Wertorientierung

Von der kognitiven Therapie der Depression (Beck 1976, Wright und Beck 1987) ausgehend, führte mein Versuch, Depressionen zu verstehen, dazu, dass mir Grundannahmen und kognitive Schemata unzureichend zur Erklärung erschienen. Das Thema der Werte bekam besondere Bedeutung. Kognitive Schemata sind zum großen Teil kausale, aber auch wertende Attributionen. Der depressive Mensch stellt vor oder während seiner Depression fest, dass er sein Anspruchsniveau nicht einhalten kann, dass er Zielvorstellungen nicht gerecht wird. Er glaubt, “etwas von beträchtlichem Wert, wie eine persönliche Beziehung, verloren oder ein wichtiges Ziel nicht erreicht zu haben (Beck 1979, S. 92).”. Diese negative Sicht des Selbst führt zu einem Verlust der Selbstwertgefühle. Er vergleicht sich mit anderen Menschen. “Jede Begegnung mit einem anderen kann zu einer negativen Selbstbeurteilung führen (Beck 1979, S. 97).”
Maßstab der Bewertung ist einerseits ein “Normenkomplex”, der Handeln als richtig oder falsch einstuft, und der andererseits den Erfolg einer bestimmten Leistung als Vergleich von Ist- und Sollwert einschätzen lässt. Auch ist die Bewertung eines Handelns oder Geschehens bezüglich der Auswirkungen auf die “persönliche Domäne” bedeutsam: “Im Zentrum dieser Domäne befindet sich das Konzept, das der Betreffende von sich selbst, seinen physischen Attributen und persönlichen Merkmalen, seinen Zielen und Wertvorstellungen hat. Um dieses Selbstbild herum gruppieren sich die belebten und nicht belebten Objekte, an denen er Anteil nimmt. Diese Objekte schließen in der Regel seine Familie, seine Freunde und seinen materiellen Besitz ein. Die anderen Komponenten seiner Domäne weisen einen unterschiedlichen Grad an Abstraktheit auf: von seiner Schule, seiner sozialen Schicht und Nationalität bis zu immateriellen Wertvorstellungen oder Idealen bezüglich Freiheit, Gerechtigkeit und Moral (Beck 1979, S. 51).”
 
Beck sieht Werte und Wertorientierung also als Bestandteil der persönlichen Domäne, die eine erweiterte Selbstdefinition ist. Der Mensch ist Besitzer und Verwalter seiner Domäne. Er ist mit ihr so sehr identifiziert, dass er seinen Wert an deren Zustand misst. In dieser Domäne sind seine sozialen Beziehungen und sein gesellschaftlicher und kultureller Standort und Stellenwert festgelegt. Er ist der affektiv-kognitive Mittelpunkt seiner Welt und sein Schicksal ist unentrinnbar mit dem seiner zu ihm gehörenden Welt verknüpft.
Werte und Wertorientierung können so als Mittel der Verwaltung der persönlichen Domäne eines Menschen verstanden werden. Seine Domäne schmälernde oder beschädigende Ereignisse haben die Bedeutung des Werteverlustes oder der Nichterfüllung von Werten. Diese Interpretation der Geschehnisse führt zu einer Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls. Zunächst kommt es zu Anstrengungen, um die Werte wiederherzustellen bzw. wiederzuerfüllen. Führen diese Bemühungen nicht zum Erfolg, so kann sich eine Depression einstellen. Von automatischen Gedanken ausgehend lässt sich die Funktion von Werten vermuten: Einige Menschen sind stark wertorientiert. Sie bewachen aufmerksam Erfüllung oder Nichterfüllung von Werten.
 
Wie kann man Wert definieren?
“Werte sind Präferenzmodelle, die zwischen emotional bestimmten Subjekten von diesen selegierten Weltausschnitten gelten und zwar allgemein (Scholl-Schaaf 1975, S. 60).”
Oder:
“...ein kulturell-sozial determiniertes (und geltendes), dynamisches, ich-zentrales, selbstkonstituierendes Ordnungskonzept als Orientierungsleitlinie, die den Systeminput einer Person (Wahrnehmung) selektiv organisiert und akzentuiert sowie ihren Output (Verhalten) reguliert, mithin eine ich-dirigierte Planung und Ausrichtung des Verhaltens über verschiedene Situationen hinweg (Kmiecick 1976, S. 149).”
 
