fragebogen mit der Interviewerform war gut, so daß auf eine Datenerhebung mit zeitaufwendigen Interviews verzichtet werden kann. Die 8 VDS-Persönlichkeitsskalen eignen sich zur Differenzierung von Diagnosegruppen (Depression, Panik/Agoraphobie, soziale Angst, Migräne). Insgesamt zeigen sich die VDS-Persönlichkeitsskalen als geeignetes Instrument bei ambulanten Psychotherapie-Patienten als Eingangsdiagnostik zur Erfassung von dysfunktionalen Persönlichkeitsanteilen.
 
Schlüsselwörter
Persönlichkeit - Persönlichkeitsstörung - Persönlichkeitsfragebogen - Persönlichkeits-Interview
 
Summary
62 unselected psychotherapeutic outpatients were analysed for premorbid personality. VDS-personality inventory, derived from DSM-III-R criteria was used for analysis. The VDS-personality scales had good reliability, low intercorrelations and high correlations between patient self rating and interview rating. Personality scales outcome comparison with the Munich personality test MPT (v. Zerssen et al. 1988) showed good fitness for these scales, which were measures for the same constructs. MPT fails to measure anxious, dependent and passiv-aggressive personality traits.
MPT seams to be a test for measuring premorbid personality of psychiatric patients with schizophrenic or affective disorders. Dealing with psychotherapeutic patients the eight VDS-scales anxious, dependent, anancastic, passive-aggressive, histrionic, schizoid, narzistic and emotional instabil seam to be reliable and valid measures of dysfunctional aspects ofpersonality.
 
keywords 
personality - personality disorder - personalityscale - personality interview
 
 
MATTHIAS M. WEBER
 
MEDIZINHISTORISCHE UND WISSENSCHAFTSTHEORETISCHE 
CHARAKTERISTIKA DER MODEREN PSYCHOPHARMAKOLOGIE
 
Zusammenfassung:
Die moderne Psychopharmakologie gehört in der psychiatrischen Behandlungspraxis zu den am besten etablierten Therapieverfahren. Dennoch wird sie in der Öffentlichkeit häufig kontrovers diskutiert. Die Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung kann erheblich dazu beitragen, ihren theoretischen Hintergrund und damit ihre Möglichkeiten realistisch einzuschätzen. Nicht wenige Experten schreiben die Entdeckung neuer Psychopharmaka häufig dem Zufall der sogenannten "serendipity" zu; auch für die Entwicklung psychopharmakologischer Behandlungskonzepte sind jedoch stets die ideengeschichtlichen Rahmenbedingungen der jeweiligen medizinischen Epoche entscheidend. Obwohl die arzneiliche Behandlung psychopathologischer Auffälligkeiten seit der Antike praktiziert wurde, beginnt die moderne Psychopharmakologie mit dem naturwissenschaftlichen Wandel der Heilkunde um 1850. Die 1869 erfolgte Einführung von Chloralhydrat, des ersten vollsynthetischen Sedativums, enthält bereits alle Merkmale, die bis heute für das Verständnis psychopharmakologischer Innovationen wichtig sind. Dazu zählen etwa die entscheidenden Einflüsse der organischen Chemie, der Anästhesie, aber auch der klinisch-kasuistischen Beobachtung und der pharmazeutisch-chemischen Industrie.
 
Schlüsselwörter
Geschichte der Psychiatrie - Geschichte der Psychopharmakologie - Serendipity
 
Summary
Modern psychopharmacology is a well-established method of psychiatric therapy. Nevertheless, the public discussion about psychopharmacotherapy remains controversial. A deeper knowledge of the historical development may provide a realistic view of the theoretical background and the actual possibilities. Even experts think that the discovery of new psychopharmacological agents often results from "serendipity". More important seems to be the framework of the leading concepts of a medical system. Drug treatment of psychopathological disorders was a common practice since ancient times, however, modern psychopharmacology started with the growing influence of the natural sciences upon medicine about 1850. The introduction of chloral hydrate in 1869, the first synthetic sedative, already demonstrated the most important characteristics that are relevant for psychopharmacological innovations until today. Especially influential were organic chemistry, anaesthesiology, clinical observation and the pharmaceutical industry.
 
