Heft 1 - 1997 Posttraumatische Belastungsstörung

01 Thomas Bronisch und Serge Sulz

Editorial - Gegenwart und Zukunft der Psychotherapie

02 MATTHIAS ENGELHARDT

VERMITTLUNGSSTELLEN FÜR PSYCHOTHERAPIE; EINE DISKUSSION

03 THOMAS BRONISCH

POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG; KLINISCHE ERSCHEINUNGSBILDER - EPIDEMIOLOGIE - THERAPIESTUDIEN

Nieder mit der traumatischen Neurose, hoch die Hysterie: Zum Niedergang und Fall des Hermann Oppenheim (1889-1919)

05 Willi Butollo

TRAUMAPSYCHOLOGIE UND TRAUMAPSYCHOTHERAPIE - Eine Herausforderung für psychotherapeutische Praxis und Forschung

06 Barbara Steinkopff

Psychosoziale Behandlung bei traumatisierten Flüchtlingen 

07 Ulrich Frommberger, Rolf-Dieter Stieglitz, Elisabeth Nyberg, Mathias Berger 

Die Psychischen Folgen von Verkehrsunfällen; Epidemiologie, Symptomatik und Therapie

08 Erdmuthe Fikentscher und Ricarda Lukas

Formen von Traumata und deren Therapie bei politisch Verfolgten in der ehemaligen DDR 

09 Ortwin Meiss

Hypnotherapeutische Methoden zur Aufarbeitung von belastenden und Traumatischen Erfahrungen

10 Prof. Dr. W. Mertens

REPETITORIUM ZUM SAMMELN UND ZUR PRÜFUNGSVORBEREITUNG 

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MATTHIAS ENGELHARDT

VERMITTLUNGSSTELLEN FÜR PSYCHOTHERAPIE; EINE DISKUSSION

Zusammenfassung:

Vermittlungsstellen als Teil der KV können eine Hilfe für Patienten auf zwei Arten sein:

1. Bessere Versorgung mit Psychotherapie durch Nutzung aller Ressourcen und

2. bessere Qualität der Therapie durch Überprüfung der Ausbildungsunterlagen von Erstattungspsychologen.

In keinem Fall darf eine Vermittlungsstelle irgendeine Kontrolle auf die existierenden Strukturen der Richtlinienpsychotherapie ausüben. Sie ist lediglich eine Hilfe für Patienten, die in Schwierigkeiten sind, einen Therapieplatz zu bekommen.

Schlüsselwörter: 
Erstattungspsychologe, Richtlinienpsychotherapeut, Psychotherapie Vermittlungsstelle

Summary
Psychotherapy arrangement departments installed in the KV may be a help for patients in two ways:

1.  Better providing with psychotherapy by using all ressources and

2. better quality of therapy by checking the postgradued education of non - licensed psychologists

In any case such a department must have totaly no control of existing structurs of licensed therapy. It should be only a help for patients, who are in trouble to get the right therapy.

Keywords 
non-licensed psychotherapy, licensed psychotherapy, psychotherapy arrangement department 

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THOMAS BRONISCH

POSTTRAUMATISCHE BELASTUNGSSTÖRUNG; KLINISCHE ERSCHEINUNGSBILDER - EPIDEMIOLOGIE - THERAPIESTUDIEN

Zusammenfassung:
Die Diagnose einer Posttraumatic stress disorder - posttraumatische Belastungsstörung (PTSD) wurde in DSM-III (1980) eingeführt und ist im wesentlichen von ICD-10 (1992) übernommen worden. Die wichtigsten Kriterien sind einerseits eine Extrembelastung, andererseits anhaltende Erinnerungen oder Wiedererleben der Belastung durch Nachhallerinnerungen, lebendige Erinnerungen und sich wiederholende Träume. Epidemiologische Studien zeigen, daß PTSD ein weitverbreitetes Krankheitsbild in der Normalbevölkerung ist mit einem hohen Grad der Chronifizierung. Pharmakotherapiestudien erbrachten den Nachweis einer mäßigen Wirkung von Antidepressiva auf Angst- und depressive Symptome. Psychotherapiestudien zeigten einen positiven Effekt auf die Symptome der PTSD, insbesondere verhaltenstherapeutische Verfahren wie systematische Desensibilisierung und Flooding.