Werte bestimmen also Erleben und Verhalten des Menschen. Werterfüllung führt zum Empfinden des Wertseins, zu einem positiven Selbstwertgefühl. Wertorientierung kann deshalb als Regulationsprinzip des Menschen betrachtet werden, das ihm hilft, seinen Selbstwert aufrechtzuerhalten. Die vielen verschiedenen Wertorientierungen zeigen, dass es viele Wege gibt, den Selbstwert zu stärken. Die Kultur, die Gesellschaft, die Familie und das eigene Selbst mit seiner individuellen Art der Auswertung und Bewertung von diesbezüglichen Erfahrungen geben Schwerpunktsetzungen vor.
 
Wertorientierung kann als Summe der Erfahrungen und Erwartungen betrachtet werden, zu denen ein Mensch in seiner Kultur, seiner Gesellschaft, seinem Freundeskreis und seiner Familie im zeitgeschichtlichen Wandel seiner biographischen Lebensepisode gelangt. Sie geben ihm Orientierung, wie ihm Erfahrung des Wertseins ermöglicht wird, an welchem Ort, in welchem psychosozialen Kontext er durch welche Handlungen entweder durch das Feedback anderer Menschen oder durch Selbstbewertung das Erleben von Wertsein herstellen kann.
 
Im Erleben ist Wertsein bereits ein Endzustand, der Zufriedenheit, Genugtuung in Form emotionaler Sättigung verschafft. Bestand zuvor ein Selbstwertmangel, so wird dieses Defizit dadurch behoben, zumindest vorübergehend. Der Sollwert ist wieder erreicht, worauf die Bemühungen der psychosozialen Homöostase beendet werden. Bestand kein Defizit, so entsteht eine Fülle und Reichtum an Wert, begleitet von Gefühlen des Glücks nach gelungener Leistung des Stolzes.
 
So wie Wertorientierung instrumentell sein kann, kann auch das Gefühl des Wertseins (Selbstwertgefühl) instrumentell sein. Die sich einstellende Befriedigung ist dann sekundär, das zu bedienende Bedürfnis nach Selbstwert ist in diesem Falle ebenfalls sekundär:
Was hast Du davon, wenn Du wert bist? Was kann und darf daraus Positives entstehen?
Was kann dann nicht mehr passieren? Welche Tür öffnet sich dadurch für Dich? Was wird dann sein? Wessen bist du wert? Welcher Satz wird vom Gefühl her vollständig?
Ich bin wert, zu ...
Ich bin wert, von einem Menschen ... zu erhalten.
Ich bin wert, von einem Menschen ... zu werden (welche Art von positiver Zuwendung?).
Wert ist dann die Währung, mit der ich das erwerbe, was ich eigentlich brauche. Oft steht dahinter:
Ich bin wert, geliebt zu werden. Oder:
Ich bin wert, angenommen zu werden.
Und schließlich:
Wem bin ich dann etwas wert?
 
Wertorientiertes Handeln wird hier zu einem prosozialen Handeln, durch das ich mir die Befriedigung meiner Zugehörigkeitsbedürfnisse in meiner sozialen Umwelt sichere. Auch dann, wenn die Werterfüllung nicht unmittelbar meinen Mitmenschen nutzt, sondern primär mein Selbstkonzept stützt.
 
In einem Handlungsmodell (z.B. Sulz 1986, siehe auch Kapitel 1 und 2) kann Wertorientierung als ein erlebens- und verhaltenssteuerndes Regulativ betrachtet werden, das die Wechselwirkung zwischen Person und Umwelt zugunsten des Individuums optimieren soll, oft unter Verzicht auf kurzfristige Gewinne, die zu Lasten des anderen gehen würden. Dieses Regulativ verwendet andere Kriterien als die Normorientierung und die Moral.
 