KeyWords
History o Psychiatry - History of Psychopharmacology -Serendipity
 
 
MARTIN HAUTZINGER
 
ZUR WIRKSAMKEIT VON PSYCHOTHERAPIE BEI DEPRESSIONEN
 
Zusammenfassung:
Diese Übersichtsarbeit befaßt sich mit der Frage der Wirksamkeit von Psychotherapie bei Depressionen. Dazu werden ausgewählte qualifizierte Studien referiert und in ihren Befunden dargestellt. Aufgrund dieser Übersicht läßt sich sagen, daß mit der kognitiven Verhaltenstherapie und der Interpersonalen Psychotherapie zwei effiziente psychologische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen, die offensichtlich bei unterschiedlich schwer depressiven Patienten einsetzbar sind. Die Kombination der Psychotherapien mit einer Pharmakotherapie zeigt keine meßbaren zusätzlichen Effekte. Die Vorteile der Psychotherapie werden in der Katamnese erst deutlich. Abschließend werden weiterführende bzw. klärungsbedürftige Forschungsfragen dargestellt.
 
Schlüsselwörter
unipolare Depression - kognitive Verhaltenstherapie - Interpersonale Psychotherapie - Effektivität - Schweregrad einer Depression - Kombination mit Antidepressiva
 
Summary
This paper reviews controlled studies comparing different treatments for unipolar depression. Several outcome studies with their main findings are described. It is concluded that with CBT and IPT two efficient psychological treatments are available which can treat successfully unipolar depression of all levels of severity. Combination treatment is not superior to mono-tretament. The benefits of psychotherapy are quite remarkable at long-term follow-ups. Future directions and open research questions are discussed.
 
Keywords 
unipolar depression - Cognitive-behavioral Therapy - Interpersonal Psychotherapy - efficacy - severity
 
 
Christoph Lindner
 
Somatische Aspekte des Brustkrebses
 
Zusammenfassung:
Brustkrebs ist die häufigste Krebserkrankung der Frau mit einer Inzidenz von 7 - 10 % in den westlichen Ländern. Ätiologisch spielen nach heutigen Erkenntnissen sowohl endogene Faktoren (genetische Disposition, hormonelles Milieu) als auch exogene Noxen (Ernährung, Umweltfaktoren) eine Rolle. In der Diagnostik des Mammakarzinoms sind der klinische Befund und die Mammographie entscheidend. Bei der primären operativen Therapie wird je nach individuellem Befund ein brusterhaltendes Vorgehen (großzügige Tumorektomie und Bestrahlung der erhaltenen Brust) oder eine Mastektomie gewählt. In beiden Fällen erfolgt zusätzlich eine Entfernung der axillären Lymphknoten. Darüber hinaus wird häufig eine adjuvante Systemtherapie der Operation angeschlossen. Eine Besonderheit des Mammakarzinoms liegt in seiner oft vorhandenen Hormonabhängigkeit. Es können daher neben Chemotherapeutika auch endokrine Therapieschritte zur Anwendung kommen. Hat ein Mammakarzinom Fernmetastasen ausgebildet, so ist eine Heilung nicht mehr möglich. Bei der palliativen Therapie des Mammakarzinoms kommen in der Abhängigkeit der vorliegenden Befunde hormonelle Therapieschritte und Zytostatika zum Einsatz, wobei die Erhaltung der Lebensqualität der Patientin eine entscheidende Richtgröße darstellt.
 
Schlüsselwörter
Brustkrebs / Mamma-Karzinom - Onkologie - Gynäkologie
 
Summary
Breast cancer is the most frequent malignant disease of women. The incidence or lifetime risk among women in the western world is 7 - 10 %. For etiology there are different endogenous risk factors (genetic aspects, endocrine effects) as well as exogenous risk factors (environmental exposures) in discussion. In diagnostic of breast cancer clinical examination and mammography are most important. For primary operative therapy breast conservation (lumbectomy and radiation) or mastectomy are possible depending on individual factors, both combined with axillary lymphonodectomy.
In addition in most cases adjuvant systemic medication is recommended. Hormone dependence of breast cancer ist of special importance since endocrine therapy as well as chemotherapy are used for systemic treatment. If metastases of breast cancer are detected there is no curative treatment anymore but effective measures to provide palliation. For metastatic disease the sequence of treatment steps are depending of individual patient factors and include different chemotherapies as well as endocrine medications.
 