Schlüsselwörter:  
Posttraumatische Belastungsstörung - klinisches Erscheinungsbild - Epidemiologie-Therapiestudien

Summary
The diagnosis of a posttraumatic stress disorder was introduced in DSM-III (1980) and is essentially adopted in ICD-10 (1992). The most important criteria are on the one hand an extreme life-threatening condition, on the other hand persistent recollections or reexperience of the extreme conditions by flash backs, vivid memories, and recurrent dreams. Epidemiological studies show that PTSD is a common disorder within the normal population with a high degree of chronic cases. Pharmacotherapy studies demonstrated a modest effect on depressive and anxiety symptoms by antidepressants. Psychotherapy studies showed a positive effect on the symptoms of PTSD, especially with behavioral approaches such as systematic desensitization and flooding.

Keywords 
Posttraumatic stress disorder - clinical feature - epidemiology - therapy studies

 

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Paul Lerner

Nieder mit der traumatischen Neurose, hoch die Hysterie: Zum Niedergang und Fall des Hermann Oppenheim (1889-1919)

Zusammenfassung:
Nach einem Überblick wichtiger psychologischer Problembereiche bei Traumatisierung wird die Bedeutung des Selbst bzw. des Selbst-Konzeptes behandelt. Daraus läßt sich eine psychologische Theorie der Traumatsierung auf der Basis der Selbst-Theorie herleiten. Dieser Ansatz soll ein besseres Verständnis der während bzw. nach einer Traumatisierung ablaufenden psychischen Prozesse vermitteln sowie Trauma-Symptome erklären helfen. Eine neue, daraus abgeleitete Sichtweise der Traumatherapie bzw. - prävention wird vorgestellt.

Schlüsselwörter
Integrative Traumatherapie - Post-Traumaentwicklung - traumatisiertes Selbst.

Summary
The historical development of the diagnosis of a traumatic neurosis, closely connected with the Berlin neurologist Hermann Oppenheim, is shortly outlined. This diagnosis emerged out of the observation of symptoms presented by sufferers of railway and factory accidents. The symptoms resembled nowadays symptoms of an acute stress reaction and a posttraumatic stress disorder. However, the diagnosis was from the beginning controversial and contrary to diagnoses such as hysterical neurosis, pension neurosis, and simulation. The controversy about the concept of traumatic neurosis accumulated during the First World War with the so called „Kriegszitterer“ and lead to a fierce rejection in favor of a „male hysteria“.

Keywords:
Traumatic neurosis - hysterical neurosis - male hysteria - posttraumatic stress disorder 

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Willi Butollo

TRAUMAPSYCHOLOGIE UND TRAUMAPSYCHOTHERAPIE - Eine Herausforderung für psychotherapeutische Praxis und Forschung

Zusammenfassung:
Nach einem Überblick wichtiger psychologischer Problembereiche bei Traumatisierung wird die Bedeutung des Selbst bzw. des Selbst-Konzeptes behandelt. Daraus läßt sich eine psychologische Theorie der Traumatsierung auf der Basis der Selbst-Theorie herleiten. Dieser Ansatz soll ein besseres Verständnis der während bzw. nach einer Traumatisierung ablaufenden psychischen Prozesse vermitteln sowie Trauma-Symptome erklären helfen. Eine neue, daraus abgeleitete Sichtweise der Traumatherapie bzw. - prävention wird vorgestellt.

Schlüsselwörter
Integrative Traumatherapie - Post-Traumaentwicklung - traumatisiertes Selbst.

Summary
A review of some key issues of trauma psychology is presented, leading to a brief outline of trauma related aspects of self psychology and self concept after trauma. The goal is to develop a psychological theory of intraindividual and social processes during and after trauma. The self based trauma theory should provide a better understanding of trauma disorders as well as a better indication of therapeutic and/or preventive measures.

Keywords 
integrative trauma therapy - posttraumatic development - traumatized self 

 

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Barbara Steinkopff

Psychosoziale Behandlung bei traumatisierten Flüchtlingen 

Zusammenfassung:
Der Bericht über die Beratung und Behandlung von traumatisierten Flüchtlingen in Refugio München faßt eine dreijährige praktische Erfahrung zusammen. Befragungen von Patienten zur Einschätzung unseres Beratungs- und Behandlungskonzepts werden dabei mitberücksichtigt. 