Eine eigene Serie von Untersuchungen zum Thema Bedürfnis und Wert führte zu einer Skala der Wertorientierung, die aus sieben Faktoren besteht (VDS33 Wertanalyse in: Strategische Therapieplanungsmaterialen, Sulz 1999).
 
Zunächst wurden möglichst umfassend die in der wissenschaftlichen Literatur genannten Wertbegriffe gesammelt. Daraus entstand eine Liste von 105 Werten. Diese wurde einerseits einer Stichprobe von 60 Patienten (je zwanzig depressive, zwanzig nicht depressive Patienten einer psychiatrischen Klinik und zwanzig Patienten einer chirurgischen Klinik) zur Bewertung vorgelegt. Aus den 105 Kärtchen sollten sie die zwanzig wichtigsten auswählen mit den für sie zentralsten Werten (Michl 1982). Darüber hinaus wurden die 105 Werte in Fragebogenform einer studentischen Stichprobe (N = 386) vorgelegt. Eine Faktorenanalyse (Hauptkomponentenverfahren mit Varimaxrotation) ergab folgende sieben Faktoren:
WF1 – intellektuelle Freiheit – geistige Unabhängigkeit
WF2 – Überlegenheit, Leistung
WF3 – Sicherheit / materielle Sicherheit
WF4 – Glauben/Spiritualität
WF5 – Familie und Partnerschaft
WF6 – soziale Akzeptanz und Anerkennung
WF7 – etwas erleben und Schönes genießen
Diese sieben Faktoren erklären 33 % der Varianz der 105 Werte (Tuschl 1983).
Einige Werte, die bei der Patientenstichprobe zu den zwanzig wichtigsten Werten zählten, erhielten in diesen sieben Faktoren keine ausreichenden Faktorladungen, so dass sie in dieser Faktorstruktur nicht repräsentiert sind. Deshalb wurden sie in der Werteanalyse VDS33 als “allgemeine Werte” den sieben Faktoren hinzugefügt:
Mir ist sehr wichtig,
dass Frieden in der Welt ist
dass ich gesund bin
dass ich körperlich fit bin
dass ich mich entsprechend meinen Möglichkeiten und Wünschen entfalten kann (Selbstverwirklichung)
dass ich meinem Leben einen Sinn gebe
dass ich das Gefühl habe, gebraucht zu werden
dass ich tolerant gegenüber Menschen bin, die anders sind
dass ich meine Pflichten gewissenhaft erfülle
dass ich Freude an der Arbeit habe
dass ich Bildung habe
dass ich die Menschen und das Leben verstehe (Weisheit)
 
Diese Werte sind in ihrer persönlichen Bedeutung zum Teil altersabhängig. Für ältere Menschen ist materielle Sicherheit und Glauben/Spiritualität wichtiger. Andere Werte sind geschlechtsabhängig: Für Frauen ist Familie und Partnerschaft wichtiger. Für Männer ist Anerkennung wichtiger. Auch hinsichtlich Konfession gibt es signifikante Unterschiede: Katholiken und Evangelischen ist Familie und Partnerschaft wichtiger als Konfessionslosen. Katholiken ist soziale Anerkennung wichtiger als Evangelischen und Konfessionslosen. Auch der Familienstand korreliert mit der Wertorientierung: Verheirateten ist geistige Unabhängigkeit, Überlegenheit/Leistung, Glaube/Spiritualität sowie Familie und Partnerschaft wichtiger als Ledigen.
Diese Studie beinhaltete auch die Erfassung von Bedürfnissen. Hierzu wurden aus der wissenschaftlichen Literatur 229 Bedürfnisse gesammelt (Walther 1983). Aus diesen wurde eine Skala mit 86 Bedürfnissen gebildet. Diese wurden einer Faktorenanalyse unterzogen (Hauptkomponentenverfahren mit Varimaxrotation). Es ergaben sich 18 Faktoren, die 57 % der Varianz erklärten (Tuschl 1983). Um den Zusammenhang zwischen Werten und Bedürfnissen zu untersuchen, wurden Werte- und Bedürfnisfaktoren einer kanonischen Analyse unterzogen. Bei gegebenen Bedürfnissen sind 20,5 % der Werte redundant, d.h. 20,5 % der Varianz der Werte kann durch die Bedürfnisse erklärt werden. Bei gegebenen Werten sind 8 % redundant, d.h. 8 % der Varianz der Bedürfnisse kann durch die Werte erklärt werden.
Teils kann die Überlappung dadurch erklärt werden, dass Bedürfnisthemen und Wertthemen bei einigen Faktoren sehr ähnlich sind (Leistung, soziale Anerkennung, Erleben und Genießen, Sicherheit). Dies könnte so interpretiert werden, dass zentrale Werte Bedürfnischarakter annehmen und dadurch noch mehr handlungsleitende Funktion gewinnen. Oder dass zentrale Bedürfnisse zu Werten erklärt werden, die von der sozialen Gemeinschaft hochgehalten werden, damit mehr willentliches Bemühen entsteht und es nicht der unreflektierten bedürfnisbefriedigenden Handlung überlassen bleibt.
Beim Vergleich der Rangordnung der fünf wichtigsten Werte bei depressiven und nicht depressiven Menschen in der Patientenstichprobe fiel auf, dass Glück in der Werteliste der Depressiven fehlt. Dafür bürden sie sich im Gegensatz zu den Nicht-Depressiven Zuverlässigkeit als zentralen Wert auf.
 