Keywords
breast cancer - oncology - gynecology
 
 
 
Jutta Schüßler
 
Sozialpädagogische Aspekte im Umgang mit Mammakarzinompatientinnen
 
Zusammenfassung:
Die Diagnose Brustkrebs stürzt die betroffenen Frauen in eine Lebenskrise. Sie hat Auswirkungen sowohl auf ihre physische und psychische Integrität, als auch auf ihre sozial und ökonomisch konstituierte Lebenssituation.
Professionelle Sozialarbeit beinhaltet die psychosoziale Unterstützung und Begleitung der Mammakarzinompatientinnen (z.B. Krisenintervention, Paar- und Familiengespräche, kontinuierliche Gesprächs- und Entspannungsgruppen), die sozialrechtliche Beratung (z.B. Schwerbehindertenausweis, berufliche Rehabilitation, häusliche Krankenpflege) und konkrete Hilfe bei der Durchsetzung der daraus abgeleiteten Ansprüche. Diese beiden Aspekte sozialpädagogischen Handelns ermöglichen eine ganzheitliche Betrachtungsweise und Hilfestellung bei der Bewältigung der Krankheit und der durch sie aufgebrochenen Lebenskonflikte. Ziel ist es, die betroffenen Frauen zu unterstützen, in größtmöglicher Selbstbestimmung, eine Lebensform zu finden, die lebbar und sinnvoll ist und ihrer individuellen Lebensqualität gerecht wird.
 
Schlüsselwörter
Brustkrebs -Sozialarbeit - psychosoziale Unterstützung- sozialrechtliche Beratung
 
Summary
Women diagnosed with breast cancer are thrown into a life crisis that affects not only their physical and mental integrity, but also the very fabric of their social and economic lives.
Professional social work encompasses both psycho- and sociotherapeutic support and guidance of the breast cancer patient (i.e. crisis intervention, couple and family counseling, ongoing relaxation and therapy groups), counseling with respect to legal rights (i.e. handicapped identification, job rehabilitation, home nursing), and concrete assistance for exercising the patients rights. These two aspects of social work enable a holistic approach in battling the illness and its related life conflicts. The goal is to support women with disease, while helping them find their own way of living that is meaningful and that does justice to their individual quality of life.
 
Keywords
breast cancer - social work - psycho- and sociotherapeutic support - counseling with respect to legal rights
 
 
 
Reinhold Schwarz
 
Die Psychosomatik des Brustkrebses als Co-Karzinogen 
 
Zusammenfassung:
Ohne zwischen unterschiedlichen Krankheitsbildern zu differenzieren, die unter dem Sammelbegriff “Krebs” zusammengefaßt sind, wird ein Stereotyp, die sogenannte Krebspersönlichkeit, als wesentliche Krankheitsursache betrachtet, vor allem auch für das Mammakarzinom. Als zentrale Merkmale gelten: depressive Stimmungslage, soziale Überangepaßtheit, gehemmter Ausdruck von Gefühlen und Bedürfnissen, reduzierte Aufmerksamkeit körperlichen Symptomen gegenüber, u.a.m.. In einer präbioptischen Studie wurde an 230 Frauen mit einer Tumorerkrankung der Brust die Theorie einer psychosomatischen Krebsätiologie durch die Beantwortung der folgenden Fragen überprüft: Sind die fraglichen psychischen Auffälligkeiten Ausdruck einer vorauslaufenden Persönlichkeitsstörung oder stellen sie Reaktionen auf die Erkrankung dar? Lassen sich Auffälligkeiten im präventiven Verhalten nachweisen, und gibt es spezifische Unterschiede in der Symptomaufmerksamkeit?
Durch einen quasi-experimentellen Forschungsansatz gelang es, den konfundierenden Einfluß der persönlichen Krankheitserwartung auf das psychische Befinden von dem Effekt der tatsächlichen Erkrankung zu trennen. Dadurch konnte nachgewiesen werden, daß die psychischen Phänomene bei Krebskranken als Folge der Erkrankung zu verstehen sind und nicht als Ursachenfaktoren gelten können, auch nicht im Sinne einer Co-Karzionogenese.
 