Vorgestellt werden thematische Aspekte und Problembereiche, die typisch sind für dieses Tätigkeitsfeld.

Nach kurzer Einführung in die spezielle Situation von traumatisierten Asylsuchenden und der damit verbundenen sozialen, psychischen wie körperlichen Problematik unter Berücksichtigung kultureller Einflußfaktoren wird auf den theoretischen Bezugsrahmen unserer Arbeit eingegangen. Schwerpunkt bildet im weiteren die Darstellung unseres Behandlungskonzepts, wobei Maßnahmen zur Behandlung intrusiver Phänomene detailliert beschrieben werden. Die Behandlung von Schlaf- und Schmerzstörungen erfolgt nach Behandlungskonzepten aus der kognitiven Verhaltenstherapie und der systemischen Familientherapie.

Schlüsselwörter
Posttraumatische Belastungsstörung - Asylsuche - Verhaltenstherapie

Summary
The report about the councelling and treatment of traumatized refugees in Refugio München summarizes three years of practical experience. It includes the patient‘s evaluation of our councelling- and treatment concept. Aspects and problems which are typical for this work will be presented.

The special situation of traumatized asylumseekers include social, psychological and physical problems. The relevant culturel factors and the theoretical basics underlying our therapeutical work are described.

The main part of this report is the presentation of our concept of treatment, in particular the treatment of intrusions will be outlined. Treatment of sleeping- and paindisorders is conducted by cognitive behavioral therapy and systemic family therapy.

Keywords 
Posttraumatic stress disorder - asylumseekers - refugees - behavior therapy 

 

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Ulrich Frommberger, Rolf-Dieter Stieglitz, Elisabeth Nyberg, Mathias Berger 

Die Psychischen Folgen von Verkehrsunfällen; Epidemiologie, Symptomatik und Therapie

Zusammenfassung:
Verkehrsunfälle sind häufig auftretende Ereignisse, die als psychisches Trauma wirken können. Eine bedeutende Minderheit von verletzten Patienten entwickelt gravierende psychopathologische Symptome nach einem Verkehrsunfall. Nach den Studienergebnissen ist das bei ca. einem Drittel der Patienten der Fall. Sie zeigen Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen oder phobisches Vermeidungsverhalten sowie organische Psychosyndrome. Für die Mehrzahl der verletzten Unfallopfer sind die Symptome vorübergehend und deuten eine erfolgreiche Bewältigung der Unfallfolgen an. Ein komplexes Geflecht an prämorbiden Faktoren, Gegebenheiten des Unfalls und der Verletzungen selbst, der ersten Reaktionen auf den Unfall sowie der psychosozialen und somatischen Folgen bedingen die Art und das Ausmaß an psychischen Reaktionen auf den Unfall. Bisher wurden nur wenige Studien zu den psychischen Folgen von Verkehrsunfällen durchgeführt, die noch viele Fragen unbeantwortet lassen. In der Übersicht werden einige wichtige Forschungsergebnisse und Therapieansätze zusammengefaßt.

Schlüsselwörter
Verkehrsunfall - Posttraumatische Belastungsstörung - Depression - Comorbidität - Risikofaktoren

Summary
Traffic accidents are frequent events which may result in psychological traumatization. A minority of injured patients experience major psychological symptoms after an accident.

They develop Posttraumatic Stress Disorder, Depression, phobic-avoidant behaviour or organic brain syndrome. For the majority of the victims the symptoms are transient and indicate a successful coping with the accident. A complex interaction of several factors lead to psychological distress or health.

Premorbid psychopathology, the accident itself and the injuries, the first reactions to the accident and the psychosocial and physical sequelae influence and cause psychological reactions to trauma. Only a few studies on psychological sequelae oftraffic accidents have been undertaken leaving a lot ofquestions unanswered. In a review some important aspects ofthe current empirical knowledge and therapy are summarized.