Werte können in der Therapie sowohl Ressource als auch Problem sein. Die Besinnung auf erfüllte Werte oder auf die Möglichkeit und Fähigkeit, so zu handeln, dass Werterfüllung erfahren wird, wird als positives Erleben zur Kontrasterfahrung zu Leid und Krankheit. Zum Problem können Werte auf zweifache Weise werden. Einmal dadurch, dass es nicht gelingt, sie zu erfüllen, z.B. weil die momentane Situation es nicht zulässt oder die notwendigen Fähigkeiten nicht verfügbar sind. Ein anderes Mal weil ein Konflikt zwischen einem zentralen Wert und z.B. einem zentralen Bedürfnis besteht. So kann das Bedürfnis nach Sexualität einen seiner Frau gegenüber rücksichtsvollen Mann angesichts des Wertes ehelicher Treue in einen Konflikt stürzen, der z.B. durch das Symptom der sexuellen Inappetenz mit nachfolgendem Vermeiden von sexuellen Kontakten vorübergehend entschieden wird.
Bezüglich der Formulierung von Therapiezielen stellt sich die Frage, ob der Wert in Art und Ausmaß für diesen Menschen in seinem Lebenskontext bereits dysfunktional ist. Therapeutisch ist dabei allerdings Zurückhaltung geboten, um nicht dem Patienten seine eigene Wertorientierung überzustülpen. Weniger gefährlich ist die Frage nach dem dysfunktionalen Umgang mit den zentralen Werten und nach der Art des Umgangs mit einem eventuellen Konflikt zwischen Wert und Bedürfnis, z.B. zwischen Ehrlichkeit und dem Bedürfnis nach Anerkennung. Therapeutisches Anliegen wäre es, die bisherige Art des Umgangs hinsichtlich Vor- und Nachteilen, deren Auswirkungen auf die Beziehung und das Selbstgefühl zu analysieren. Diese Analyse gibt dem Patienten die Freiheit, sich bewusst für oder gegen diese Art der Konfliktlösung zu entscheiden. Gegebenenfalls können neue Arten des Umgangs mit dem Konflikt erarbeitet und erprobt werden.
 