Schlüsselwörter
Krebspersönlichkeit - Krankheitsverhalten - coping
 
Summary
Without distinguishing between the various types of diseases which are summarized under the term “cancer” a so-called “cancer-personality” is regarded as the essential cause of the disease. Their characteristics are quoted as follows: depressive mood, social conformity, restrained expression of needs and emotions, reduced perception of physical symptoms, etc. In a prebioptical study with 230 women with breasttumours the theory of a psychosomatic cancer ethiology was tested with regard to the following aspects: do the psychological phenomena observed reflect a premorbide personality structure or do they represent reactions to the disease? Is it possible to identify pecularities in the preventive behaviour and are there specific differences in the perception of the symptoms?
By means of a quasi-experimental approach it was possible to distinguish between the influence of the personal expectancy concerning the diagnosis and the effect of the actual disease. So it was proven that psychological phenomena of cancer patients are to be understood as results and not as the cause of the disease.
 
Keywords
Cancer-personality - illness-behaviour - coping
 
 
 
Eberhard Aulbert
 
Psychosoziale Begleitung von Patienten mit Brustkrebs aus der Sicht des Klinikers 
 
Zusammenfassung:
Bei schwerkranken Krebspatienten stimmt die individuelle Lebenszufriedenheit oftmals nicht mit dem tatsächlichen Krankheitsverlauf überein. Das subjektive Krankheitserleben und die subjektive Wertung der unabänderlichen Behinderungen bestimmen entscheidend die Krankheitsverarbeitung und -bewältigung und damit die Lebensqualität. Somit ist die Lebensqualität “die bestmögliche Lebensentfaltung eines Menschen in der ihm durch die Tumorerkrankung, die Therapie oder deren Folgezustände auferlegten Begrenztheit”.
Lebensqualität verändert sich im Verlauf einer progredienten Krebserkrankung. Die individuelle Erfahrung des Betroffenen mit seinem eigenen (progredienten) Krankheitsverlauf stellt daher einen weiteren wesentlichen Faktor dafür dar, was er als Lebenqualität empfindet.
Lebensqualität ist eine dem eigenen Lebensentwurf entsprechende Daseinsausfüllung. Offensichtlich stört gerade ein Mißverhältnis zwischen dem, was der Patient für möglich hält und seiner tatsächlichen Realsituation die Lebensqualität ganz besonders. Je größer die Abweichung von ihm empfunden wird, desto schlechter ist seine Lebensqualität. Die von dem Patienten erlebte Lebensqualität kann daher auf zwei Wegen verbessert werden:
 
- durch eine Verbesserung seiner aktuellen Situation (Behandlung von Beschwerden, Rehabilitation von krankheits- und therapiebedingten Behinderungen)
-  oder durch eine realistische Korrektur (Adaption) seiner Erwartungen durch Unterstützung bei der Akzeptanz unabänderlicher Beschwerden und Behinderungen (Hilfe und Unterstützung bei Krankheitsverarbeitung und Krankheitsbewältigung)
 
Eine wirksame und konsequente Behandlung quälender Symptome ist die wesentlichste Voraussetzung für eine Lebensqualität im Angesicht einer unheilbaren chronisch fortschreitenden Erkrankung. Ungenügend behandelte Schmerzen und Symptome stellen ein wesentliches Hindernis für die Krankheitsverarbeitung dar.
Die Hilfe bei der Krankheitsverarbeitung und Krankheitsbewältigung durch den Patienten ist das wesentlichste Ziel psychosozialer Betreuung. Eine Akzeptanz der Erkrankung, ihrer unabänderlichen Folgen und des absehbaren Sterbens ist nur bei weitgehender Beschwerdefreiheit realisierbar. Die Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung und -bewältig-ung beinhaltet im wesentlichen die Bearbeitung von Verlusten, die Hilfe bei notwendigen Verzichtsleistungen und den Beistand bei der Trauerarbeit.
Eine der schlimmsten Folgen einer unheilbaren Krebserkrankung ist der Abbau des Selbstwertgefühls durch die Erkrankung und die damit verbundenen Behinderungen. Folgende Möglichkeiten einer Hilfestellung zur Verhinderung dieses Abbaus des Selbstwertgefühls sind von Bedeutung und werden im einzelnen besprochen:
- Eine sorgfältige, ausgewogene Aufklärung
- Anbieten einer einfühlsamen Beziehung
- Abbau von Ängsten
- Aufzeigen von Ansatzpunkten für Hoffnung
- Psychosoziale Unterstützung
- Psychotherapeutische Hilfen
- Trauerbegleitung
 
Schlüsselwörter
Lebensqualität - Symptomkontrolle - Krankheitsbewältigung - Selbstwertgefühl - Aufklärung - Trauerbegleitung
 