Keywords 
traffic accidents - Posttraumatic Stress Disorder - Depression - Comorbidity - risk factors 

 

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Erdmuthe Fikentscher und Ricarda Lukas

Formen von Traumata und deren Therapie bei politisch Verfolgten in der ehemaligen DDR 

Zusammenfassung:
In den letzten Jahren wurden wesentliche Kenntnisse und Zusammenhänge in bezug auf die Auswirkungen externer schwerer Traumata auf die menschliche Psyche gewonnen. Solche Traumata sind zum Beispiel Krieg, politische Verfolgung, Zwangsumsiedlung und Mißhandlung. Das zu diesem Thema gewonnene Wissen siedelt sich in verschiedenen Wissenschaftsbereichen - wie der Psychologie, der Psychotherapie und Psychiatrie, der Soziologie, Verhaltensforschung, Ethnologie u. a. - an und fließt in der Disziplin der Psychotraumatologie zusammen, die sich mit den Auswirkungen externer Traumatisierung, der Diagnostik, Therapie und Prävention traumatisch bedingter Krankheitsbilder auseinandersetzt. 

An der Klinik für Psychotherapie und Psychosomatik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wurde zwischen 1992 bis 1994 in einer Studie ein Beitrag zu den psychischen Auswirkungen politischer Verfolgung in der DDR anhand der Untersuchung ehemaliger politisch Inhaftierter geleistet. Dabei wurden Formen der Traumatisierung wie der Verlust von Menschenrechten, die gesellschaftliche Ausgrenzung und Benachteiligung sowie die Einschränkung der persönlichen Freiheit bis zum Freiheitsentzug beschrieben. Es wird in Übereinstimmung mit anderen Autoren ein Symptomenkomplex gefunden, der die wesentlichen psychischen Auswirkungen politischer Haft in der DDR beschreibt. Weiterhin werden allgemeine Merkmale einer tiefenpsychologisch orientierten Therapie bei Opfern politischer Verfolgung beschrieben. 

Zu den Besonderheiten, die für die Therapie politisch Verfolgter in der DDR formuliert wurden, gehören die zahlreichen chronifizierten Verläufe auf Grund des bis zum Ende der DDR notwendigen Schweigens über diese Ereignisse, weiterhin das Wiederaufleben des Traumas durch die tiefgreifende Veränderung der Gesellschaft 1989 mit der völligen Veränderung aller Normen und Werte sowie die an den Staat Bundesrepublik als rechtlicher Nachfolger der DDR gerichteten Wünsche nach Rehabilitation, Anerkennung der gesundheitlichen und sozialen Schäden und Wiedergutmachung.

Schlüsselwörter
Psychotrauma - politische Verfolgung in der DDR - Psychotherapie

Summary
During the past few years, valuable insights could be gained into the mode of interaction between external severe traumata and human psyche. Such traumata are - among other things - war, political persecution, compulsory resettlement, or cases of maltreatment. The knowledge gained in this context affects several disciplines - such as psychology, psychotherapy and psychiatry, as well as sociology, behavioral research, ethnology, etc. - and finally merges into psychotraumatology, a field dealing with the effects of external traumatization, diagnosis and therapy as well as prevention of traumatically determined clinical pictures.

Between 1992 and 1994, scientific studies were made at the Clinic for Psychotherapy and Psychosomatic at Martin-Luther- Universität Halle-Wittenberg as a contribution towards the psychic effects from political persecution in the former GDR, by way of examination of persons who had been imprisoned for political reasons. The forms of traumatization described in these studies include human rights violation, social prejudice and discrimination as well as restrictions of personal freedom and even deprivation of liberty. In conformance with that what other authors found, the studies revealed a complex of symptoms that describes the essential psychic consequential effects of political imprisonment in the GDR. In addition, general features of a depth-psychologically orientated therapy of victims of political persecution are described.

The special features, formulated for the therapy of political persecutees in the GDR, include - among other things - numerous chronicity courses due to the silence on what had happened imposed on the victims till the end of the GDR, also a revival of trauma caused by the deep-going social alterations in 1989 together with basic changes of norms and values, and last but not least the victims’ requests directed to the Federal Republic as the legal successor state of the GDR, actuated by their desire for rehabilitation, acknowledgment of their injuries to health and social damages, and compensation for the losses suffered.

Keywords 
psychotrauma - political persecution in the GDR -psychotherapy

 

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