Man kann z.B. folgende Arten des Umgangs mit Werten unterschieden:
- Ich halte mich lieber an meine Wünsche und Interessen als an Werte.
Meine Werte sind mir bewusst, aber ich orientiere mein Verhalten nicht oder kaum an ihnen und dies ist für mich stimmig (Ich bin halt so).
Mir wird ein Wert erst dann bewusst, wenn ich in seiner Verwirklichung gescheitert bin. Mein
Schamgefühl oder mein abgesunkenes Selbstwertgefühl bewirken aber nicht, dass ich das nächste Mal meine Werte erfülle.
Obwohl mir meine Werte bewusst sind und ich nach ihnen handeln will, schaffe ich es immer
wieder nicht, worunter ich dann leide.
Meine Werte stürzen mich oft in Konflikte, da ich manche Situationen besser bewältigen könnte,
wenn ich nicht an sie gebunden wäre.
Meine Werte sind mir oft bewusst und ich achte so oft es geht darauf, sie zu verwirklichen und dies
gelingt mir oft.
Meine Werte sind mir nicht oft bewusst, ich orientiere mein Verhalten trotzdem automatisch an
ihnen.
Wenn es mir gelang, einen zentralen Wert zu verwirklichen, so fühle ich Genugtuung, Freude oder
Stolz.
- Meine Werte helfen mir, indem sie mir Orientierung und Sinn geben und mich vor
Verhaltensweisen schützen, die meinem Selbstwertgefühl schaden würden.
- Ich kämpfe oft intensiv darum, meine zentralen Werte zu verwirklichen.
Wenn es mir gelang, einen zentralen Wert zu verwirklichen, kann ich mich kaum oder nur kurz
darüber freuen.
Wenn ich es nicht schaffe, einen zentralen Wert zu verwirklichen, quälen mich Gefühle des
Selbstwertmangels (Ich fühle mich viel weniger wert oder unwert).
Ich gerate in eine Selbstwertkrise, wenn ich in der Verwirklichung eines zentralen Wertes
scheiterte. Ich habe dann tagelang das Gefühl, nichts wert zu sein oder nichts zu sein.
- Mein Leben ist gescheitert, wenn es mir nicht gelingt, meine zentralen Werte zu verwirklichen.
 
Dieser Umgang mit Werten lässt sich wiederum in vier Kategorien einteilen:
wenig ausgeprägte Orientierung an Werten
konflikthafte Orientierung an Werten
gelungene Wertorientierung
Wert als Überlebenskampf
Die Zuordnung der Handlungsweisen zu den Kategorien findet sich in VDS33 der strategischen Therapieplanungsmaterialien.
 
Es bleibt die Frage, was der Therapeut angesichts der Wertorientierung des Patienten für die Gestaltung der therapeutischen Beziehung beachten muss. Wenn sehr große Unterschiede zwischen seiner Wertorientierung und der des Patienten bestehen, so muss er sehr auf seine Stellungnahmen zu wertgeleiteten Gedanken des Patienten achten. Wenn der Therapeut selbst in seinem Denken und Handeln relativ stark von seinen Werten bestimmt wird, so sollte er in der Lage sein, dies aus der Therapie herauszuhalten, damit dem Patienten die Möglichkeit bleibt, sich gegen Werte und für Bedürfnisse zu entscheiden.
 
Menschen, die Symptome entwickeln, befinden sich in einer Notlage, in der es oft um basalere Aspekte geht als um Werte. Ihre zentralen Bedürfnisse (incl. dem Bedürfnis nach Selbstwert), Ängste und Aggressionstendenzen bestimmen das Konfliktfeld. Ihre Selbstregulation im Sinne einer Emotions- und Handlungsregulierung strebt in dieser krisenhaften Situation deren homöostatisches Gleichgewicht an.
 
Erst wenn therapeutische Änderungsbemühungen beginnen und Wege der Problemlösung erwogen werden, können Werte bei der Weichenstellung entscheidend werden. Eine Problemlösung entgegen der Wertorientierung des Patienten ist nicht realisierbar. Wird dies nicht rechtzeitig thematisiert, so bemerkt der Therapeut erst nach der Stagnation der therapeutischen Intervention, was die Ursache des unüberwindlich gewordenen Widerstands ist. Deshalb hat Kanfer (1977) dieses Thema als Ziel- und Werteklärung in die Zielanalyse integriert.
 
aus S.K.D. Sulz: Von der Strategie des Symptoms zur Strategie der Therapie
- Prozessuale und inhaltliche Gestaltung von Psychotherapien