Summary
Severely ill cancer patients show characteristic differences in life quality compared to illness status. Life quality is determined by subjective illness experience and subjective evaluation of illness-dependent deficits. Life quality changes in the course of a progressive disease. This experience adds an additional factor to a patient‘s wellbeing. Life quality is especially and obviously disturbed whenever patients realize a discrepancy between their personal aims in life and their actual situation. Life quality worsens with the amount of discrepancy between the two.
Life quality can be bettered in two ways:
 
- by changing the actual situation (treatment of symptoms, rehabilitation of disablements caused by the illness, and/or therapy)
- by realistic adaptation to expectations, by supporting the capacity to tolerate inavoidable symptoms and deficits (coping and management of illness).
 
Efficient as well as consequent treatment of severe symptoms is the essential condition for life quality vis à vis a progressive disease. Management of pain and attached symptoms deserve therefore special attention. Enabling a patient in coping with illness and working through its impediments is a prerequisite to accept the disease, its consequences and the impending death. It is only possible if we diminish the symptoms as far as possible. Illness-support means essentially the confrontation with loss, support of unavoidable limitations and the process of mourning. 
One of the worst consequences of a terminable disease is the diminishing self-esteem. The following possibilities to help avoiding the loss of self-esteem are important and are being erdiscussed:
- deliberate and sensitive process of giving information to the patient
- offer of an empathetic relationship
- reduction of anxieties
- leaving aspects for hope
- psychosocial support
- psychotherapeutic help
- shared awareness in the mourning process
 
Keywords
life quality - symptom control - disease-coping - self-esteeminformation about illness - mourning process
 
 
 
Monika Keller
 
Die Psychosomatik des Brustkrebses aus der Sicht des Therapeuten
 
Zusammenfassung:
Psychosoziale Interventionen verbessern nachweislich die Lebensqualität von Brustkrebspatientinnen in allen Krank-heitsstadien. Einzel- und Gruppeninterventionen, kognitiv-behaviorale sowie supportive Verfahren verringern krankheits- und behandlungsbedingte Belastungen, Angst, Depressivität und verbessern die Verträglichkeit von Strahlen- und Chemotherapie. Auswirkungen auf den somatischen Verlauf der Krebserkrankung, etwa auf die Überlebensdauer sind bisher nicht bewiesen. Psychosoziale Betreuung im medizinischen Akutbereich erfolgt in enger Kooperation mit den medizinischen Betreuern; sie umfaßt deren Beratung und Supervision neben direkter Patientenbetreuung und erfordert die flexible Anpassung therapeutischer Verfahren an aktuelle Probleme und institutionelle Gegebenheiten. Bei Patientinnen mit hohem psychosozialen Risiko ist die Indikationsstellung zu psychotherapeutischer Behandlung erforderlich. Die Einbeziehung von Partner und Familie trägt ihrer Doppelrolle zwischen eigener Belastung und wichtigster Quelle sozialer Unterstützung Rechnung. Psychodynamische Elemente können erfolgreich in ein supportives Therapiekonzept integriert werden.
 
Schlüsselwörter
Brustkrebs - psychosoziale Belastung - Krankheitsverarbeitung - Psychotherapie - Angst - Depression
 
Summery
Psychosocial interventions, including group, individual and family psychotherapies are of proven efficacy for breast cancer patients during all stages of the disease. Growing evidence derived from a variety of studies suggests that cognitive, behavioral and supportive interventions equally enhance patients’ quality of life by reducing anxiety, fears and depression, and side effects due to cancer treatment. Obviously there is no single best therapeutic approach suitable for all breast cancer patients. Contrary to the beneficial effects on quality of life, the question whether or not psychosocial interventions may influence the course of the disease, e.g. extend survival, still remains to be answered. The requirements for psychooncologic work within the medical setting include cooperation, training and support for the medical staff, thereby enhancing their knowledge and capacities in addressing adequately the patients’ need for psychosocial support. Professional psychotherapy should be restricted to patients exhibiting acute crises and severe psychosocial distress or morbidity. Psychotherapeutic interventions need to be flexibly adjusted to the patient’s individual situation; whenever possible, spouse and the family should be included. In some cases combining support to a psychodynamic approach may be useful and effective.
 
Keywords
breast cancer - psychological distress - adjustmentpsychosocial interventions - depression - anxiety